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Clavier-Salon

Am vergangenen Donnerstag lud das Ehrbar!-Ensemble in den Göttinger Clavier-Salon. Anlässlich des sich jährenden Geburts- sowie Todestages Lili Boulangers stellten sich die Musiker_innen der Frage nach den komponierenden Frauen. Denn – das überrascht hoffentlich niemanden mehr – so selten sie im Fokus stehen, so sehr begabt sind sie häufig.

Zu hören waren Kompositionen von Clara Schumann, Fanny Hensel, Lili Boulanger, Cecile Chaminade sowie Vitezslava Kaprálová, um nur einige der Künstlerinnen zu nennen, die den Abend prägten. Gegenübergestellt wurden sie männlichen Kollegen wie u.a. Frédéric Chopin, Gabriel Fauré, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Francis Poulenc. Durch das Programm führte Rudolf Krieger, der zudem die Melodramen sprach. Durch seine Ein- und Überleitungen unterstrich er, mit wie viel Klugheit und Feinsinn die Stücke zusammengestellt waren. Hier von bloßer Gegenüberstellung von Komponistinnen und Komponisten zu sprechen, ist der Sache nicht angemessen; vielmehr handelte es sich um ein Spiel zwischen Ergänzung und Unterscheidung, Vergleichbarkeit und Eigenheit der Kompositionen.

Dieser Befund ist übertragbar auf den gesamten Konzertabend insofern, als den besonderen Genuss ausmachte, über das Vergleichen an sich hinauszugehen, also sich einzulassen auf Bekanntes und Unbekanntes und sich von beidem gleichermaßen mitnehmen zu lassen.

Einen Höhepunkt des Programms bildete Kaprálovás Melodram für Sprecher und Klavier Karlu Capovki, das mit seiner Tiefe und Dichte den Clavier-Salon in beeindruckender Weise ausfüllte. Flötistin Heike Malz, Gerrit Zitterbart am Klavier und Rudolf Krieger als Sprecher boten hier ein Zusammenspiel dar, das einfühlsam abgestimmt vermochte, Schmerz und Ernst des Textes zum Tod Karel Čapeks zu vermitteln.

Nicht nur hier, sondern auch andernorts im Programm wurde deutlich, welch ein Gewinn Heike Malz, die Solo-Flötistin bei der NDR Radiophilarmonie ist, für den Abend war. Üblicherweise nicht Teil des Ensembles, bereicherte sie um sehr klaren, aber auch dunklen und warmen Klang. Ihr Spiel in merkbarer Kommunikation mit ihren Mitspieler_innen trug einen wesentlichen Teil bei zum Gesamteindruck des Ensemblespiels.

Heidrun Blase als Sopranistin überzeugte durchweg, etwa in Jules Massenets Elegie in f-Moll, in der sie, wie den gesamten Abend, in Einigkeit von Stimme und Gestik erkennbar Freude an der Darbietung hatte. So inszenierte sie jeweiligen Ausdruck in den Stücken mit entsprechender, doch nicht unruhiger Vielseitigkeit.

Bedauerlich ist, dass die Dynamik in den Melodramen zeitweise dazu führte, dass Kriegers Sprechstimme schwer hörbar war. Insbesondere aber wäre ein größeres Publikum wünschenswert gewesen, denn der Konzertabend war ein äußerst gelungener. Darin schien sich das Publikum einig zu sein und umso schöner ist es, dass allen, die dem Konzert nicht beiwohnen können, noch eine Chance haben: Ehrbar! wird das Programm des vergangenen Donnerstags in Bälde auf CD aufnehmen.

Bereichert durch den Ritt über Generationen-, National, Epochen- und nicht zuletzt Geschlechtergrenzen hinweg, bleibt zu sagen: Nicht Komponistinnen gegen Komponisten, sondern Musiker_innen miteinander waren im Clavier-Salon zu erleben.

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