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Göttinger Symphonie Orchester

Den Zyklus „Wiener Klassik“ des Göttinger Symphonie Orchesters hat der scheidende GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller in der Saison 2008/09 eingeführt, nachdem schon sein Vorgänger Christian Simonis die GSO-Programme mit Mozart- und Haydn-Zyklen bereichert hatte. Eine Erfolgsgeschichte: Der Wiener-Klassik-Zyklus hat inzwischen ein großes, treues Stammpublikum. So war auch am Freitag die Universitäts-Aula beim letzten von Mueller geleiteten Abend dieser Reihe prall gefüllt.

„Maskenspiel“ hieß das Programm. Nein, es ging nicht um Karneval, auch nicht unbedingt um Wien – die Werke des Abends stammten allesamt nicht aus der Donaustadt, sondern aus dem englischen Newcastle, dem sächsischen Leipzig und aus London. Der Nord-Engländer Charles Avison (1708-1770) hat Cembalostücke von Domenico Scarlatti als Concerti grossi bearbeitet, ihnen also die Gestalt von Orchesterstücken gegeben. Thomaskantor Bach betrieb ein anderes Maskenspiel: Er machte aus Violinkonzerten gern Cembalokonzerte – dieser Maske wurde am Freitag noch eine zweite übergestülpt, denn der aus Israel stammende Musiker Avi Avital spielte den Solopart des Konzerts BWV 1052 auf dem Instrument seiner Wahl, der Mandoline. Den geringsten Maskenanteil besaß die G-Dur-Symphonie von Carl Friedrich Abel – sie war einfach ein stilistisch wunderbar passendes Werk, um den zweiten Teil des Abends mit einem flott-unterhaltsamen Stück zu eröffnen. Mueller sorgte stets mit großer Sorgfalt für feine Differenzierungen im Ausdruck, für schöne Spannungsbögen und auch für die klangliche Balance zwischen Solo und Tutti.

In den beiden Avison-Concerti ließ Mueller nach frühklassischer Praxis die Geiger und Bratscher im Stehen spielen. Das freilich garantiert nicht allein die allem Anschein nach angestrebte Annäherung an den Originalklang: Auch wenn sich die GSO-Instrumentalisten hörbar um eine weniger schwere, durchsichtige Spielweise bemühten, stieß das bei den modernen, im Klang voluminöseren Instrumenten bald an Grenzen. Wobei die Concertino-Solisten – vor allem Konzertmeisterin Natalia Scholz – sehr wohl auf Lebendigkeit und Spielfreude Wert legten, aber vielleicht hier und da die Artikulation (etwa in den etwas harten Staccati) weniger druckvoll hätten anlegen können.

Der Höhepunkt des Abends war das überwältigend virtuose Mandolinenspiel von Avi Avital, der seinem klanglich zarten Instrument mit einer geschmackvollen leichten Verstärkung zu größerer akustischer Dominanz verhalf. Virtuosität ist für Avital kein Selbstzweck: Er stellte seine bravourösen technischen Möglichkeiten stets in den Dienst der Interpretation, gestaltete seinen Part mit großer dynamischer Flexibilität und zeigte vor allem im langsamen Mittelsatz, wie man mit leichten Tempomodifikationen, sozusagen einem barocken Rubato, den Ausdruck intensivieren kann. Dass er dabei – der Wärme wegen standen viele Fenster der Aula offen – bisweilen mit den draußen flötenden Amseln und ihren tschilpenden Spatzenkollegen duettierte, steigerte den Genuss noch erheblich. Für den brausenden Beifall bedankte sich Avital mit einer folkloristischen Improvisation, in der er sein musikalisches Feuer noch einmal besonders hell lodern ließ. Einfach hinreißend.

Schön, dass Muellers Nachfolger Nicholas Milton diesen Zyklus in der kommenden Saison fortsetzen wird. Dann werden die Dirigenten selbst die Moderation übernehmen, für die am Freitag noch einmal in seiner gewohnt vornehm-unterhaltsamen Weise der kenntnisreiche Musikologe Andreas Waczkat zuständig war.

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