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Mittwoch, 11 Oktober 2017 10:29

Barockoper vor prächtiger Kulisse

Opernaufführung mit dem Göttinger Barockorchester

Göttinger Barockorchester begeistert in Tschechien mit Lully-Uraufführung

Freitag, 19 Mai 2017 19:32

Halleluja!

Aufführung des „Messias“ von Unichor, Barockorchester und Solisten

Mittwoch, 08 März 2017 08:33

Kein Bach ist auch keine Lösung

St. Paulus: Henryk Böhm, Antonius Adamske und das Göttinger Barockorchester mit Bach

Dieser Tage eine der Göttinger Kirche zu betreten ohne eine Bach-Kantate zu hören, dürfte ein Kunststück sein. Dieser Abend diente allerdings weniger dem Reformationsjubiläum, wie die allseits erklingenden "Bach-Kantaten zu Luther-Liedern" des Kirchenkreises, sondern ist Teil der kleinen Tour der Musiker/-innen anlässlich einer CD-Veröffentlichung.

Die Schönheit der Welt: Besteht sie aus Details oder dem Gesamteindruck? Es ist ein alter Streit. Er wird hier nicht entschieden. Und wenn sich so viele gelungene Einzelheiten zu einem gelungenen Ganzen fügen – ist es auch nicht wichtig.

Dreimal Bach, drei Solokantaten für Bass und Instrumente, voneinander abgesetzt durch zwei Einleitungssätze aus anderen Kantaten (BWV 12/21), das sind im Einzelnen: „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ (BWV 56), „Ich habe genug“ (BWV 82) und „Der Friede sei mit dir (BWV 158). Die zehn Damen und Herren des Göttinger Barockorchesters spielen unter der Leitung Antonius Adamskes, wobei sich die Mehrheit auf die Instrumente des Generalbasses verteilt. Zwei Cembali, Orgel, Fagott, Cello und Violone stehen „gegen“ je einfach besetzte Violinen- und Violastimmen sowie die beiden Oboen. Wie dieser Tage üblich spielt man in tiefer Stimmung; der Kammerton liegt gut einen Halbton unter den sonst üblichen 440Hz.

Beginnen wir die Abteilung ‚Lob’ doch einfach mit dem gekonnt farbenreichen Einsatz der Continuogruppe, welche die Textdeutung in wechselnden Kombinationen äußerst wirkungsvoll unterstützt. (Die gelungene Idee, beim Da capo von „Schlummert ein“ in BWV 82 auf das Cembalo zu verzichten, war allerdings eine spontane Idee des Leiters. - Eine, die man wieder aufgreifen sollte.) Allein das Cello hätten wir uns ab und an etwas brillanter, dominanter in dieser Gruppe gewünscht. Ansonsten ist an der Balance Orchester/Generalbass/Sänger gar nichts zu mäkeln - am Zusammenspiel ebenso wenig. Die Interpretation überzeugt auf das erste Hören, wenngleich sich doch die ein oder andere Unstimmigkeit finden lässt, z.B.: Oboe und Oberstimmen in der Eingangsarie BWV 82 gestalten ihre Linien so inniglich, dass die durchlaufende Achtelbegleitung im Continuo mit etwas Unentschlossenheit dagegen abfällt.

Henryk Böhms Leistung als Solist ist durchweg gut, teils exzellent; dabei gefallen uns die Rezitative und deren Gestaltung – nur ab und an wird es etwas zu dramatisch - noch einen Tick besser als die Arien. Etwas hat der Bariton mit dem tiefen Kammerton zu kämpfen: In „Ich freue mich auf meinen Tod“ geht diesem, dem Tod, auf der langen, tiefen Note die Puste aus. Alle Zurücknahme des Orchesters hilft hier nichts. Dagegen ist besonders das hohe Register eine Freude. Rhythmisch gibt es gleichfalls wenig zu klagen, hier dürfte lediglich das Deklamierende im Mittelteil des ersten Satzes von BWV 56 noch prägnanter vorgetragen werden.

Für die beiden Oboen (Martin Jelev/Simon Böckenhoff) bietet sich ebenso wie für Hans-Hennig Vater (Solovioline) die Gelegenheit sich in Arien als Partner des Sängers auszuzeichnen. Die Erstgenannten nutzen sie völlig überzeugend, der Geigenpart im zweiten Satz von BWV 158 hätte hingegen an der ein oder anderen Stelle etwas Feinschliff vertragen können. In eben diese Arie ist ein vom Sopran zu singender Choral eingeschoben, diesen Part übernahm Johanna Schiller. Vielleicht hat sie sich vom mächtigen Bariton neben sich etwas beeindrucken lassen, doch darf sie ihren Part in den noch folgenden Tourkonzerten gern lauter, bestimmter geben.

Etwas beklommen schaut man auf die Schlusschoräle der Kantaten 56 und 158: Sopran und Bass sind da – aber Alt und Tenor? Wie Kai aus der Kiste springen hier „örtliche Gastsänger“, inklusive des Tourmanagers, ein. Eine charmante Idee. Als gleichsam nicht ausgewiesene Zugabe, vor dem sehr reichlichen Applaus der gut 100 Hörerinnen, erklingt noch der Schlusschoral aus Bachs Johannespassion.

An der Supermarktkasse, im Anschluss an das Konzert, brumme ich „Ich freue mich auf meinen Tod“. Die Kassiererin schaut ein wenig skeptisch. Sie war halt nicht im Konzert.

Bass: Henryk Böhm

Sopran: Johanna Schiller
Alt: Katrin Meyer
Tenor: Jens Wortmann

Oboe I: Martin Jelev
Oboe II: Simon Böckenhoff

Violine I: Hans-Hennig Vater
Violine II: Britta Gemmeker
Viola: Esther Jasmin Becker

Fagott: Luise Manske
Violoncello: Angelika Miklin
Orgel: Christof Pannes
Cembalo: Sabine Erdmann
Violone: Laura Frey

Cembalo/Leitung: Antonius Adamske

Hinweis: Das Kulturbüro Göttingen ist an der Organisation der Tour beteiligt.

Tina Fibiger sprach mit Henning Vater - mit Musikbeispielen von der CD

Das erste Album des Göttinger Barockorchesters war im Grunde schon lang überfällig. Schließlich gehören die Musiker mit Konzertmeister Henning Vater seit mehr als 20 Jahren zur Konzertszene und sind besonders bei der Aufführung von Oratorien und Passionsmusiken sehr gefragt. Mit der Einspielung von drei Bass Solokantaten von Johann Sebastian Bach feiert das Orchester sein CD-Debüt, an das sich jetzt eine Konzertreise mit Bassbariton Henryk Böhm anschließt. Am 6. März gastierten die Musiker um 19.30 Uhr auf ihrer Tour durch Norddeutschland in der Göttinger St. Paulus Kirche. Tina Fibiger sprach mit Henning Vater über die musikalische Widmung für Johann Sebastian Bach.

Hören Sie hier den Teil 1 des Interviews:

Hören Sie hier den Teil 2 des Interviews

Die Konzertdaten der Tour:

So. 05. März. 18:00 Uhr - St. Jakobi Peine. Breite Straße 13/14
Mo. 06. März. 19:30 Uhr - St. Paulus Göttingen. Wilhelm-Weber-Straße 15
Di. 07. März. 19:00 Uhr - Stadtkirche Melsungen. Kirchstraße 7
Mi. 08. März. 19:00 Uhr - St. Paulus Hannover. Meterstraße 37
Do. 09. März. 18:00 Uhr - St. Johannis Bad Zwischenahn. Am Brink 8
Fr. 10. März. 19:00 Uhr - St. Jürgen Flensburg. Jürgensgaarder Straße 1
Sa. 11. März. 20:00 Uhr - St. Nikolai Kiel. Alter Markt
So. 12. März. 17:00 Uhr - St. Johannis Hamburg-Harvestehude. Heimhuder Straße 29

Eintrittskarten für alle Konzerte sind bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen, jeweils an der Abendkasse sowie hier online erhältlich.

Montag, 27 Februar 2017 17:02

Viel Barockswing ohne akademischen Touch

Festliche Barockmusik in St. Jacobi

Eine gut gefüllte Jacobikirche am Sonntagnachmittag bestätigte die Wahl der Konzertzeit um 16 Uhr – auch, wenn die Konzertdauer mit über zwei Stunden etwas reichlich bemessen war.

Geboten wurde ein „Festliches Barockkonzert“ mit Musik von Johann Sebastian Bach, dem Thomaskantor Johann Friedrich Doles und Jan Dismas Zelenka. Das erklärte Lieblingsstück der Kantorei und eine wunderbare Entdeckung war der kurze Kantatensatz „Nun ist das Heil“: ein doppelchörig angelegter und festlich mit Pauken und Trompeten besetzter Satz begeisterte nicht nur das Publikum. Und auch die Erklärung von Johann Friedrich Doles, der 50 Jahre nach Bach komponierte, „Fugen sind blos Kunstwerke des Verstandes und belustigen allenfalls den Kenner“ wurde eindrucksvoll widerlegt. Denn das sehr kunstvolle Kompositionsprinzip einer Permutationsfuge erklingt bei Bach spielerisch und leicht. Wenn es dann noch vom Kammerchor St. Jacobi und dem Göttinger Barockorchester mit viel Barockswing vorgetragen wird, ist endgültig jeder akademische Touch dieses Kleinods verschwunden.

Doles (1715-1797) erklärte jedoch seinen Gegenentwurf zum Musikverständnis seines Lehrers Bach: Kirchenmusik soll das Herz berühren und Gefühle im Hörer auslösen. Und wenn man nun dem Ratschlag von Arne zur Nieden im Programmheft folgte, nämlich „Bach für 20 Minuten zu vergessen“, war die Intention Doles‘ tatsächlich zu spüren: gefühlvoll und ausdrucksstark interpretierte Kantor Stefan Kordes den Psalm „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Chor und Orchester ließ er klingen, er spannte Bögen und entfaltete somit die Wirkung dieser Musik.

Zu diesem Gelingen haben auch die Solisten beigetragen, von denen vor allem Gotthold Schwarz zu nennen ist, ist Schwarz doch ebenfalls Thomaskantor und damit ebenfalls ein Nachfolger Bachs und auch Doles‘. Aber deswegen wurde er natürlich nicht eingeladen. Vielmehr gestalteten Schwarz gemeinsam mit Theresia Taube, Ulrike Schneider und Henning Kaiser ihre Solistenparts überzeugend.

Begonnen hatte der Abend mit der Kantate „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“. Sie erklang im Rahmen der Reihe „Bach-Kantaten zu Luther-Liedern“. Und diese Kantate hatte es Stefan Kordes sehr angetan. „Eine kleine Matthäuspassion“ erläuterte er – und meinte die Besonderheit dieser Kantate: Bach gestaltete einen groß angelegten und sehr bewegten Eingangschor, in dem neben dem Chor die Oboe und die Querflöte solistisch auftreten. Leider waren Chor, Orchester und Dirigent zu Beginn des Konzertes noch nicht exakt aufeinander eingespielt. Zum Teil klapperte es bedenklich zwischen den Ensemblegruppen. Das legte sich aber schnell. Auch lagen Kordes die „romantischen pianissimo-Passagen“ in der Kantate besonders am Herzen, wie er im Programmheft verriet. Diese pianissimo-Passagen sorgten jedoch dafür, dass der 40köpfige Kammerchor St. Jacobi bisweilen sich nicht recht durchzusetzen vermochte. Dass er dazu durchaus in der Lage ist, war beim anschließenden Psalm von Johann Friedrich Doles zu hören.

Das Göttinger Barockorchester mit seinem Konzertmeister Henning Vater war im gesamten Verlauf des Konzertes mehr als ein zuverlässiger Begleiter: vor allem bei der Musik vor der Pause konnten die Stimmgruppen wunderbare eigene Akzente setzen, besonders genannt seien hier die Flöte, die Oboe und die Trompetengruppe. Nach der Pause erklang die „Missa Divi Xaverii“ von Jan Dismas Zelenka. Chor und Orchester hielten die Konzentration bewundernswert aufrecht. Allein die etwas gefällige Musik Zelenkas zog sich ein wenig hin.

Umso schöner, dass der Bach-Satz „Nun ist das Heil“ als Zugabe noch einmal gegeben wurde. Derart beschwingt entließen der Kammerchor St. Jacobi, das Göttinger Barockorchester und Stefan Kordes das Publikum in den Sonntagabend.

Der Kammerchor St. Jacobi ist gemeinsam mit der Kantorei St. Jacobi am 14. Mai während der Internationalen Händel-Festspiele zu hören. Um 18 Uhr erklingt in der Johanniskirche Händels Oratorium "Israel in Egypt" unter dem Dirigat von Stefan Kordes. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Das Göttinger Barockorchester ist bereits am Montag, den 6. März um 19.30 Uhr zu hören. Unter der Leitung von Antonius Adamske erklingen in der St. Pauluskirche unter anderem die drei Bass-Solokantaten von Johann Sebastian Bach. Die Solopartie singt Henryk Böhm. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Die neue CD des Göttinger Barockorchesters erscheint in Kürze - Konzert am 6. März in Göttingen

Am 6. März 2017 um 19.30 Uhr findet in der St. Paulus-Kirche ein außergewöhnliches Konzert statt. Zu Gast ist das Göttinger Barockorchester, das zusammen mit seinem Konzertmeister Henning Vater Göttingen im Rahmen seiner neuen CD-Tour einen Besuch abstattet. Andere Gastspielorte sind Peine, Melsungen, Hannover, Bad Zwischenahn, Flensburg, Kiel und Hamburg.

Auf dem Programm stehen die drei überlieferten Bass-Solo-Kantaten von Johann Sebastian Bach (Ich habe genug BWV 82, Ich will den Kreuzsstab gerne tragen BWV 56, Der Friede sei mit dir BWV 158), die das Orchester mit zwei weiteren Kantaten-Sinfoniae rahmt.

Solist ist der international erfolgreiche Bassbariton Henryk Böhm, Leiter der junge Dirigent für Alte Musik Antonius Adamske. Natürlich werden auch die CDs bei den Konzerten erhältlich sein, es handelt sich dabei um eine Super-Audio-Compatible-Disc (SACD) mit besonderem Hörwert. Die CD besticht durch eine warme Interpretation der Werke, verbunden mit einem vollen Orchestersklang des chorisch besetzten Göttinger Barockorchesters. Das ausführliche und dreisprachige CD-Booklet wartet mit den neuesten Forschungsergebnissen des Bach-Institutes Leipzig zu den Bach-Solo-Kantaten auf. Schon vor der Tour kann die CD auf der Homepage des Göttinger Barockorchesters www.goettinger-barockorchester.de bestellt werden

Karten sind sind an allen Reservix-Vorverkaufsstellen und natürlich hier online im Kulturbüro Göttingen erhältlich.

Am Samstag, 4. März 2017 erscheint die neue CD des Göttinger Barockorchesters, die gleichzeitig dessen erste Publikation ist. Seit 2016 hat sich das GBO neu aufgestellt – die CD ist dabei ein erster Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Inhaltlich geht es um die drei überlieferten Bass-Solo-Kantaten von Johann Sebastian Bach, die das Orchester mit zwei weiteren Kantaten-Sinfoniae rahmt. Solist ist der international erfolgreiche Bassbariton Henryk Böhm aus Hannover, Dirigent der junge Dirigent für Alte Musik Antonius Adamske. Das ausführliche und dreisprachige CD-Booklet wartet mit den neuesten Forschungsergebnissen des Bach-Institutes Leipzig zu den Bach-Solo-Kantaten auf.

Die CD ist an allen bekannten Verkaufsstellen der Göttinger Innenstadt sowie im Rahmen des weltweiten Vertriebs auch über das Internet ist die CD zu einem Preis von 20 € (UVP) erhältlich, es handelt sich dabei um eine Super-Audio-Compatible-Disc (SACD) mit besonderem Hörwert. Auch kann die CD auf der Homepage des Göttinger Barockorchesters www.goettinger-barockorchester.de  vorbestellt werden. Die CD besticht durch eine warme Interpretation der Werke, verbunden mit einem vollen Orchestersklang des chorisch besetzten Göttinger Barockorchesters. Im Rahmen der CD-Veröffentlichung wird das Göttinger Barockorchester auch eine CD-Tour veranstalten. Das Göttinger Konzert liegt dabei auf Montag, 6. März in der kath. Pfarrkirche St. Paulus, auch nac diesen Release-Konzerten können die CDs erworben werden.

Montag, 12 Dezember 2016 16:45

Ja, ist denn schon Weihnachten?

"Weihnachtsoratorium" und "Magnificat" in der Johanniskirche mit der Göttinger Stadtkantorei, dem Göttinger Kammerchor und dem Göttinger Barockorchester

Donnerstag, 08 Dezember 2016 07:45

Klassiker in der Adventszeit

Kantaten zum Advent mit der Albanikantorei

Samstag, 10 September 2016 13:01

Intensiv und emotional

Mit Bach-Kantaten wurden die diesjährigen Nikolausberger Musiktage eröffnet. „Perspektiven zwischen Reger und Shakespeare“ lautet das Motto der Festspiele.

Seit vielen Jahren ist das Göttinger Barockorchester hoch an- und sehr gerne gesehener Gast bei zahlreichen Konzerten – und das keineswegs nur in Göttingen. Damit dies auch so bleiben kann, hat sich ein Förderverein gegründet, der Verein „Freunde und Förderer des Göttinger Barockorchesters e.V.“. Auf der neu gestalteten Homepage des Orchesters um den Violinisten Henning Vater gibt es Informationen zum Orchester, zu seinen Konzerten und zu dem neuen Verein: www.goettinger-barockorchester.de

Samstag, 26 Dezember 2015 19:44

Die Feinheiten der Musik in Adamskes Händen

Wenn der Evangelist beginnt, sein erstes Rezitativ zu singen „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging“, dann wissen wir, es ist die Zeit des Weihnachtsoratoriums gekommen. Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, wenn die Musik von Johann Sebastian Bach tatsächlich zu Weihnachten erklingt und nicht viel zu früh in der Adventszeit. Und so war es auch ein ganz besonderer Moment am ersten Weihnachtsfeiertag in der Klosterkirche Nikolausberg: Antonius Adamske, sein Kammerchor St. Petri, das Göttinger Barockorchester und vier Gesangssolisten hatten zu den Kantaten I bis III des Weihnachtsoratoriums eingeladen. Eine ausverkaufte Kirche war der Dank für diese Einladung.

Schon im berühmten Eingangschor der ersten Kantate „Jauchzet, frohlocket“ wurde klar, dass das Göttinger Barockorchester mit seinem Konzertmeister Henning Vater gut aufgelegt war. Das galt besonders für den Trompeter Rupprecht Drees. Alle Musikerinnen und Musiker nahmen die Impulse des Dirigenten Antonius Adamske zu jedem Zeitpunkt perfekt auf. Die kleine Besetzung (alle Stimmen waren solistisch besetzt) sorgte für einen durchsichtigen, klaren Klang.

Das galt leider nicht für den Chor. Auch hier war die Besetzung kammermusikalisch klein. Die Sängerinnen und Sänger setzten jedoch die von Adamske gesetzten Impulse nur zögerlich um, es entwickelte sich kein harmonischer Gesamtklang und es fehlte bisweilen auch klangliche Frische. Das war ein wenig schade, wo doch Adamske die Feinheiten der Musik in seinen Händen und Gesten widerspiegelte. Aber natürlich sorgte die Musik von Johann Sebastian Bach auch bei den Chorsätzen und den Chorälen für festliche Stimmung in der Kirche.

Die Solisten des Abends hatten entscheidenden Anteil an dieser Stimmung. Besonders genannt sei der Tenor Georg Drake. Seine Stimme erreichte mit Leichtigkeit die höchsten Höhen, die Koloraturen in der Hirtenarie klangen gar nicht als schwieriger Part sondern vielmehr als verspielte Verzierungen. Johanna Krödel gestaltete ihre Alt-Partie ausdrucksstark. Gemeinsam mit Adamske gestaltete sie die Arie „Schlafe, mein Liebster“ so spannend, dass man eher enttäuscht war, nicht noch ein „da capo“ zu hören. Die Sopranistin hat in den Kantaten I bis III nur wenig zu tun. So war der Part von Johanna Neß ein wenig undankbar. Lange musste sie auf ihren ersten Einsatz (als Engel) warten. Aber sie sang diesen kurzen Part genauso strahlend wie später das Duett mit ihrem Bass-Kollegen „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen“. Hier, wie auch in den anderen Arien, überzeugte der junge italienische Bassist Luciano Lodi mit seiner warmen Stimme. In seiner Arie „Großer Herr, o starker König“ hätte man sich vielleicht noch ein wenig mehr Kraft gewünscht.

Leider waren weder die Namen der Mitwirkenden noch irgendwelche weiterführenden Informationen im Programmheft nachzulesen. Das ist sehr schade und wird den Musikerinnen und Musikern, insbesondere aber den Solistinnen und Solisten nicht gerecht.

Eine schöne Idee von Antonius Adamske war es, am Ende nach der dritten Kantate noch den Choral „Nun seid ihr wohl gerochen“ aus der sechsten Kantate anzufügen. Hier holte er die vier Solisten nach vorne, das gesamte Ensemble konnte noch einmal so richtig erstrahlen. Jubelnder Applaus und die Wiederholung dieses Chorals als Zugabe beendeten ein eindrucksvolles Konzert am ersten Weihnachtsfeiertag.

Dienstag, 24 März 2015 19:16

Karfreitagszauber

‚Johannes in Johannis’ -  Stadtkantorei und Göttinger Barockorchester mit J.S. Bach

Zum Klären des eigenen Standpunktes ist der Blick von außen oft eine hilfreiche Sache.

Im Anschluss an die Aufführung der Bach’schen Johannespassion durch Stadtkantorei, Göttinger Barockorchester und Solisten unter der Leitung Bernd Eberhardts erging es mir so. Es fiel mir schwer, diese unzweifelhaft gelungene Darbietung in St. Johannis auf einen Nenner zu bringen. Im Gespräch mit einer Nichtkonzerthörerin konnte meine Antwort auf die Frage ‚Hat es sich gelohnt, die Aufführung zu besuchen?’ jedoch nur „Ja!“ lauten.

Kurz nach 18 Uhr hebt der imposante Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ an, rechtzeitig zum Tatort-Beginn haben wir - das Publikum füllt beinahe die gesamte Kirche - die Passion des Jesus von Nazareth hinter uns gebracht. Bach vertont die Worte des Evangeliums nach Johannes, ergänzt um Choralstrophen sowie freie Dichtung.

Die Bemerkung zur Konzertdauer soll natürlich kein Spott, sondern Hinweis auf die Lesart des Kantors Eberhardt sein. Die durchweg raschen, doch nicht überhetzten, Tempi passen gut zum „Fließen“ der Evangelistenerzählung - vorgetragen vom großartigen Tenor Clemens C. Löschmann. Choräle und Chorsätzen sowie die Arien unterbrechen dieses Fließen nicht; sie bieten nur kurze Einhalte im dramatischen Verlauf der Geschichte

Und doch hinterlässt der Abend in diesem Punkte bei mir einen Eindruck, den ich nicht besser fassen kann als: Leichte Unruhe, ohne dabei hastig zu sein. Traumhaft gelungene, innige, zutiefst ruhige einzelne Momente fügen sich zu einem großen Bogen, dem nur die allerallerletzte Spannung fehlt.

Die Stadtkantorei steuert gekonnt das Ihre bei. Der Eingangschor so mächtig, wie die Einwürfe in den Massenszenen punktgenau. (Beinahe zumindest: das „Wohin“ in Nummer 24, so schwer es ist, hätte besser sein können…) Der Damen“überschuß“ hat keinerlei Auswirkung auf die Stimmbalance. Textverständlichkeit wie die Lautstärkeverteilung  Orchester/Chor sind stets gut!

Über den Basso Continuo (B.c.) fällt ein zwiespältiges Urteil: Fagott, Orgelpositiv bewähren sich mit Glanz; der Gruppe insgesamt, trotz zweier Celli (bzw. Gambe) und Kontrabass, gelingt es leider nicht, dem Gesamtklang die nötige Schwere zu unterlegen. Akustik oder Instrumente sind nicht schuld, dies ist an Einzelstellen zu hören, wenn nämlich einmal dieses ‚Gewicht’ plötzlich da ist. Ein Lob den Geigen, die viel pausieren müssen, doch, falls gefordert, überzeugen können: Endlich einmal hört man das „Der Held aus Juda siegt mit Macht“ rhythmisch scharf und präzise.

Den Tenor haben wir schon gelobt, zumal er die Arien ebenfalls übernimmt, doch zum Detail: Die Rezitative im Zusammenwirken mit dem aufmerksamen B.c. sind derart lebendig gestaltet, als ob die Geschichte  j e t z t  gerade passiert. Selbst die auf Effekt interpretierten Stellen – z.B. „weinete bitterlich“ - wirken nicht überzeichnet, so gelungen sind sie ins Sonstige gewebt. (Ganz zum Ende hin muss Herr Löschmann seinem stimmlichen Einsatz vielleicht ein wenig Tribut zollen.)

Die Damen – Franziska Kimme (Alt), Olivia Stahn (Sopran) - haben deutlich weniger Gelegenheit zum Glänzen- und taten es auch nicht. „Es ist vollbracht“ als der(?) dramatische Tief- und Ruhepunkt gelingt Franziska Kimme in den Rahmenteilen sehr gut, dem ‚Held aus Juda’ jedoch fehlen Glanz und Größe.

Ebenso so schwankend der große Moment bei Olivia Stahn - der ersten starken Arie folgt gegen Passionsende das verteufelt schwierige „Zerfließe, mein Herze“ und dortselbst findet sich berückend Gelungenes, neben intonatorischen Schwierigkeiten beim Zusammenspiel mit den großartigen Holzbläsern.

Bleiben die Bässe: Konstantin Heintel singt Arien und Pilatusworte derart überzeugend, dass ich es dabei belassen will. Zuletzt zum Dreh- und Angelpunkt dieser alten Geschichte, den Worten Jesu. Sie trägt Jonathan de la Paz Zaens mit warmen, sattem Klang vor; doch ohne die Parodie von Erhabenheit, wie es ab und an gesungen wird. Wir hören ihn hoffentlich bald wieder.

Vielleicht ist es ein sehr großes Lob dieser Aufführung, wenn die Vielzahl gelungener Momente nicht nur zum stummen Bewundern (ver)führt, sondern die Deutung als Ganzes dazu auffordert, sich mit den Details dieser zwei Stunden Musik zu beschäftigen?

Zum Abschluss – vor dem reichlichen Applaus - Glockengeläut und Stille. So ganz entkleidet aller liturgischen Funktion ist das Musik-Kunstwerk also noch nicht. Gott sei Dank.

Dienstag, 10 März 2015 07:53

Herausforderung angenommen

Der Petrichor Weende sang in der Universitätskirche St. Nikolai zum Chorjubiläum

Zum Jubiläum (30 Jahre Petrichor Weende) gab es festliche Musik. Auch wenn es Kirchenmusiker Antonius Adamske anders meinte: die 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach sollte in der Passionszeit den Einzug Jesu in Jerusalem andeuten. Egal wie man es interpretiert – diese Musik mit ihren drei Trompeten und dem festlichen D-Dur hat etwas Erhabenes. Und so musizierten es Adamske und das Göttinger Barockorchester auch. Die berühmte „Air“ gestaltete Konzertmeister Henning Vater sehr innig, beinahe ein wenig zu sehr zurückhaltend. Aber immer mit wunderschönem Ton.

Das Orchester war nur mit vier Geigen (zwei erste und zwei zweite Geigen) besetzt. Da konnten sich diese Instrumente bei den Tutti- und den festlichen Trompetenklängen nicht recht durchsetzen. Schade, denn bei den flotten Tempi hätte man gerne etwas mehr von den virtuosen Geigenläufen gehört. Dem feierlichen Charakter der Musik tat das aber kaum einen Abbruch.

In der Motette „Jesu meine Freude“ hatte das Orchester eher eine stützende Funktion. Bach selber hat dieses Continuo durchaus vorgesehen. Und so gaben die Instrumentalisten den Chorsängern des Petrichores die Sicherheit in der Intonation. Denn diese ist eine der größten Klippen in den Bach’schen Motetten, insbesondere in dieser. Der Chor war sehr gut vorbereitet und wirkte dementsprechend sehr präsent. Es ist beachtlich, was der junge Dirigent aus seinem Ensemble herausholt. Der Chor ist definitiv auf einem guten Weg – wenn auch durchaus noch etwas zu tun ist, so zum Beispiel in der Artikulation oder in der dynamischen Differenziertheit.

Antonius Adamske zeichnet sich aber dadurch aus, dass er seinen Ensembles gerne viel zumutet. Und die Choristen haben diese Herausforderung angenommen. Sie lieferten eine gelungene Version der Bach-Motette ab. Die kammermusikalischen Passagen wie das Trio „Denn das Gesetz“ vertraute Adamske den Solisten des Abends an, was dem Stück durchaus guttat. So vermied Adamske, dass der Chor sich an der Motette überhebt.

Die Nelson-Messe von Joseph Haydn passte vom Schwierigkeitsgrad ein wenig besser zum gegenwärtigen Leistungsvermögen des Petrichores. Lebendig gab der Chor das Werk wieder, auch wenn die Spitzentöne nicht immer getroffen wurden. Die Sängerinnen und Sänger ließen sich ganz offensichtlich vom Elan des Dirigenten mitreißen. Diese Begeisterung, gepaart mit einem schönen Chorklang, ließ den Funken auf die Geburtstagsgäste in der gut gefüllten Nikolaikirche überspringen.
In der Messe konnten die Gesangssolisten endlich ins Geschehen eingreifen. Dabei hatte die Sopranistin Patricia Grasse zahlreiche hohe Koloraturen zu meistern – was ihr spielend gelang. Daneben konnte die warme Altstimme von Marlene Gaßner, die schlanke Stimme von Georg Drake (Tenor) und der kräftige Bass von Mathias Tönges überzeugen.

Das Publikum war anschließend begeistert und spendete Chor, Orchester, Solisten und dem Dirigenten anhaltenden Applaus. So, als wollten sie auch sagen: weiter so Petrichor. Auf die nächsten 30 Jahre!

Montag, 02 Dezember 2013 09:04

Jauchzet, frohlocket

Das Weihnachtsoratorium am 14. und 15. Dezember in der Johanniskirche

Alle sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach sind in diesem Jahr in der Johanniskirche zu hören. Am Samtag, den 14. Dezember die Kantaten I bis III mit dem Göttinger Knabenchor und dem Konzertchor des Otto-Hahn-Gymnasiums, am Sonntag, den 15. Dezember die Kantaten I und IV bis VI mit der Göttinger Stadtkantorei. Die Konzerte beginnen jeweils um 18 Uhr.

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