Willkommen im Kulturbüro Göttingen

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Verträge von Tobias Wolff und Laurence Cummings enden 2021

Montag, 29 Mai 2017 16:23

Danke Händel!

Rückblick und Ausblick auf die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen

Dienstag, 16 Mai 2017 08:58

Die Kunst des Genießens

Galakonzert mit Dominique Labelle in der Stadthalle

Heute: Gespräche mit Tobias Wolff und Laurence Cummings

Viele hoch dramatische Motive lassen sich in diesem Jahr bei den Internationalen Händel Festspielen unter dem Motto „Glaube und Zweifel“ erkunden. Das Festival Team hat dabei natürlich das Reformationsjubiläum im Blick. Aber neben Glaubensfragen geht es auch in Opern und Oratorien vor allem um Macht- und Herrschaftsansprüche und individuelle Überzeugungen, die in den musikalischen Bildern anklingen. Darauf möchte Sie das Kulturbüro auch mit dem Podcast „Händel Exkursionen“ einstimmen. Wir flanieren täglich durch das Festivalprogramm mit Künstlergesprächen und Tipps für Aufführungen und Konzerte.

Dienstag, 17 Mai 2016 16:56

Händel Connections - Folge 13

Der Podcast im Kulturbüro - Heute: Familienfassung der Oper

Zum Finale der Festspiele wurde es gestern noch mal ausgesprochen fröhlich. Mit der Familienfassung der Oper „Imeneo“, die KiKa Moderator Juri Teztlaffe heute im Deutschen Theater moderierte. Auch die Opernbesucher, die am Nachmittag die letzte Vorstellung der Oper erlebten, wurden mit dieser unterhaltsamen Fassung auf „Imeneo“ eingestimmt, aus der wir Szenen für Sie zusammengestellt haben.

Montag, 16 Mai 2016 14:37

Das beste Orchester der Welt!

10 Jahre jung ist das FestspielOrchester Göttingen, geboren aus einer Idee vom damaligen Leitungsteam mit Benedikt Poensgen und Nicolas McGegan. Dieses Orchester ist besetzt mit internationalen Spitzenmusikern aus aller Welt. Der jetzige künstlerische Leiter Laurence Cummings fasst zusammen: „Das ist das beste Orchester der Welt!“

Montag, 16 Mai 2016 17:00

Händel Connections - Folge 12

Der Podcast im Kulturbüro - Heute: Tobias Wolff im Bett mit Laurence Cummings und Hanneke van Proosdij

Zum Abschluss der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2016 trifft sich Festspiel-Intendant Tobias Wolff mit den beiden Cembalisten des Festspielorchesters Laurence Cummings und Hanneke van Proosdij.

Die Oper "Imeneo" hatte im Deutschen Theater Premiere bei den Händel-Festspielen

Freitag, 06 Mai 2016 11:03

Das Geheimnis von Laurence Cummings

Das Oratorium „Susanna“ ist leider durchgefallen. Zu wenige Chöre, außerdem sind die Arien nicht „gefällig“ genug. Andere Oratorien von Händel sind einfach besser. Schade!

Dieser Meinung von König Georg II. haben sich im Laufe der Zeit viele Personen angeschlossen, so dass dieses Werk eher ein Schattendasein in Händels Schaffen führt.

Eine von unbeugsamen Händelfreunden bevölkerte Stadt in Südniedersachsen hört jedoch nicht auf, dieser Einstellung Widerstand zu leisten. Allen voran der Held Laurence Cummings, der gewillt war, die Meinung des Königs zu widerlegen. Gemeinsam mit dem Festspielorchester Göttingen, dem NDR Chor und den Solisten Emily Fons, Christopher Lowrey, Colin Balzer, Raimund Nolte und Ciara Hendrick ist ihm das eindrucksvoll gelungen. Das Publikum in der ausverkauften Göttinger Stadthalle war nur zu gerne bereit, den Künstlern zu folgen - das Auftaktkonzert der diesjährigen Händel-Festspiele ging mit Ovationen zu Ende.

Montag, 18 April 2016 16:54

Zum Heulen schön!

Auftaktkonzert mit Andreas Helm (Oboe) und Laurence Cummings (Cembalo) in Hann.Münden

Sonntag, 17 April 2016 14:00

Fünf Chöre und ein Hallelujah

Sing Along mit Susanna in der St. Paulus-Kirche

Donnerstag, 14 April 2016 23:21

Vorfreude ist eine der schönsten Freuden

Eine Sternstunde beim Händel-Talk

Freitag, 22 Mai 2015 13:18

Durch Leidenschaft angetrieben

Weltstar Sarah Connelly zu Gast bei den Händel-Fespielen

Wenn Weltstars in Göttingen sind, kann mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Händel-Festspiele eingeladen haben. So hat es Laurence Cummings, künstlerische Leiter der Festspiele, es dieses Jahr geschafft die erfolgreiche Mezzosopranistin Sarah Connelly in die Stadthalle nach Göttingen zu holen. Die britische Sängerin war der Star des Gala-Konzerts „Heros and Heroines“ mit dem FestspielOrchester Göttingen.

Das Konzert wurde mit einer Ouvertüre der Händeloper Serse (Xerxe) eröffnet. Mit langsamen Schritten betrat während dessen Connelly die Bühne. Sie eröffnete den Abend schließlich offiziell mit der ersten Arie „Ombra mai fu“. Ihre Stimme erhielt einen Funken, der zur Glut wurde. Wie in der zweiten Arie „Più che penso“ die Liebe besungen wurde, die die Glut im Herzen wachsen lässt, so ließ Connelly die Liebe des Publikums zu der Musik immer größer werden. Spätestens jetzt war jeder Feuer und Flamme und von ihrem wundervollen Gesang gefesselt.

Doch nicht nur Connelly glänzte an diesem Galaabend. Das FestpielOrchester unter der Leitung von Cummings spielte und begleitete die Sängerin bravourös. Der Zuhörer bekam den Eindruck, dass Cummings in diesem Moment für jedes der Stücke lebte. Durch diese Leidenschaft angetrieben folgten ihm die Musiker  ohne zu zögern. Nachdem das Orchester einige Stücke, unter anderem „Air de Démons – Passacaille“ von Élisabeth Jacquet de La Guerre, eine der bekanntesten Komponistinnen der Barockzeit, gespielt hat, betrat Connelly in ihrem schwarzen mit goldbesticktem Gehrock wieder die Bühne. Konzentriert und mit großen Affekten besang sie emotional die Liebe. Jeder der Arien konnte auch ohne im Gesamtkontext einer Oper zu stehen verstanden werden. Dies ist nur durch die unglaublich Ausstrahlung und gesangliche Hingabe Connelly möglich gewesen. Sie nahm das Publikum in jede neue Geschichte der Arien mit und erhielt immer wieder begeisterten Beifall für ihr außergewöhnliches Können.
Wo zuvor noch Stücke von Marc-Antoine Charpentier und Carl Heinrich Graun gespielt wurde, gehörte der zweite Teil des Abends gänzlich dem Protagonisten der Festspiele: Georg-Friedrich Händel. In dieser letzten Stunde des Konzertes entluden sich alle Emotionen in dem Können der Musiker. Connelly sang mit einer absolut sanften und hingebungsvollen Stimme, dass sogar Cummings ihr nach den Arien immer wieder applaudierte. Ihr Zusammenspiel mit dem Orchester war einwandfrei und rhythmisch absolut präzise.

Das Orchester brillierte dementsprechend ebenso. Besonders bei Händels Arie „Scherza infida“, bei der man eine Stecknadel hätte fallen hören können, spielten die Musiker genauso leise und sanft mit einer perfekten Intonation. Ein großes Lob gebührt Elizabeth Blumenstock, die als Konzertmeisterin die Musiker anleitete. Ihr großes Können zeigten an diesem Abend besonders auch die Bläser des FestspielOrchesters. Sie spielten mit einer Souveränität, die einem den Atem anhalten ließ. Die warmen Bläserklänge mischten sich mit denen der Streicher und die der Sängerin in eine verzaubernde einfühlsame Melodie.

Die Belohnung kam, sobald die letzte Note gespielt wurde. Blumen aus dem Publikum und Jubelrufe unter einem brandenden Applaus war die Anerkennung für diesen unvergesslichen Abend. Erst nach zwei Zugaben ließ das Publikum die Sängerin und die Musiker gehen. Bezaubert von den Gesang Connellys wird dieser Abend noch lange in Erinnerung bleiben. Wer ihn noch einmal Revue passieren lassen möchte oder ihn verpasst haben sollte, hat die Möglichkeit am 14. Juni 2015 um 1114. Juni 2015 um 11 Uhr ihn auf NDR Kultur noch einmal mitzuverfolgen.

Sonntag, 08 Juni 2014 10:59

Großartige Klangvielfalt

NDR-Chor und das FestspielOrchester in der Stadthalle

Der „Krönungszyklus“ ist gewissermaßen das Herzstück der diesjährigen Händel-Festspiele. Denn hier lässt sich im Programm das Festspielmotto „Herrschaftszeiten! – Händel Royal“ zum 300jährigen Jubiläum der Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien bestens abbilden. Während im ersten Konzert „Musik zur Krönung Georgs I.“ noch ohne Händel auskommen musste, konnte George II. auf Kompositionen des neuen britischen Staatsbürgers Georg Friedrich Händel bauen. Und seit der Uraufführung der „Coronation Anthems“ fehlt diese Musik bei keiner Krönungsmesse in Westminster Abbey. Und darum darf diese Musik auch bei den diesjährigen Festspielen nicht fehlen.

Mit der Aufführung wurde der NDR Chor beauftragt. Das FestspielOrchester Göttingen ist längst ein guter Partner des Chores geworden, zuletzt begeisterten beide Ensembles mit dem Oratorium „Joshua“, zunächst in Hamburg und London, dann auch zu Beginn der Festspiele in Göttingen. Nun sind die „Coronation Anthems“ ein wenig zu kurz für ein abendfüllendes Programm. Laurence Cummings wählte deshalb weitere Werke aus, die weit mehr waren als nur „Programmfüller“: das Konzert Es-Dur für Oboe, Streicher und Basso continuo war genauso ein Höhepunkt wie die Sinfonia concertante A-Dur für Violine und Violoncello mit Orchester vom selben Komponisten. Johann Christian Bach hatte seine Erfahrungen mit „Herrschaftszeiten“ am Hofe Friedrichs II. gesammelt, bevor er zunächst nach Italien und später nach London zur Königin Sophie Charlotte ging. Insofern passt dieser Komponist der Frühklassik gut zum Festspielmotto.

Im Oboenkonzert präsentierte Susanne Regel ihre Barock-Oboe und ihr Können. Ihr warmer und farbenreicher Ton begeisterte das Publikum in der nahezu ausverkauften Stadthalle.

In der Sinfonia concertante traten zwei Mitglieder des Festspiel-Orchesters als Solisten auf: Konzertmeisterin Elizabeth Blumenstock und die Cellistin Phoebe Carrai begeisterten mit ihrem Zusammenspiel. Bach hat in seiner Sinfonia ein Zwiegespräch der beiden Instrumente vorgesehen. Dieses „Gespräch“ verlief in unglaublicher Eintracht und Harmonie.

Während des ganzen Konzertes stand ein Orgelpositiv am Rande der Vorbühne der Stadthalle. Erst zum Orgelkonzert op. 7 Nr. 4 d-Moll von Händel wurde es in die Mitte der Bühne geholt. Händel hatte in Italien einmanualige Chororgeln ohne Pedal kennengelernt und solche Instrumente in ähnlicher Art in England vorgefunden. Sein Orgelkonzert ist also nicht für eine große Kirchenorgel geschrieben. Wer nun das Instrument in der Stadthalle anfangs milde belächelt hat, weil es im Konzert zunächst schlicht und getragen erklang, musste sich schnell eines Besseren belehren lassen: Organist Jürgen Essl spielte im Verlauf des Konzertes zur Hochform auf und zauberte auf der „kleinen Truhe“ Klänge, die man diesem Instrument wahrlich nicht für möglich gehalten hatte.

Trotz dieser Höhepunkte wurde dem NDR Chor und den „Coronation Anthems“ nicht die Show gestohlen: der Klang dieses Chores ist perfekt. Auch, wenn nur kleine Gruppen wie zum Beispiel der erste Bass mit seinen vier Sängern anstimmt, entsteht ein homogener Klang. Die kurzen solistischen Passagen in „My heart is inditing“ wurden gar nur zweifach besetzt. Das würde ein Laienchor nie wagen, weil sich die Stimmen in diesem Fall nur schwer mischen. Nicht beim NDR-Chor, den sein Leiter Philipp Ahmann gut vorbereitet hat.

Laurence Cummings stimmte Chor und Orchester perfekt ab und erzeugte so eine großartige Klangvielfalt. Mit dem Anthem „Zadok the Priest“, dem unangefochtenen Glanzstück der Reihe, wurde der Abend beschlossen. Festlich gestimmt entließen die Musiker das Publikum, das sich allerdings erst nach jubelnden Ovationen verabschiedete.

Der Zyklus findet am Pfingstmontag seinen Abschluss: „Requiem für einen König“ lautet die Überschrift dieses Konzertes, in dessen Mittelpunkt das „Oratorium auf das Absterben des Königs von Großbritannien Georg I.“ von Johann Mattheson steht. Das Konzert mit dem Vocalconsort Berlin und dem Händelfestspielorchester Halle beginnt um 18 Uhr in der Göttinger Stadthalle.

Dienstag, 03 Juni 2014 09:23

Operninszenierung auf höchstem Niveau

Händels "Faramondo" im Deutschen Theater

Zwei Männer lieben dieselbe Frau – die Stoffe der Weltliteratur und des Musiktheaters sind seit Jahrhunderten immer wieder ähnlich. Und dennoch hat sich einiges verändert. Zu Händels Zeiten war das Rezeptionsverhalten des Opernpublikums ein anderes als es heutzutage ist. In der Oper „Faramondo“ gibt es ein klassisches Zwei-Welten-System, das das Publikum zur Entstehungszeit natürlich sofort verstanden hat: hier der Hof mit Königen und Bediensteten, dort die Außenwelt, die harte Realität. Um dieses Verständnis zu inszenieren, hat Regisseur Paul Curran mit seinem Bühnenbildner Gary McCann diese Welten zeitgenössisch umgesetzt. Und in der Tat sind diese Welten für das Publikum der Händel-Festspiele 2014 sofort erfassbar.

Händel kannte kein Regie-Theater. Heute kommt es aber auf eine geschickte Personenführung an, um die Charaktere der früheren Zeit sichtbar zu machen. Genau das hat das Gespann Curran / McCann erfolgreich getan. Funktioniert hat das aber nur dank der hervorragenden Musikerinnen und Musiker auf der Bühne und im Orchestergraben, denn die Handlung der Oper ist trivial, unlogisch und unglaubwürdig. Die „First Class Music“ (Laurence Cummings) wurde jedoch perfekt umgesetzt. Und so entstand eine Operninszenierung auf höchstem Niveau.

Nach der umjubelten Premiere am Samstag war auch das Publikum der zweiten Aufführung begeistert.

Emily Fons wusste schon beim Händel-Talk mit ihrem Stimmumfang, ihrem warmen Timbre und mit der Gestaltungskraft ihres Mezzosoprans zu überzeugen. Alle diese Eigenschaften hat sie in der Titelrolle von „Faramondo“ eingesetzt und machten sie auch deswegen zum umjubelten Star des Abends. Anna Devin (Clotilde, Sopran) und die beiden Countertenöre Maarten Engeltjes (wunderbar verliebt als Adolfo) und Christopher Lowrey (Gernando – bewundernswerte Arien in dieser etwas albernen Rolle) standen ihr in nichts nach. Bei Anna Starushkevych (Rosiminda, Mezzosopran) und Njål Sparbo (Gustavo, Bass) hätte man sich noch etwas mehr Volumen in der Tiefe gewünscht.

Das Ensemble wurde noch durch den Bariton Edward Grint und die Sopranistin Iryna Dziashko sehr gut ergänzt. Alle Solisten erhielten am Ende ihre verdienten Bravi.

Die waren aber auch für die schauspielerische Leistung verdient. Ganz offensichtlich konnten sie dem Handlungsstrang folgen und wussten, wann sie wen zu hassen und wen zu lieben hatten. Sie wechselten gekonnt zwischen den von Gary McCann geschaffenen Welten hin und her. Paul Curran mutete ihnen zudem noch einiges zu – wie zum Beispiel mit einem Sack über dem Kopf zu singen. Aber das Regiekonzept war stimmig und schlüssig. Es setzte immer wieder Akzente – häufig mit einem Augenzwinkern.

Das FestspielOrchester Göttingen ist längst ein Markenartikel für die Stadt Göttingen geworden - und damit ein Botschafter für die Stadt und die Festspiele. Es setzt unter der Leitung des bestens aufgelegten Laurence Cummings die Musik Händels perfekt um – filigran, blitzsauber, atemberaubend virtuos, zart und feinfühlig – und wo nötig kraftvoll und treibend: die Musiker holten alles aus der Partitur heraus. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass die Musiker zu Händels Zeiten besser gewesen sind. Für dieses Orchester hätte Georg Friedrich Händel vielleicht doch einmal Göttingen besucht!

Freitag, 30 Mai 2014 08:37

Ganz großes Kino!

Händels Oratorium "Joshua" mit dem NDR-Chor

Was verbindet den Kino-Blockbuster "Titanic" mit dem Oratorium "Joshua" von Georg Friedrich Händel? Beide verarbeiten auf ihre Weise ein historisches Ereignis zu einer abendfüllenden Unterhaltung. Der historische bzw. biblische Stoff ist jedoch allein ausgesprochen wenig
attraktiv - der tragische Untergang eines Passagierschiffes genauso wie der brutale Eroberungsfeldzug des Volkes Israel. Um ein solches Sujet attraktiv und interessant zu machen, bedient man sich seit jeher eines Tricks: Man baut eine Liebesgeschichte ein. Da jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit der Liebe konfrontiert wird, kann man auch (beinahe) jeden Menschen über dieses Thema ansprechen. So ist es die herzzerreißende, durch die Titanic-Katastrophe jäh beendete Liebe zwischen Jack und Rose, die die Menschen millionenfach in die Kinos lockte. Ob die glückliche Liebesgeschichte zwischen Othniel und Achsah in Händles "Joshua" für den Erfolg des Oratoriums bei seiner Uraufführung 1748 ausschlaggebend war, darf dagegen angezweifelt werden.

An der Begeisterung des Publikums beim Eröffnungskonzert der diesjährigen Händelfestspiele in der Stadthalle hatte sie vermutlich keinen großen Anteil. Also kein großes Kino am Himmelfahrtsabend?

Wohl nicht, denn eine solche Aufführung braucht keine teure Filmeffekte, kein dramaturgisch ausgeklügeltes Drehbuch und auch keine herzzerreißende Liebesgeschichte, um die Menschen zu begeistern. Da schafft alleine die Musik Händels - und die Weise, wie sie uns dargebracht wird.

Mit den oft langatmigen Opern aus Händels früherer Schaffensperiode, die sich über Stunden von Dacapo-Arie zu Dacapo-Arie hangeln und damit selbst eine noch so gute Inszenierung an ihre Grenzen bringen, hat "Joshua" nicht viel gemein. Natürlich, ein Händel ist ein Händel, nach spätestens zehn Takten zweifelsfrei als solcher zu identifizieren, angereichert mit vielen sequenzierten Läufen, Unisono-Einsätzen, Quintfallsequenzen, hemiolischen Schlüssen und was der musikalische Baukasten Händels noch so hergab. Doch in "Joshua" gelingt etwas Bemerkenswertes: Die Musik ersetzt die szenische Aufführung indem sie, obwohl ganz dem händelschen Personalstil verpflichtet, eine dramatische Vielfalt bietet, die die Handlung vom ersten bis zum letzten Ton plastischer darstellt als manche Operninszenierung. Dies geschieht in einem Spektrum, das von der bezaubernden Naturimitation in der Arie der Achsah "Hark, 'tis the linnet and the thrush!" über die zitternden Völker und den donnernden Himmel im Chor "Ehre sei Gott" am Anfang des zweiten Aktes, bis zum ergreifenden Effekt eines über fast den ganze Schlusschor des zweiten Aktes gehaltenen Trompetentones geht, der das Anhalten der Sonne und des Mondes durch Josua deutlich vor Ohren führt.

Nicht minder beeindruckend war aber auch die praktische Aufführung des Abends. Das FestspielOrchester Göttingen präsentierte sich und die Musik in Bestform, die Musiker strahlten von Anfang bis Ende eine große Freude an der Musik und am Musizieren aus, was den Funken zum Publikum schnell überspringen ließ. Das technische Niveau, auf dem hier musiziert wird, tut dann noch das Übrige zur gelungenen Aufführung.

Die Solisten des Abends waren dazu passend hochkarätig besetzt. Vor allem der ausgesprochen schöne und präzise Sopran von Anna Dennis (Achsah) wusste zu begeistern, ebenso Kenneth Tarver (Joshua) mit seiner ausgeglichenen präsenten Tenorstimme. Ebenfalls sehr präzise und, auch in tiefen Lagen, von unaufdringlicher Präsenz zeigten sich der Bariton Tobias Berndt (Caleb) und die Mezzosopranistin Renata Pokupić  (Othniel), bei der allerdings etwas weniger Vibrato nicht hätte schaden können. Als Engel rundete im ersten Akt Joachim Duske als Mitglied des NDR-Chores das Solistenensemble souverän ab.

Der von Robert Blank einstudierte NDR-Chor übernahm den nicht geringen Choranteil des Abends. Auch hier hatte man bei dieser Aufführung das Gefühl, dass zusammen kommt, was zusammen gehört. Der Chor, der sich erfreulicherweise weit von dem mit starkem Vibrato verwischten Klang von Aufnahmen aus vergangenen Jahrzehnten entfernt hat, sang präzise, deutlich und ausdrucksstark und half damit den Spannungsbogen, den die Komposition bereithält, dem Publikum zu vermitteln.

Der Verantwortliche für dieses entstandene musikalische Gesamtkunstwerk mit Aussagekraft war Laurence Cummings, der künstlerische Leiter der Händelfestspiele. Sein Dirigat war stets inspiriert und belebend, aber nie aufgesetzt oder effekthascherisch. Er stellte sich und seine Interpretation ganz in den Dienst der Musik und erreichte damit vermutlich jeden Zuschauer in der ausverkauften Stadthalle. Der nicht enden wollende Applaus mit Bravo-Rufen legt dies zumindest nahe.

Also, großes Kino am Himmelfahrtsabend in der Stadthalle? Nein, wer so eine Aufführung miterleben darf, braucht kein großes Kino. Hier gibt es große Musik!

Sonntag, 27 Oktober 2013 14:03

Bravour-Koloraturen am Sonntagmorgen

Sonderkonzert der Göttinger Händel Gesellschaft

Die Göttinger Händel-Gesellschaft hatte zu einem Sonderkonzert eingeladen. Es sollten einmal langjährige Mitglieder der Gesellschaft geehrt werden. Und so wurden einige Mitglieder für ihre zum Teil über 50jährige Mitgliedschaft geehrt. Allen voran Ruth Bremer, deren Vater schon bei den ersten Händel-Festspielen 1920 als Bratschist im Orchester mitgewirkt hat.

Der musikalische Rahmen für diese Veranstaltung in der Aula der Universität war so prominent und umfangreich, dass die Ehrungsveranstaltung zu einem Sonderkonzert wurde. Kein Geringerer als der künstlerische Leiter der Internationalen Händel-Festspiele Laurence Cummings ist aus diesem Anlass aus London gekommen. Und er hatte den jungen britischen Tenor Rupert Charlesworth mitgebracht.

Beide präsentierten eine Auswahl an Händel-Arien. Schon der Einstieg "Why does the God of Israel spleep" aus der Oper "Samson" ließ aufhorchen: Charlesworth meisterte atemberaubende Koloraturen in bewundernswerter Leichtigkeit. Und dazu ließ er durch seine Mimik und Körpersprache beinahe den konzertanten Rahmen vergessen. Hier präsentierte sich ein junges Talent, dem ganz sicher noch eine große Karriere bevorsteht, wie der Vorsitzende der Händel-Gesellschaft Wolfgang Sandberger betonte. Hoffentlich hat der geschäftsführende Intendant Tobias Wolff Verträge vorbereitet, um Charlesworth in möglichst vielen Produktionen künftiger Festspiele zu verpflichten.

Es folgten weitere Arien aus den Opern "Alcina", "Rodelinda", "Theodora" und "Acis and Galatea". Hier zog Charlesworth noch weitere Register und zeigte sein Talent zum Beispiel in traumhaft lyrischen Passagen.

Zwischendurch brillierte Cummings am Cembalo mit zwei Suiten von Georg Friedrich Händel. Während der Arien begleitete Cummings den Tenor Charlesworth. Als Begleitung zog das Cembalo klanglich eindeutig den Kürzeren und konnte sich nur im Hintergrund zaghaft hörbar machen. Aber die Arien standen auch eindeutig im Vordergrund.

Das Cummings nicht nur ein hervorragende Cembalist ist sondern auch ein vorzüglicher Sänger, hatte er bei seinem ersten Solokonzert in Göttingen bereits einmal unter Beweis gestellt. Die beiden Zugaben am Sonntagmorgen waren dennoch ganz wunderbare Überraschungen: zwei Duette von Monteverdi und Händel steuerten die beiden Künstler bei und ernteten dafür etliche Bravorufe.

Ein solches Sonderkonzert ist für die Händel-Gesellschaft eine gute Gelegenheit, sich außerhalb der Festspiele musikalisches Gehör in Göttingen zu verschaffen. Die nächste Gelegenheit dazu ist der Start der "Göttinger Reihe Historischer Musik" am 7. November in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz.

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