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Donnerstag, 12 April 2018 15:18

Wir sind erst in der dritten Woche

Ein Heimatabend zum 50. Geburtstag von 1968 von Peter Schanz. Der rote Faden? „Das ist natürlich Göttingen“, sagt Peter Schanz über die bevorstehende Uraufführung „Gö 68ff.“ im Jungen Theater am 27. April.

Samstag, 10 Februar 2018 12:51

Deine Mutter singt geiler als wie du

Waltraud's Theaterbar mit Franziska und Maria Lather – und einem Stargast

JT-Premiere „Er ist wieder da“ nach der Bühnenfassung von Timur Vernes Roman in der Inszenierung von Michaela Dicu

Sonntag, 10 September 2017 18:25

Die Gretchenfrage

Nach 60 Jahren erneut: "Urfaust" im Jungen Theater in der Inszenierung von Nico Dietrich

Premiere der Känguru-Chroniken im Jungen Theater

„Muss man eigentlich die Texte kennen?“, fragte Sabine. „Es gibt so'ne und solche, und dann gibts noch ganz andre, aber det sind die Schlimmsten, wa?“ sagt das Känguru. Und Herta. („Meine Rede…“)

Im ausverkauften Göttinger Jungen Theater saßen zahlreiche eingefleischte Marc-Uwe-Kling-Fans, die die Texte nicht nur selbstverständlich alle kannten, sondern sie auch hätten mitsprechen können. Die Quote derjenigen, die die Texte kennen, lag sicher nahe 100%. Und das gilt vermutlich auch für die weiteren Vorstellungen, die alle bereits vor der Premiere ausverkauft waren. 4.000 Karten sind in Göttingen verkauft worden, bevor überhaupt jemand die Produktion gesehen hat. Das Junge Theater könnte vermutlich die Känguru-Chroniken ab sofort „en suite“ spielen – und wäre regelmäßig ausverkauft. Aber erstens sind vom Verlag nur 20 Vorstellungen genehmigt worden und zweitens gibt es ja noch andere Produktionen des Hauses.

Und – muss man nun die Texte kennen? Die Frage ist schnell beantwortet, denn sie lautet natürlich: Nein. Der Grund ist einfach: auf der Bühne werden viele der bestens bekannten Dialoge gesprochen. Und bei den Hörbuch-Originalen muss man natürlich die Texte auch nicht vor dem ersten Hören kennen.

Vor der Premiere fragte Susanne: „Jeder hat doch beim Hören seine eigenen Bilder vor dem inneren Auge. Muss eine Theaterfassung nicht schon deshalb scheitern? Scheitern, weil die Erwartungen enttäuscht werden müssen?“ „Lieber fünfmal nachgefragt, als einmal nachgedacht,“ sagt das Känguru. Oder war es Marc-Uwe? Egal.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass eine bloße Aneinanderreihung der Dialoge des Kängurus mit Marc-Uwe Kling keinen Theaterabend bildet. Es fehlen Dramaturgie und Regie. Weil genau daran schon einige Bühnen mit einer eigenen Bühnenfassung gescheitert sind, hat Marc-Uwe Kling selbst eine Version für das Theater geschrieben.

„Wir sind flexibel, belastbar, kreativ, innovativ, teamfähig, begeisterungsfähig und kreativ“, dachte sich Nico Dietrich, Intendant des Jungen Theaters, und beschloss, diese Fassung als eine der ersten Bühnen in Deutschland auf die Bühne zu bringen. Die Regie übernahm er gleich selbst. Für die Göttinger Produktion hat Marc-Uwe Kling sogar noch einige Texte exklusiv dazu geliefert.

Da der Autor bei seinen Lesungen auch eigene Lieder singt, war klar: in Göttingen werden ebenfalls Klings Lieder gesungen. Und damit ist Karsten Zinser die Idealbesetzung für die Rolle des Kleinkünstlers. Dieser bekommt den Auftrag, ein Theaterstück zu schreiben.
Das Känguru will aber auf gar keinen Fall durch die Republik ziehen und sich auf der Bühne zum Clown machen. Der Kleinkünstler meint dazu: „Das ist doch völlig egal. Wir stecken einfach irgendeinen bühnengeilen Idioten in ein dämliches Kostüm.“

Dieser bühnengeile Idiot ist Peter Christoph Scholz. Damit wurde ein ideales Paar gebildet, das die herrlichen Dialoge auf der Bühne darstellt. Scholz spielt nicht nur das Känguru – er IST 150 Minuten lang das Känguru. Er schnuppert mit der Nase, er spielt mit seinem Känguruschwanz. Und er hat natürlich einen Beutel. „Please put the Beutel on the band!“, wird das Känguru am Flughafen aufgefordert. „Das ist entwürdigend“, ruft Scholz alias Känguru eine Minute später vom Band – denn der Beutel ist natürlich angewachsen.

Die Gefahr, sketch-artig die Dialoge aus den Büchern bzw. den Hörbüchern nachzuspielen, ist allerdings latent immer da. Aber sobald diese Gefahr zu groß wird, greifen entweder Franziska Lather oder Marius Prill ein. Lather ist eigentlich Soufleuse und spoilert die Szenen schon vor Beginn. Das macht sie hervorragend – bei ihren szenischen Auftritten zum Beispiel als Herta in der Kneipe wird sie aber schnell überdreht. Dann droht die Situation eher in Richtung Sketchaufführung abzudriften. Marius Prill greift auch mitunter in die Szenen ein, indem er sie einfach mit seinem Gitarrenspiel abwürgt. Häufig gerade noch rechtzeitig. Apropos Musik: Prill, Scholz, Zinser und Lather bilden auch eine Band, die dem Publikum ganz schön was auf die Ohren gibt – von Nirwana zum Beipiel.

Die eingebaute Meta-Ebene vom Theatermachen und der Diskussion über die Szenen rettet letztlich den ganzen Abend und macht aus der Idee eine runde Sache. Nico Dietrich gelingt es, die Erwartungen der Fans zu erfüllen und gleichzeitig etwas Neues auf die Bühne zu bringen. Diese ist von Judith Mähler liebevoll ausgestattet. Warum ein Bild von Bud Spencer in der Wohnung von Marc-Uwe Kling hängt (mit Trauerflor), wissen nur Insider. („Das ist der klassische Bud-Spencer-Move. Einfach von oben mit der Faust auf den Kopp. Direkt auf die Zwölf.“)

Die Besucher haben ihre helle Freude. Vermutlich auch die, die die Texte noch nicht kennen. Aber das sind nicht viele. Dafür sind aber auffällig viele junge Menschen im Theater. Sogar Jugendliche – und das erkennbar freiwillig. Die Beschäftigung mit Karl Marx und seinem Manifest, den großen Philosophen und dem Vietkong scheint nicht abzuschrecken. Und die Lebensweisheiten des Kängurus sind ohnehin der Renner. Der Klassiker „Mein und Dein sind doch nur bürgerliche Kategorien“ fehlt natürlich nicht an diesem Abend. Am Ende wurde das Ensemble ausgiebig vom Publikum gefeiert. Das Känguru erhielt sogar eine Schachten Schnapspralinen!

Die Premierengäste ließen sich den anschließenden Sekt nicht entgehen: „Säufste - stirbste, säufste nicht, stirbste auch, also säufste!“, sagt das Känguru zu diesem Thema.

Die weiteren Vorstellungen in dieser Saison sind alle bereits ausverkauft. Da hilft es auch nicht, wenn man jemanden gefunden hat, der einem die Karten bezahlt. „Kannst du heute mal bezahlen?“, fragt das Känguru. „Heute?“, frage ich. „Mal?“, frage ich. „Ich muss immer bezahlen, weil du nie Geld mitnimmst.“

„Tja“, sagt das Känguru lächelnd. „So ist das in der Welt. Der eine hat den Beutel, der andere hat das Geld.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Dafür aber die weiteren Vorstellungen in dieser und der nächsten Spielzeit sehr empfohlen.

Die nächsten Vorstellungen in dieser Spielzeit: 9.4., 13.4., 22.4., 24.4., 26.4., 8.5., 31.5.,0 1.6., 2.6.,0 12.6., 13.6., 14.6., 17.6. und 23.6.2017

„Der größte Zwerg“ am Jungen Theater

Wer mag schon einen Buckligen spielen, der auch noch verkrümmt ist und offenbar ein Winzling. Das Ensemble des Jungen Theaters kabbelt sich erst mal um die Besetzung. Und schon dabei steht ihnen Georg Christoph Lichtenberg wortreich zur Seite. Es ist eben nicht alles so wie es scheint, und wie so oft macht subversives Nachfragen die Sache zwar nicht besser. Aber es bringt die Dinge auf den treffenden zwiespältigen Punkt. Und dann ist eben eine Kostprobe aus seinen Sudelbüchern fällig.

Ist es nicht unglaublich, dass diesem mickrigen Bündel, das nur noch eine Nottaufe erhielt, trotz des offenbar mickrigen väterlichen Spermas zum Universalgelehrten avancierte. Buckeln lassen hat er sich jedenfalls nicht, und von niemand das Maul verbieten. Egal ob es um gelehrige Wichtigtuer und ihre Konventionen, den Göttinger Biedersinn oder andere strapaziöse Alltäglichkeiten, die dieser ewig umtriebige Geist eben auch in seinen Sudelbüchern vermerkte.

Ein Sudelstück hatte Autor und Regisseur Peter Schanz für sein dramatisches Lichtenberg Portrait im Jungen Theater angekündigt und keinesfalls eine manierliche Biografie. Und so kam das Publikum zur Uraufführung seiner Inszenierung „Der größte Zwerg“ in den Genuss eines frechen und turbulent verspielten Panoptikums. Bloß keine honorige Eloge lautete die Devise für diesen Abend über das reiche, bewegende und schmerzhafte Leben von GCL, um ganz in seinem Sinne mit ihm und über ihn spötteln und so sein Leben in all den tragischen und komischen Verwerfungen in ein wildes Bühnenabenteuer verwandeln.

Peter Christoph Scholz schultert als erster den Buckel, um sich nun auch den Spekulationen und Sprüchen von Zeitchronisten über Göttingens berühmten Wissenschaftler und ewigen Querdenker auszusetzen. Seine wenig schmeichelhaften Kommentare über die viel gerühmte Gelehrsamkeit an der Georgia Augusta fanden schließlich nicht nur Zustimmung. „Steht ein bucklig Männlein da“ spötteln nun Linda Elsner, Agnes Giese, Franziska Lather, Jan Reinartz und Karsten Zinser im Chor. Auch sie bekommen in den nachfolgenden biografischen Kapiteln abwechselnd den Buckel geschultert, um sich auf diesen verkrümmten Körper einzulassen, den Lichtenberg selbst als Gefängnis für die Seele beschrieben hatte, um diesem Zustand so oft wie möglich geistreich oder wenigstens lakonisch zu trotzen.

Mit dem Titel „Buckel“ hat Schanz auch jedes Kapitel über Einsichten und Ansichten zum Leben des größten Zwergs überschrieben. Die Buckel widmen sich zunächst den profanen Seiten des Göttinger Lebens, das unter anderem einer Wurst Expertise unterzogen wird. Der „Welt-Öffner“ und der „Experimentator“ Lichtenberg kommen zur Sprache. Seiner Neugier und was ihn und literarisch beflügelte widmet sich das Kapitel „Aphorisiaka“, der „Liebhaber“ wird erkundet und auch der ewig gepeinigte Mensch mit der „Krankheit zum Tode“.

Der Experimentalphysiker, der sich auch an der Erfindung des Blitzableiters vergnügte - „ Wissenschaft soll und muss Krach machen“ lässt sich natürlich nicht von dem trinkfesten Zeitgenossen trennen, der an einer genüsslichen Saufkunde laborierte, auch weil er befand, dass der Alkohol Ideen und Falten geschmeidiger mache. So wenig wie sich der Englandreisende, der dort am liebsten gelebt hätte und vergeblich von Weltforschungsreisen träumte, von dem amourösen Flaneur trennen lässt, dem zahlreiche Affären nachgesagt wurden und der der Liebe seines Lebens die zärtlichsten Worte widmete. All diese bewegenden und auch widerspenstigen Skizzen, Szenen und Kommentare erkundet das JT-Ensemble an einer Galerie von Tischen im Theatersaal.

Lichtenberg hätte es sicherlich gefallen, dass sein querköpfiges, ideenreiches Leben wie auf einem Laufsteg zelebriert wird. Und dass es in der Fülle von Episoden, Einfällen und ihrer spielerischen Umsetzung mit stilisierten historischen Requisiten meist ziemlich turbulent zugeht. Vor allem, wenn dann sechs Buckelträger mit Kommentaren von und über Lichtenberg ein Chaos aus Sprüchen, Argumenten und Zitaten anrichten, dabei auch mal wild kreischen, übereinander herziehen und spielerisch ausufern.

Die Posse, der Schalk und die Lust zu Übertreiben ist immer mit im Spiel an diesem Abend über Göttingens „größten Zwerg“. Aber nach all dem Spektakel kommt es auch zu dieser berührenden Szene mit Franziska Lather, die die Arie „Cara Sposa“ aus Händels Oper „Rinaldo“ singt, begleitet von Peter Christoph Scholz an der Violine. Der Lichtenberg, der die Londoner Uraufführung erlebt hatte, windet sich jetzt auf dem Tisch von Schmerzen gepeinigt und in entsetzlicher Atemnot. Aber was wäre ein Abend über diesen Experten für unheilbare menschliche Schwächen, wenn daraufhin nicht noch ein Abstecher in seinen Fundus an klugen und weitsichtigen Erkenntnissen folgte. Ein paar Aphorismen haben die sechs Buckligen noch auf Lager. Und den liebsten Lichtenbergspruch ihres Regisseurs lassen sie dann auch auf kleinen bedruckten Blättern über die Zuschauer regnen. Der „größte Zwerg“ will einfach keine Ruhe geben, erst recht nicht im Jahr seines 250. Geburtstages. Auch nicht mit den Worten „Lerne den Menschen kennen und waffne Dich mit Mut, zum Vorteil Deines Nebenmenschen die Wahrheit zu reden.“

Die nächsten Aufführungstermine von "Der größte Zwerg" sind am 4.3.2017, 10.3., 18.3 ,31.3., 29.4 , 17.5., 9.6., 30.6. und am 1.7.2017

Dienstag, 06 Dezember 2016 21:52

Engagierte Anteilnahme

Ziemlich beste Freunde - Der Filmerfolg auf der JT Bühne

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