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Nörgelbuff

Ein starker Auftritt, für alle – Controverse erstes eigenes Konzert im Nörgelbuff Göttingen war ein überaus gelungener Abend – wenn nicht sogar eine kleine Sensation für alle, die es geplant hatten zu kommen, und für alle. die vielleicht nur zufällig angelockt wurden von dieser auf ihre Art außergewöhnlichen Musik.

Noch gefühlvoller, mit mehr Bühnenpräsenz und Selbstbewusstsein als bei ihrem CD-Releasekonzert im März brachte Luzy das Publikum zum Konzerteinstieg in Stimmung. Mit dem gewohnten Spiel aus Leichtigkeit und gefühlvoller Tiefe erzählte sie mit den Liedern ihres ersten Albums wieder wunderbare Geschichten mit musikalischer Ausdrucksstärke.

Nach dieser Einstimmung wurde die Bühne für kurze Zeit dunkel. Plötzlich hörte man eine Stimme aus dem Off sprechen. Man wusste nicht, wer sie ist und wo sie herkommt, es wurde nur ziemlich schnell klar: das, was sie sagt, trifft den ersten Eindruck der meisten Menschen, die den Rapper Controverse das erste Mal sehen. Die Stimme berichtet über das Erstaunen, die Kontroverse zwischen dem freundlichen Auftreten und lieben Aussehen des 24-jährigen „Typ Schwiegersohn“ und dem eigentlich zu Unrecht oft mit Härte und Gewalt verbundenen Musik-Genre „Rap“, für das er steht.

Controverse beginnt schon in seinem ersten Lied „Grenzenlose Parks“, mit den Vorurteilen dieser einseitigen Sicht auf den Rap aufzuräumen. Er singt von Freiheit, von Freundschaft, von Dingen, die uns allen Tag für Tag begegnen, und dem Leiden junger Menschen im Strom einer Leistungsgesellschaft. In seinen deutschsprachigen Texten verarbeitet er seine Vergangenheit, nimmt Bezug auf das gegenwärtige Geschehen und wagt einen Blick in die Zukunft. Obwohl ein großer Teil der Lieder Ausschnitte seines persönlichen Alltags aufgreift, äußert Controvers in manchen Liedern direkt, in anderen deutlich spürbar zwischen den Zeilen Kritik an gesellschaftlichen Phänomenen. Er plädiert hier für einen Ausstieg aus dem Leben, in dem wir uns abrackern, nicht mehr sozial (re-)agieren können, uns nur noch über den Besitz möglichst vieler neuer Dinge definieren und nicht mehr so sehr die Vielfalt leben. Sein Lied „Nichts geht mehr“ bietet das Paradebeispiel eines jungen Leistungsmenschen, im Dauerzustand Erschöpfung, an einem notwendigen Wendepunkt gegen die erdrückende Flut an zu erfüllenden Aufgaben. Doch Controverse äußert nicht nur Kritik an der hier beschriebenen Konsumgesellschaft. Wie mit seinem Lied „Georg Hipp und der Hauptstrom“ nimmt er auch gesellschaftliche vermeintliche Jugendprobleme auf die Schippe und verpasst hier und da einen Denkzettel, der vielleicht mal zur Reflexion der einen oder anderen „Hipster“-Bewegung anregt.

Controverse erscheint auf den ersten Eindruck nett und lieb und in keiner Weise hart. Und dafür steht er auch mit seiner Musik ein. Rap hat sich aus der zunächst friedlichen und später zunehmend rauen Unterdrücktenbewegung des Hip-Hop in den 70er Jahren entwickelt. Hier gab es auch immer wieder Einflüsse der Funkmusik, die man auch hier und da in Controverses Liedern finden kann. Die Musik setzte als Kunst ein Zeichen von Rebellion gegen die Missstände und Ungleichgewichte in der Gesellschaft, hatte ursprünglich aber gar keinen Zusammenhang mit Gewalt.

Dennoch kam nach einiger Zeit während des Konzertes die Frage auf, ob Controverse denn auch anders kann, als weich und zart. Die wieder aus dem Off gestellte Frage beantwortete er selbst durch die Musik, die für sich spricht. Auch Controverse kann rappen, wie man es sich von einem Klischee-Gangsta-Rapper vorstellt. Hörte man auf den Text, merkt man aber auch hier, dass diese mit Herz und Verstand geschrieben sind und keineswegs von Gewalt geleitet.

Wie auch in seinen Texten sah man auch auf der Bühne, dass Controverse das Thema Freundschaft immer wieder aufgreift und diese im musikalischen auch ordentlich pflegt. Im Zusammenarbeit mit Sandra Kafka von The WaggonWheels, mit Jannes Schreiber von Tom Schreibers Blume und vor allem mit Backup-Unterstützung von Tscharällo (Joachim Linn) stellte Controvers ein wunderbares Konzert auf die Beine.

Ein junger Künstler, der trotz geringer Erfahrung auf Bühnen in Sachen Konzertauftritt großen Künstlern in nicht viel nachsteht. Er schafft einen Spannungsbogen, der dem Zuhörer nach einem sanften und trotzdem energiegeladenen Einstieg ermöglicht, eine stetige Steigerung mit kleinen Ausruhpausen bietet und verwandelt das Publikum schnell in eine bis zum Abschluss vor der Bühne tanzend Menge.

Controverse bewies mal wieder „Rap muss nicht hart sein.“ und entführte die Zuschauer für einen Abend in die Weite grenzenloser Parks, die Freiheit von Stress und Konsum bieten, in denen junge Menschen gemeinsam das Leben genießen und Musik machen.

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