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„Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms mit dem Chor und Orchester der Universität Göttingen in der St. Jakobikirche

Mittwoch, 10 Mai 2017 19:16

Lebendiges, einfühlsames Dirigat

Das Orchester Göttinger Musikfreunde und die Chöre „La Chorale des Cahors“, „La Schola du Moustier de Montauban“ konzertierten in St. Johannis 

Es war ein schönes Signal der Völkerverständigung, dass das Orchester Göttinger Musikfreunde am Vorabend der französischen Präsidentschaftswahlen zwei Chöre aus Cahors und Montauban eingeladen hat. Es handelte sich um den Gegenbesuch nach einer Konzertreise nach Südfrankreich vor einigen Jahren. Damals wie heute stand das Werk „Les sept dernières paroles du Christ en croix“ („Die sieben letzten Worte Jesu Christi am Kreuz“) von Théodore Dubois auf dem Programm. Man merkte den beiden Chören an, dass sie dieses Werk der französischen Spätromantik gut beherrschen: die knapp 60 Sängerinnen und Sänger waren sehr präsent – und genau so wirkte auch die Musik, die hierzulande weitgehend unbekannt ist. Aber so vorgetragen war dies durchaus eine Bereicherung des Konzertrepertoires. Dubois verlangte zur Chorpartie drei Solisten, die von Joana Caspar (Sopran), Sebastian Köchig (Tenor) und Jean-Christophe Fillol (Bariton) verkörpert wurden. Joana Caspar gefiel mit ihrer kraftvollen und lyrischen Stimme und auch Jean-Christophe Fillol konnte mit großer Stimme aufwarten, während Sebastian Köchig mit seinem schlanken Tenor bisweilen Mühe hatte, sich akustisch durchzusetzen. Denn das Orchester spielte unter dem Dirigat von Johannes Moesus beherzt auf. Allerdings kostete Moesus die dynamische Bandbreite des Werkes voll aus, und so kamen in den leiseren Passagen nicht nur Sebastian Köchig gut zur Geltung, sondern auch zum Beispiel die Holzbläser.

Diese ließen sich im zweiten Werk des Abends ein wenig aus der Fasson bringen. Die Messe in D-Dur von Antonín Dvořák war von den französischen Chorsängerinnen und -sängern bei weitem nicht so gut vorbereitet. Das lag natürlich auch am Schwierigkeitsgrad des Werkes, der durchaus höher einzuschätzen ist als bei dem Werk von Dubois. Die Choristen „klebten“ deutlich mehr an den Noten, ohne sie dabei immer zu treffen. Es gab etliche Unsicherheiten in Intonation und Genauigkeit. Da mutete es eher an ein Wunder an, dass die Holzbläser immer wieder zurückfanden. Was auch am Dirigenten lag.

Ohne großes Aufhebens brachte Moesus die Akteure zusammen. Dadurch und durch sein lebendiges, einfühlsames Dirigat konnte die Musik Dvořáks ihre Schönheit, ihren Melodienreichtum aber auch den religiösen Ernst entfalten. Neben den Streichern im Orchester hatten die nun vier Solisten, ergänzt um die junge Katarina Andersson mit ihrer schönen Altstimme, sowie der Organist an der kleinen Chororgel in der Johanniskirche (den Namen verschwieg das Programmheft) großen Anteil daran, dass die Aufführung das Publikum berührte.

Das war am freundlichen Schlussapplaus in der gut gefüllten Kirche deutlich zu spüren. So konnten sich die Musikerinnen und Musiker aus den beiden Nationen nach dem Konzert gegenseitig beglückwünschen – und das nicht nur zum Ergebnis der Wahlen in Frankreich.

Dienstag, 12 Juli 2016 08:25

Ein klangvoller Sommerabend

Universitätschor und -orchester mit Schubert und Puccini in der Aula

Donnerstag, 28 Januar 2016 12:02

Ausdauernd und federleicht

Rossinis „Messe Solennelle“ mit dem Universitätschor in der Johanniskirche

Der Göttinger Universitätschor ist wieder da: Unter der Leitung von Ingolf Helm gaben die Choristen gemeinsam mit vier Solisten Rossinis „Petite Messe Solennelle“ - und bewiesen damit einmal mehr, wozu sie in der Lage sind.

Rossinis „Messe Solennelle“ erlebt anscheinend zurzeit so etwas wie eine Renaissance: Immer öfter findet sich das geschmeidige, zur schlanken Begleitung von Harmonium (hier: Christopher Weik)und Klavier (hier: Gi Ran Jung) gesetzte Werk auf den Spielplänen städtischer Chöre. Gerade im späten Januar ist das wohltuend für die geschundenen Ohren. Weihnachten und damit verbundene musikalische Qualen sind vorbei, der Schnee schmilzt und frühlingshafte Temperaturen kitzeln verschlafene Eichhörnchen aus ihren holzigen Kobeln. Zeit also für den großen Gourmet unter den Opernkomponisten, Zeit für ein Lob des geschmeidigen Arienkatholizismus': Bühne frei für Gioachino Rossinis „Messe“.

Ausdauernd und federleicht hangelte sich Ingolf Helm durch Rossinis Partitur und seine Sängerinnen und Sänger dankten es ihm mit spürbarer Singfreude. Insgesamt präsentierte sich der Chor mit einem ausgeglichenen, sanften Klang, der gegebenenfalls noch etwas Stärke und Dynamik in den kräftigeren Sätzen der Messe hätte vertragen können. Wunderbar harmonisch allerdings gestaltete sich das Verhältnis zwischen Solisten und Chor: Besonders schön kam das Zusammenspiel im abschließenden Agnus Dei heraus. Anna Bineta Diouf, die als Altistin die Solopartien mit großer Ausdrucksstärke und ergreifendem Timbre sang, wurde nie übertönt, sondern schmiegte sich souverän und mit großem Facettenreichtum in den Gesamtklang ein.

Es ist beeindruckend, dass Jean Christophe Fillol, der erst kurz vor Konzertbeginn als Bariton-Solist für seinen erkrankten Bassisten-Kollegen eingesprungen war, eine so ausgewogene Leistung präsentieren konnte. Uwe Gottwinter sang hierzu mit einem sehr klaren, wenngleich in den höheren Lagen oft etwas spitzen Tenor, und Theresa Sommer bezauberte das Publikum mit einem samtig strahlenden Sopran, der insbesondere in ihrem Crucifixus zu voller Geltung kam.

Dass an diesem Abend der letzte Schnee geschmolzen ist, konnte jeder Göttinger am nächsten Morgen am eigenen Leib erfahren. Und falls daran nicht der eindrucksvolle Vortrag von Chor und Solisten eine Mitschuld trägt, so doch mit Sicherheit der tosende Beifall des Publikums: Man munkelt, dass sogar die Eichhörnchen vor der Johanniskirche für eine kurze Zeit von ihrer beschwerlichen Nusssuche Abstand genommen haben.

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