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Mittwoch, 11 Oktober 2017 10:29

Barockoper vor prächtiger Kulisse

Opernaufführung mit dem Göttinger Barockorchester

Samstag, 09 September 2017 19:15

„Wieviel Geist braucht der Mensch?“

Eröffnungskonzert der dritten Nikolausberger Musiktage

Dienstag, 05 September 2017 07:29

Motette im Vierklang

Der Göttinger Kammerchor und Bernd Eberhardt in der St. Johanniskirche

Göttinger Barockorchester begeistert in Tschechien mit Lully-Uraufführung

Montag, 03 April 2017 18:11

Passionsmusik mit berührender Demut

Das Passionskonzert des Göttinger Vokalensembles begann nicht gerade mit einem Paukenschlag. Auf dem Programm stand vielmehr ein nachdenkliches, eher kontemplatives Werk. Der französische Komponist Thierry Machuel (*1962) vertonte Das Gedicht „Über dem Dorn“ von Paul Celan (Text: siehe hier) und verband dieses mit dem Psalm 102 „Lobe den Herrn, meine Seele“ (Text: siehe hier)

Die Texte werden zum Teil gesprochen (Psalm), zum anderen gesungen (Celan). Machuel verwendet dabei Skalen (Tonleitern) und Kanontechniken. Entstanden ist dadurch ein hochkomplexes und sehr eindringliches Werk.

Für die überwiegend jungen Sängerinnen und Sänger war das eine große Herausforderung, der sie sich mit Hingabe gestellt haben. Hoch konzentriert und bestens vorbereitet von ihrem Dirigenten Andreas Jedamzik sprachen sie die zahlreichen Zuhörer in der Göttinger Marienkirche direkt an.

In seinem Dirigat zeigte Jedamzik schon bei diesem Einstieg, dass er ein Freund der kleinen Bewegungen ist. Damit fordert er vom Chor höchste Aufmerksamkeit, kann aber auch immer wieder mit kleinen Zeichen die notwendigen Impulse geben.

In den folgenden Motetten von Anton Bruckner waren Choristen wie Zuhörer eher im vertrauten tonalen Rahmen. Und doch stellen auch diese Motetten aus der Spätromantik höchste Ansprüche. Hier geht es vor allem um Intonation, die der Chor überwiegend gut gemeistert hat. Die ständigen Verrückungen der Tonarten sowie die Vorhalttöne erfordern hohe Musikalität. Eine besondere Schwierigkeit dieser Chormusik ist es, nicht nur die Akkorde in sich perfekt zu intonieren, sondern gleichzeitig den Gesangsfluss zu ermöglichen und damit große Bögen zu schlagen. Hier wäre vielleicht ein etwas dichterer Chorklang wünschenswert gewesen.

Der Chorklang ließ ansonsten nicht viel zu wünschen übrig. Die knapp 30 Sängerinnen und Sänger konnten die Marienkirche komplett zum Klingen bringen, zartes Pianissimo und starkes Forte beherrschten sie gleichermaßen – und waren bei den Motetten auch gefragt.
Ein besonderes Ereignis wurde das „Via Crucis“ von Franz Listz. Diese musikalische Kreuzwegdarstellung ist mit Solostimmen, Chor und Orgel besetzt. Leonie Breier, Sascha Herz und Laurenz Kötter gestalteten ihre Soloparts gefühlvoll und klangschön. Der Chor hat unterschiedliche Aufgaben: es gibt einen Eingangschor, einen Schlusschor, Choräle („O Haupt voll Blut und Wunden“), Rezitative und Volksszenen (besonders beeindruckend: „Crucifige“). Die Musik Listzts ist ungewohnt, kennt man den Komponisten eher als „Tastenlöwen“ für das Klavier. Hier wird seine Frömmigkeit geradezu asketisch ausgedrückt. Die Komposition ist zwar anspruchsvoll und wagt sich bisweilen an die Grenzen der Tonalität, ist aber im Charakter eher schlicht gehalten.

Und genau das hat der Organist Antonius Adamske an der Furtwängler-Orgel der Marienkirche aufgegriffen. Adamske wählte die Register dezent und dem Charakter der Musik entsprechend. Seine Registrierung sprach damit die Seele an!
So bewirkte diese Passionsmusik eine berührende Demut bei den Zuhörern, die sich erst nach einer längeren Pause in anhaltenden Applaus wandelte.

Andreas Jedamzik ist mit diesem Konzert noch ein Schritt weiter in der Entwicklung des Göttinger Vokalensembles gelungen. Man darf sich auf die nächsten Konzerte des Chores freuen. Als nächstes steht Chormusik von Johannes Brahms und Peter Cornelius auf dem Programm. Die Konzerte finden im Oktober 2017 statt.

Mittwoch, 08 März 2017 08:33

Kein Bach ist auch keine Lösung

St. Paulus: Henryk Böhm, Antonius Adamske und das Göttinger Barockorchester mit Bach

Dieser Tage eine der Göttinger Kirche zu betreten ohne eine Bach-Kantate zu hören, dürfte ein Kunststück sein. Dieser Abend diente allerdings weniger dem Reformationsjubiläum, wie die allseits erklingenden "Bach-Kantaten zu Luther-Liedern" des Kirchenkreises, sondern ist Teil der kleinen Tour der Musiker/-innen anlässlich einer CD-Veröffentlichung.

Die Schönheit der Welt: Besteht sie aus Details oder dem Gesamteindruck? Es ist ein alter Streit. Er wird hier nicht entschieden. Und wenn sich so viele gelungene Einzelheiten zu einem gelungenen Ganzen fügen – ist es auch nicht wichtig.

Dreimal Bach, drei Solokantaten für Bass und Instrumente, voneinander abgesetzt durch zwei Einleitungssätze aus anderen Kantaten (BWV 12/21), das sind im Einzelnen: „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ (BWV 56), „Ich habe genug“ (BWV 82) und „Der Friede sei mit dir (BWV 158). Die zehn Damen und Herren des Göttinger Barockorchesters spielen unter der Leitung Antonius Adamskes, wobei sich die Mehrheit auf die Instrumente des Generalbasses verteilt. Zwei Cembali, Orgel, Fagott, Cello und Violone stehen „gegen“ je einfach besetzte Violinen- und Violastimmen sowie die beiden Oboen. Wie dieser Tage üblich spielt man in tiefer Stimmung; der Kammerton liegt gut einen Halbton unter den sonst üblichen 440Hz.

Beginnen wir die Abteilung ‚Lob’ doch einfach mit dem gekonnt farbenreichen Einsatz der Continuogruppe, welche die Textdeutung in wechselnden Kombinationen äußerst wirkungsvoll unterstützt. (Die gelungene Idee, beim Da capo von „Schlummert ein“ in BWV 82 auf das Cembalo zu verzichten, war allerdings eine spontane Idee des Leiters. - Eine, die man wieder aufgreifen sollte.) Allein das Cello hätten wir uns ab und an etwas brillanter, dominanter in dieser Gruppe gewünscht. Ansonsten ist an der Balance Orchester/Generalbass/Sänger gar nichts zu mäkeln - am Zusammenspiel ebenso wenig. Die Interpretation überzeugt auf das erste Hören, wenngleich sich doch die ein oder andere Unstimmigkeit finden lässt, z.B.: Oboe und Oberstimmen in der Eingangsarie BWV 82 gestalten ihre Linien so inniglich, dass die durchlaufende Achtelbegleitung im Continuo mit etwas Unentschlossenheit dagegen abfällt.

Henryk Böhms Leistung als Solist ist durchweg gut, teils exzellent; dabei gefallen uns die Rezitative und deren Gestaltung – nur ab und an wird es etwas zu dramatisch - noch einen Tick besser als die Arien. Etwas hat der Bariton mit dem tiefen Kammerton zu kämpfen: In „Ich freue mich auf meinen Tod“ geht diesem, dem Tod, auf der langen, tiefen Note die Puste aus. Alle Zurücknahme des Orchesters hilft hier nichts. Dagegen ist besonders das hohe Register eine Freude. Rhythmisch gibt es gleichfalls wenig zu klagen, hier dürfte lediglich das Deklamierende im Mittelteil des ersten Satzes von BWV 56 noch prägnanter vorgetragen werden.

Für die beiden Oboen (Martin Jelev/Simon Böckenhoff) bietet sich ebenso wie für Hans-Hennig Vater (Solovioline) die Gelegenheit sich in Arien als Partner des Sängers auszuzeichnen. Die Erstgenannten nutzen sie völlig überzeugend, der Geigenpart im zweiten Satz von BWV 158 hätte hingegen an der ein oder anderen Stelle etwas Feinschliff vertragen können. In eben diese Arie ist ein vom Sopran zu singender Choral eingeschoben, diesen Part übernahm Johanna Schiller. Vielleicht hat sie sich vom mächtigen Bariton neben sich etwas beeindrucken lassen, doch darf sie ihren Part in den noch folgenden Tourkonzerten gern lauter, bestimmter geben.

Etwas beklommen schaut man auf die Schlusschoräle der Kantaten 56 und 158: Sopran und Bass sind da – aber Alt und Tenor? Wie Kai aus der Kiste springen hier „örtliche Gastsänger“, inklusive des Tourmanagers, ein. Eine charmante Idee. Als gleichsam nicht ausgewiesene Zugabe, vor dem sehr reichlichen Applaus der gut 100 Hörerinnen, erklingt noch der Schlusschoral aus Bachs Johannespassion.

An der Supermarktkasse, im Anschluss an das Konzert, brumme ich „Ich freue mich auf meinen Tod“. Die Kassiererin schaut ein wenig skeptisch. Sie war halt nicht im Konzert.

Bass: Henryk Böhm

Sopran: Johanna Schiller
Alt: Katrin Meyer
Tenor: Jens Wortmann

Oboe I: Martin Jelev
Oboe II: Simon Böckenhoff

Violine I: Hans-Hennig Vater
Violine II: Britta Gemmeker
Viola: Esther Jasmin Becker

Fagott: Luise Manske
Violoncello: Angelika Miklin
Orgel: Christof Pannes
Cembalo: Sabine Erdmann
Violone: Laura Frey

Cembalo/Leitung: Antonius Adamske

Hinweis: Das Kulturbüro Göttingen ist an der Organisation der Tour beteiligt.

Die neue CD des Göttinger Barockorchesters erscheint in Kürze - Konzert am 6. März in Göttingen

Am 6. März 2017 um 19.30 Uhr findet in der St. Paulus-Kirche ein außergewöhnliches Konzert statt. Zu Gast ist das Göttinger Barockorchester, das zusammen mit seinem Konzertmeister Henning Vater Göttingen im Rahmen seiner neuen CD-Tour einen Besuch abstattet. Andere Gastspielorte sind Peine, Melsungen, Hannover, Bad Zwischenahn, Flensburg, Kiel und Hamburg.

Auf dem Programm stehen die drei überlieferten Bass-Solo-Kantaten von Johann Sebastian Bach (Ich habe genug BWV 82, Ich will den Kreuzsstab gerne tragen BWV 56, Der Friede sei mit dir BWV 158), die das Orchester mit zwei weiteren Kantaten-Sinfoniae rahmt.

Solist ist der international erfolgreiche Bassbariton Henryk Böhm, Leiter der junge Dirigent für Alte Musik Antonius Adamske. Natürlich werden auch die CDs bei den Konzerten erhältlich sein, es handelt sich dabei um eine Super-Audio-Compatible-Disc (SACD) mit besonderem Hörwert. Die CD besticht durch eine warme Interpretation der Werke, verbunden mit einem vollen Orchestersklang des chorisch besetzten Göttinger Barockorchesters. Das ausführliche und dreisprachige CD-Booklet wartet mit den neuesten Forschungsergebnissen des Bach-Institutes Leipzig zu den Bach-Solo-Kantaten auf. Schon vor der Tour kann die CD auf der Homepage des Göttinger Barockorchesters www.goettinger-barockorchester.de bestellt werden

Karten sind sind an allen Reservix-Vorverkaufsstellen und natürlich hier online im Kulturbüro Göttingen erhältlich.

Am Samstag, 4. März 2017 erscheint die neue CD des Göttinger Barockorchesters, die gleichzeitig dessen erste Publikation ist. Seit 2016 hat sich das GBO neu aufgestellt – die CD ist dabei ein erster Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Inhaltlich geht es um die drei überlieferten Bass-Solo-Kantaten von Johann Sebastian Bach, die das Orchester mit zwei weiteren Kantaten-Sinfoniae rahmt. Solist ist der international erfolgreiche Bassbariton Henryk Böhm aus Hannover, Dirigent der junge Dirigent für Alte Musik Antonius Adamske. Das ausführliche und dreisprachige CD-Booklet wartet mit den neuesten Forschungsergebnissen des Bach-Institutes Leipzig zu den Bach-Solo-Kantaten auf.

Die CD ist an allen bekannten Verkaufsstellen der Göttinger Innenstadt sowie im Rahmen des weltweiten Vertriebs auch über das Internet ist die CD zu einem Preis von 20 € (UVP) erhältlich, es handelt sich dabei um eine Super-Audio-Compatible-Disc (SACD) mit besonderem Hörwert. Auch kann die CD auf der Homepage des Göttinger Barockorchesters www.goettinger-barockorchester.de  vorbestellt werden. Die CD besticht durch eine warme Interpretation der Werke, verbunden mit einem vollen Orchestersklang des chorisch besetzten Göttinger Barockorchesters. Im Rahmen der CD-Veröffentlichung wird das Göttinger Barockorchester auch eine CD-Tour veranstalten. Das Göttinger Konzert liegt dabei auf Montag, 6. März in der kath. Pfarrkirche St. Paulus, auch nac diesen Release-Konzerten können die CDs erworben werden.

Dienstag, 15 November 2016 07:28

Bewegende musikalische Reflektionen

Louis Spohrs Oratorium „ Die letzten Dinge“ in der Göttinger Godehardkirche und in der Nikolaikirche

Montag, 12 September 2016 16:22

„Musik-Öffner“ für Max Reger

Regers Choralkantaten „Meinen Jesum lasse ich nicht“ und „O Haupt voll Blut und Wunden“ standen im Mittelpunkt des Nachtkonzertes der Nikolausberger Musiktage. Sie umrahmten die Bach-Kantate „Christ lag in Todesbanden“.

Samstag, 10 September 2016 13:01

Intensiv und emotional

Mit Bach-Kantaten wurden die diesjährigen Nikolausberger Musiktage eröffnet. „Perspektiven zwischen Reger und Shakespeare“ lautet das Motto der Festspiele.

Donnerstag, 01 September 2016 21:38

Tradition – Überregionalität – Innovation

2. Nikolausberger Musiktage vom 9. bis zum 11. September

Sonntag, 22 Mai 2016 20:50

Lauter Lobgesang

Erstmals musizierte Antonius Adamske und der Petrichor Weende mit dem Göttinger Symphonie Orchester. Eingeladen wurde zum „Lobgesang“ sowie zur Choralkantate „Wir glauben all‘ an einen Gott“ in die Universitätskirche St. Nikolai sowie in die St. Pauluskirche.

Samstag, 26 Dezember 2015 19:44

Die Feinheiten der Musik in Adamskes Händen

Wenn der Evangelist beginnt, sein erstes Rezitativ zu singen „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging“, dann wissen wir, es ist die Zeit des Weihnachtsoratoriums gekommen. Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, wenn die Musik von Johann Sebastian Bach tatsächlich zu Weihnachten erklingt und nicht viel zu früh in der Adventszeit. Und so war es auch ein ganz besonderer Moment am ersten Weihnachtsfeiertag in der Klosterkirche Nikolausberg: Antonius Adamske, sein Kammerchor St. Petri, das Göttinger Barockorchester und vier Gesangssolisten hatten zu den Kantaten I bis III des Weihnachtsoratoriums eingeladen. Eine ausverkaufte Kirche war der Dank für diese Einladung.

Schon im berühmten Eingangschor der ersten Kantate „Jauchzet, frohlocket“ wurde klar, dass das Göttinger Barockorchester mit seinem Konzertmeister Henning Vater gut aufgelegt war. Das galt besonders für den Trompeter Rupprecht Drees. Alle Musikerinnen und Musiker nahmen die Impulse des Dirigenten Antonius Adamske zu jedem Zeitpunkt perfekt auf. Die kleine Besetzung (alle Stimmen waren solistisch besetzt) sorgte für einen durchsichtigen, klaren Klang.

Das galt leider nicht für den Chor. Auch hier war die Besetzung kammermusikalisch klein. Die Sängerinnen und Sänger setzten jedoch die von Adamske gesetzten Impulse nur zögerlich um, es entwickelte sich kein harmonischer Gesamtklang und es fehlte bisweilen auch klangliche Frische. Das war ein wenig schade, wo doch Adamske die Feinheiten der Musik in seinen Händen und Gesten widerspiegelte. Aber natürlich sorgte die Musik von Johann Sebastian Bach auch bei den Chorsätzen und den Chorälen für festliche Stimmung in der Kirche.

Die Solisten des Abends hatten entscheidenden Anteil an dieser Stimmung. Besonders genannt sei der Tenor Georg Drake. Seine Stimme erreichte mit Leichtigkeit die höchsten Höhen, die Koloraturen in der Hirtenarie klangen gar nicht als schwieriger Part sondern vielmehr als verspielte Verzierungen. Johanna Krödel gestaltete ihre Alt-Partie ausdrucksstark. Gemeinsam mit Adamske gestaltete sie die Arie „Schlafe, mein Liebster“ so spannend, dass man eher enttäuscht war, nicht noch ein „da capo“ zu hören. Die Sopranistin hat in den Kantaten I bis III nur wenig zu tun. So war der Part von Johanna Neß ein wenig undankbar. Lange musste sie auf ihren ersten Einsatz (als Engel) warten. Aber sie sang diesen kurzen Part genauso strahlend wie später das Duett mit ihrem Bass-Kollegen „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen“. Hier, wie auch in den anderen Arien, überzeugte der junge italienische Bassist Luciano Lodi mit seiner warmen Stimme. In seiner Arie „Großer Herr, o starker König“ hätte man sich vielleicht noch ein wenig mehr Kraft gewünscht.

Leider waren weder die Namen der Mitwirkenden noch irgendwelche weiterführenden Informationen im Programmheft nachzulesen. Das ist sehr schade und wird den Musikerinnen und Musikern, insbesondere aber den Solistinnen und Solisten nicht gerecht.

Eine schöne Idee von Antonius Adamske war es, am Ende nach der dritten Kantate noch den Choral „Nun seid ihr wohl gerochen“ aus der sechsten Kantate anzufügen. Hier holte er die vier Solisten nach vorne, das gesamte Ensemble konnte noch einmal so richtig erstrahlen. Jubelnder Applaus und die Wiederholung dieses Chorals als Zugabe beendeten ein eindrucksvolles Konzert am ersten Weihnachtsfeiertag.

Mittwoch, 16 Dezember 2015 10:49

Melodien, die strahlen und beschwingen

Mysteriensonaten in der Nikolausberger Klosterkirche

Von Heinrich Ignaz Franz Biber hört man nur selten. Es sei denn, ein Musiker wagt sich an seine Rosenkranzsonaten, diesen berühmten Zyklus für Violine. Antonius Adamske begrüßte die Zuhörer in der Nikolausberger Klosterkirche dann auch mit dem Hinweis auf ein Außenseiterkonzert. Von einem Komponisten, der im 17. Jahrhundert auch als Violinvirtuose sehr geschätzt war und heute in Konzertprogrammen kaum mehr vertreten ist, berichtet der Göttinger Musiker und Chorleiter. Eine Ausnahme bilden seine 16 musikalischen Gebete, die ursprünglich als Mysteriensonaten bezeichnet wurden, weil er die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes vertonte, die die Geschichte Jesu symbolisieren. Die Vorstellung, dass das früher die Gläubigen nach dem Hören des Bibeltextes ihre Gebete sprachen und dazu diese Musik gehört haben, verbindet Adamske mit diesem Konzert in vorweihnachtlicher Stimmung, bei dem er Hennig Vater an der Orgel begleitet.

Der Göttinger Geiger und Barockspezialist spielt die ersten fünf Rosenkranzsonaten mit den musikalischen Gebeten über der Geburt Jesu. Faszinierend ist bereits der Klangkosmos, den Biber im Sinn hatte, indem er jede Sonate mit einer eigenen Klangstimmung, der so genannten Skordatur versah. Um einen besonderen Klangeffekt zu erzielen, wurden die einzelnen Saiten umgestimmt. Mit vier Violinen widmet sich Hennig Vater diesem Kosmos und den darin schimmernden musikalischen Gebeten. In der ersten Sonate über die Verkündigung der Geburt Christi haben ist es ein wärmender Klang. Für die Bibelszene in der Maria ihrer Nachbarin Elisabeth begegnet, wählte Vater eine Barockvioline, die das Gespräch der beiden Frauen wunderbar dialogisch zum klingen bringt. Von den Stimmen der Andacht, der Freude und der Bewegtheit bei der Geburt Christi erzählt er auf einem weiteren historischen Instrument. In ihren berührend dunklen Klangfarben klingt seine zeitgenössische Kopie einer Nicolo Amati Geige wie geschaffen für Bibers Portrait Christi im Tempel Ciacona.

Auch tänzerische Motive von Anmut und Grazie schimmern in diesen musikalischen Gebeten, denen sich die beiden Musiker mit Hingabe widmen: Melodien, die strahlen und beschwingen, um in der Klosterkirche mit der Stimmen der Andacht und der Kontemplation auch zu emotionalen Kosmos zu verschmelzen.

Mittwoch, 18 November 2015 08:35

Barocker Opernzauber mit „Armide“

Ein musikalisches Fest in der Nikolausberger Klosterkirche

Musiker sind auch Schatzgräber, wenn sie sich wie Antonius Adamske für barocke Meisterwerke begeistern, die viel zu selten aufgeführt werden. Jean Baptiste Lullys Oper ist so ein Fall. Nur wenige Bühnen wagten sich in den letzten Jahren an diese lyrische Tragödie um eine arabische Zauberin, die sich in einen Kreuzritter verliebt. Dabei bezaubert die Oper schon in den ersten Motiven der festlichen Ouvertüre und später um so mehr. Wenn Lully ein vielfarbiges Arrangement von Arien und Rezitativen entfaltet und immer wieder mit den Chorstimmen verwebt.

Der Göttinger Musiker und Chorleiter wagte mit der Bergung dieses barocken Schatzes  gleich ein weiteres Abenteuer mit der Aufführung in der Nikolausberger Klosterkirche. Für Kammerkonzerte ist der Altarraum wunderbar geeignet. Aber wo sollte der Raum herkommen für das Barockorchester Musica Affettuosa Borussica Potsdam, für die Solisten und den Kammerchor St. Petri und für die vielen Ballettszenen, mit denen Lully sein adliges Publikum am Hof von Ludwig XIV ja ebenfalls zu entzücken wusste.
Mit farbigem Lichteinsatz, viel szenischer Fantasie und reflektierenden Spiegelelementen entstand ein effektvoller Bühnenraum für all die großen Gefühle, die in dieser Oper kollidieren.

Auch bei Armide geht es wie so oft um ein emotionales Chaos, in das die Protagonisten verwickelt werden. Um Ruhm Ehre und Machtspiele und um  Kränkungen, die sich nicht so leicht verschmerzen lassen. Armides magische Kräfte versagen, wenn sie den Kreuzritter Renaud vernichten will. Aber auch der kämpferische Held verliert den strategischen Überblick und wird zum leidenschaftlichen Schwärmer.

Im Prolog der Oper liefern sich Vernunft und Weisheit einen munteren Wettstreit, der sich später auch auf das Gefolge von Armide und Renaud überträgt. Zwischenzeitlich weiß keiner mehr so recht, ob er jetzt vernünftig handeln oder auf diese innere Stimme vertrauen soll, die sich eher von Gefühlen leiten lässt und von Sehnsüchten. Auch das Liebespaar ist sich seiner Sache keineswegs sicher und treibt ein doppelbödiges Spiel, das Regisseur Freimund Pankow wunderbar subtil in Szene gesetzt hat. Die Idee mit reflektierenden Spiegelelementen zu arbeiten trifft den Kern dieses musikalischen Dramas, in dem der Schein eben auch trügt, weil die emotionalen Kraftproben vor dem Hindergrund eines politischen Kräftemessens stattfinden, das schließlich in die Eroberung Jerusalems mündete. In den Spiegelungen erscheint die heldenhafte Pose so verzerrt wie der magische Liebeszauber, während die lyrische Tragödie ihren Lauf nimmt, weil der Ruhm am Ende doch mehr lockt als die verwirrende Welt der großen Gefühle.

Das Gefühlschaos spiegelt sich auch in den Auftritten des Kammerchors St. Petri Weende. Für Ballettszenen wäre nun wirklich kein Raum mehr in der Nikolausberger Klosterkirche. Also macht Pankow aus der Not eine Tugend, in dem er die Sängerinnen und Sänger immer wieder gestisch und szenisch einsetzt. Das tut dem musikalischen Drama nicht immer gut, weil sich dabei manchmal ein Gefühl von visueller Überfülle einstellt, auch mit all den Farb- und Lichteffekten und den ebenso effektvoll eingesetzten Requisiten, die einander bedrängen.

Lully lieferte mit seiner Armide“ natürlich auch die Vorlage für ein grandioses barockes Fest. Aber das wird es vor allem durch die Solisten, die wunderbar harmonierenden Stimmen des St. Petri Kammerchor und die Musiker der Musica Affettuosa Borussica Potsdam, die unter der Leitung von Antonius Adamske so fein austarierte Klangbilder entwickeln.

Besonders die Solisten machen diesen Opernabend zu einem Fest der Stimmen. Mit Anna Bineta Diouf in der Rolle der Armide, deren kraftvoller Mezzosopran der auch in den heiklen Sopranlagen noch strahlt. Und mit den Sopranistinnen Johanna Neß und Sophia Körber, die besonders in den vielen Duett Rezitativen in den schönsten Stimmfarben begeistern. Tenor Robert Macfarlane gestaltete  die Partie des Renaud mit warmem Timbre, das einen schönen Kontrast bildet zu Daniel Preis und seinem dunkel eingefärbten Tenor und dem kraftvoll geerdeten Bassbariton von Mathias Tönges.

Sonntag, 13 September 2015 15:00

Sey nur still. Amen.

Patricia Grasse im Nachtkonzert der Nikolausberger Musiktage

Die „Kleinen geistlichen Konzerte“ von Heinrich Schütz sind kurze, kantatenähnliche Werke für eine kleine Besetzung. Wobei die Besetzung sehr unterschiedlich ist: von einer bis zu sechs Singstimmen reichen die Vorgaben von Heinrich Schütz. Entstanden ist diese Sammlung um 1636 – also noch inmitten der Wirren im Dreißigjährigen Krieg. Und so beginnt auch gleich das erste Stück mit den Worten „Eile mich, Gott, zu erretten, Herr, mir zu helfen!“

Die Sopranistin Patricia Grasse hat für das Nachtkonzert bei den Nikolausberger Musiktagen die Stücke ausgewählt, die für eine Sopranstimme vorgesehen sind. Das sind lediglich vier der 56 „Kleinen  geistlichen Konzerte“. Und weil diese Auswahl nicht konzertfüllend ist, hat sie noch einige „Musikalische Andachten“ des Bach-Zeitgenossen Johann Wolfgang Franck ausgewählt. Diese Stücke sind fünfzig Jahre später als die Konzerte von Schütz entstanden.

So ergab sich ein spannender Konzertablauf: zunächst die schlichte gehaltene, aber ungemein ausdrucksvolle Musik von Heinrich Schütz, dann die barocken Kleinode von Franck.

Patricia Grasse war eine ideale Besetzung für diesen Abend: sie gestaltete die Musik ergreifend und einfühlsam. Ihre schlanke Stimme klang in jeder Lage leicht, es war keinerlei Anstrengung zu hören. Und das bei einem einstündigen Programm, das nur einmal unterbrochen wurde durch eine Passacaglia von Alessandro Piccinini, gespielt von Andreas Düker auf der Laute.

Andreas Düker und Antonius Adamske (Orgel) begleiteten die Sängerin, teils gemeinsam, teils abwechselnd. Das Ensemble musizierte von der Orgelempore, während das Kirchenschiff im Kerzenschein leuchtete. So schön das atmosphärisch wirkte: akustisch hatte das zur Folge, dass der Text des Gesangs kaum zu verstehen war. Zum Glück war der Text im Programmheft abgedruckt.

Der prall gefüllte Samstag der 1. Nikolausberger Musiktage endete mit diesem wunderbaren Nachtkonzert mit Patricia Grasse. Insbesondere die Andachten von Franck waren eine Entdeckung. Das letzte Stück des Abends hieß „Sey nur still und harr auf Gott“ – und es endete mit dem Gruß zur Nacht: „Sey nur still. Amen.“

Monteverdis Marienvesper unter Antonius Adamske in Weende

Ein Sänger pro Stimme im Chor reicht vollkommen und Maria war doch keine Jungfrau

Im Rahmen der Händelfestspiele brachte das Collegium Vocale St. Petri in gleichnamiger Kirche am Sonntag, den 17. Mai 2015 die „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi zu Gehör. In kleiner Besetzung. Also, eher minimalistisch. Mit gegenteiliger Wirkung.

Zu Zeiten Monteverdis, damals, als der Barock fast noch Rennaissance hieß und als Chöre nicht – oder eher selten – in Busladungsgröße konzertierten, wäre die gestrige Besetzung wohl nicht außergewöhnlich gewesen. Doch nach 400 Jahren sind wir ebensolche Werke eher großchörig gewohnt. Wenn man davon absieht, dass der Komponist erst Anfang des letzten Jahrhunderts wieder aus der Vergessenheit gegraben wurde, es also gar keine jahrhundertelange Aufführungspraxis seiner überlieferten Werke gibt. So gab es für die zahlreichen Besucher der Petrikirche in Weende gestern Abend eine Version des Stückes, die sich möglichst nahe an die ursprüngliche Art der Aufführung anlehnt.

Ein 8- bis 10-stimmiger Chor, jeweils eine Stimme pro Stimme, mit wunderbar klarem Klang, ganz bestimmt nicht zu leise und sicher durch die anspruchsvolle Passage – von Anfang bis Ende – führend. Dabei schaffen sie ein Klanggerüst, das für den Zuhörer durch die einstimmige Besetzung beinahe leicht zu durchhören ist und stabil an allen Berührungspunkten hält; gegenseitig aneinander und am übersichtlichen Instrumentarium. Lediglich Orgel, Gambe und Laute, gespielt von Christof Pannes, Laura Frey und Andreas Düker legen den Generalbass unter die Stimmen. Nun möchte man meinen, da fehle doch etwas, das ist wohl etwas zu schlank besetzt... nein. Gut ausbalanciert, dieses strahlende Gebilde aus 10 Stimmen und 3 Instrumenten, das die Kirche ausfüllt, sodass man nur große Augen und Ohren machen kann.

Gehalten wird dieses lebendige Konstrukt von Antonius Adamske, der seit 2011 die Petrichöre leitet und nun mit dem Collegium Vocale die Patina von diesem altehrwürdigen Stück wischt. Tatsächlich wurde meine doch etwas ängstliche Erwartung von möglicherweise starrer, in den Angeln knarrender uralter Musik, die mich die kalten Kirchenwände am Rücken spüren lässt, schwer enttäuscht. Ich gebe zu, meine Erfahrungen dazu dürften von langen Musikschulnachmittagen herrühren, doch das hier ist etwas anderes. Lebendig klingt es, überzeugend im „Dixit Dominus Domino meo“, verliebt im „Ave, maris stella“, jubelnd im „Magnificat“. Und ungewohnt. Auch in den gregorianisch angelegten Antiphonen, die anstatt der Concerti zwischen den Psalmen erklingen, deren Bedeutung auch in einem Call-and-response-Gesang im „Magnificat“ übernommen wurde, und die die Modernität der Komposition mit ihren damaligen provokanten Neuerungen nur unterstreichen. Und wie soll man auch nicht genau so singen bei einem Dirigenten, der quasi vortanzt, was er hören will?

Nun gab es nicht nur Musik zu hören. Eingeflochten zwischen die Psalmen und Antiphone las Theologe Timm Siering mehr oder weniger aktuelle Texte, wodurch „Themenstrophen“ geschaffen wurden und der Blickwinkel hier und da neu oder doch anders justiert wurde. Einige ungläubige Blicke werden da getauscht, wenn in einer bekannten überregionalen Tageszeitung die Rede davon ist, dass Maria nun eben doch keine Jungfrau war, sondern ihr natürlicher Werdegang einfach in der Übersetzung aus dem Hebräischen verlorenging. Oder man hört, das Paulus Maria schlicht ignorierte und kein Wort über sie verlor. Dabei ist sie ja die Hauptfigur des Konzertabends und der menschliche Teil des Bindegliedes Jesus & Maria zwischen Gott und den Menschen. Gut, dass Signore Monteverdi sich nicht zu sehr an Paulus orientiert und sie nicht aus den Augen verloren hat. Der letzte Zunder des Abends knistert aus einem Text zweier Theologinnen, die über die gesellschaftliche Stellung der Frau zu Marias Zeiten schrieben. Man mag es ja kaum zusammenbringen, dass jahrtausendelang eine mehr dem Sächlichen zuzuordnende Sklavin angebetet und mit der schönsten Musik geehrt und ausgemalt wurde.

Eine schöne Ergänzung zur Komposition sind sie, die Texte, und machen aus einem Vergnügen einen Genuss.

Wer dieses Stück nun in dieser Zusammensetzung doch noch erleben möchte, dem sei die Aufführung am 11. September 2015 in der Klosterkirche Nikolausberg empfohlen. Im November gibt es weitere Stücke der Petrisänger unter Adamskes Leitung zu hören: die Oper „Armide“ von Jean-Baptiste Lully am 15.11. in der Klosterkirche Nikolasberg und Unbekannte deutsche Kantaten von Goldberg und Graupner am 21.11. in St.Petri in Weende.

Freitag, 31 Juli 2015 00:00

1. Nikolausberger Musiktage

430 Jahre Heinrich Schütz

Die Klosterkirche Nikolausberg ist ohne Zweifel einer von Göttingens beliebtesten Konzertorten. Was läge näher, als ein wiederkehrendes Konzertereignis von höchster musikalischer Güte?

Vom Freitag, dem 11. bis zum Sonntag, dem 13. September veranstaltet deshalb die Kirchenmusik der Klosterkirche die 1. Nikolausberger Musiktage. Als Motto wurde hierzu der 430. Todestag des großen mitteldeutschen Meisters Heinrich Schütz ausgewählt. Er ist die Vaterfigur der nordeuropäischen Vokaltradition, indem er wertvolle Kompositionstechniken von seinem italienischen Lehrmeister Giovanni Gabrieli über die Alpen nach Kassel brachte, von wo aus es sich schnell verbreitete. In seinem Todesjahr wurden Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel geboren, welche später die deutsche Barockmusik zu neuen Horizonten führten.

Mit den 1. Nikolausberger Musiktagen soll diese Traditionslinie angesprochen werden. Einer der großen kompositorischen italienischen Vorgänger, Claudio Monteverdi, wird mit seinem Opus magnum, der Marienvesper im Eröffnungskonzert zu hören sein – in historischer Aufführungspraxis mit einem kleinen Ensemble, dem achtköpfigen Collegium Vocale St. Petri und drei Continuoinstrumenten unter der Leitung von Antonius Adamske, aber in modernem Gewand mit zeitgenössischer Lyrik zwischen den ausgefeilten Chorsätzen.

Im Festkonzert werden dann die berühmten „Musikalischen Exequien“ von Schütz selbst, die das Monteverdi-/Gabrieliprinzip barocker Mehrchörigkeit stark aufgreifen vom preisgekrönten Hannoveraner Collegium Vocale unter Leitung des jungen Dirigenten Florian Lohmann zu hören sein. Auch dieses Konzert versucht den Brückenschlag zur Moderne mit Schönbergs Vertonung „Friede auf Erden“. Um die Entstehungsgeschichte der Exequien und die Besonderheiten des Werkes besser verstehen zu können, soll im Vorfeld des Festkonzertes ein Podiumsgespräch zwischen dem Dirigenten und einem renommierten Kunsthistoriker stattfinden.

Natürlich kommen auch die Kinder nicht zu kurz. Zwischen Eröffnungs- und Festkonzert wird es einen musikalischen Workshop für Kinder geben, der an die Barockmusik heranführt und in einer kleinen Aufführung für Eltern und Interessierte die Ergebnisse präsentiert.

Den Samstag schließt ein Nachtkonzert ab, in dem einige der wundervollen „Kleinen Geistlichen Konzerte“ von Heinrich Schütz von der Sopranistin Patricia Grasse dargebracht werden.

Am dritten und letzten Tag, dem Sonntag, gibt es dann nach einem musikalisch besonders festlich gestalteten Bläsergottesdienst einen Jazz-Frühschoppen im Gemeindehaus mit den Künstlern Andreas Düker und Martin Tschoepe an Laute und Kontrabass. Selbstverständlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt; ein Brunch lädt alle Besucher des Konzertes zum Genießen in jeder Hinsicht ein.

Schließlich enden die 1. Nikolausberger Musiktage am Sonntag mit dem Abschlusskonzert. Für das Abschlusskonzert konnte der Landesjugendchor Niedersachsen, ein Auswahlensemble höchster musikalischer Güte, gewonnen werden, an den 1. Nikolausberger Musiktagen mitzuwirken. Der international renommierte Dirigent Florian Benfer präsentiert in diesem Konzert eine Auswahl modernerer Nordeuropäischer Vokalmusik – ganz im Sinne der Nachfolge Schützens und dem Fortleben der nördlichen Vokaltradition nach 1700.

Das gesamte Programm mit der Möglichkeit, Tickets zu bestellen, finden Sie hier auf den Seiten des Kulturbüros. Eintrittskarten sind auch an allen Reservix-Vorverkaufsstellen erhältlich.

Dienstag, 10 März 2015 07:53

Herausforderung angenommen

Der Petrichor Weende sang in der Universitätskirche St. Nikolai zum Chorjubiläum

Zum Jubiläum (30 Jahre Petrichor Weende) gab es festliche Musik. Auch wenn es Kirchenmusiker Antonius Adamske anders meinte: die 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach sollte in der Passionszeit den Einzug Jesu in Jerusalem andeuten. Egal wie man es interpretiert – diese Musik mit ihren drei Trompeten und dem festlichen D-Dur hat etwas Erhabenes. Und so musizierten es Adamske und das Göttinger Barockorchester auch. Die berühmte „Air“ gestaltete Konzertmeister Henning Vater sehr innig, beinahe ein wenig zu sehr zurückhaltend. Aber immer mit wunderschönem Ton.

Das Orchester war nur mit vier Geigen (zwei erste und zwei zweite Geigen) besetzt. Da konnten sich diese Instrumente bei den Tutti- und den festlichen Trompetenklängen nicht recht durchsetzen. Schade, denn bei den flotten Tempi hätte man gerne etwas mehr von den virtuosen Geigenläufen gehört. Dem feierlichen Charakter der Musik tat das aber kaum einen Abbruch.

In der Motette „Jesu meine Freude“ hatte das Orchester eher eine stützende Funktion. Bach selber hat dieses Continuo durchaus vorgesehen. Und so gaben die Instrumentalisten den Chorsängern des Petrichores die Sicherheit in der Intonation. Denn diese ist eine der größten Klippen in den Bach’schen Motetten, insbesondere in dieser. Der Chor war sehr gut vorbereitet und wirkte dementsprechend sehr präsent. Es ist beachtlich, was der junge Dirigent aus seinem Ensemble herausholt. Der Chor ist definitiv auf einem guten Weg – wenn auch durchaus noch etwas zu tun ist, so zum Beispiel in der Artikulation oder in der dynamischen Differenziertheit.

Antonius Adamske zeichnet sich aber dadurch aus, dass er seinen Ensembles gerne viel zumutet. Und die Choristen haben diese Herausforderung angenommen. Sie lieferten eine gelungene Version der Bach-Motette ab. Die kammermusikalischen Passagen wie das Trio „Denn das Gesetz“ vertraute Adamske den Solisten des Abends an, was dem Stück durchaus guttat. So vermied Adamske, dass der Chor sich an der Motette überhebt.

Die Nelson-Messe von Joseph Haydn passte vom Schwierigkeitsgrad ein wenig besser zum gegenwärtigen Leistungsvermögen des Petrichores. Lebendig gab der Chor das Werk wieder, auch wenn die Spitzentöne nicht immer getroffen wurden. Die Sängerinnen und Sänger ließen sich ganz offensichtlich vom Elan des Dirigenten mitreißen. Diese Begeisterung, gepaart mit einem schönen Chorklang, ließ den Funken auf die Geburtstagsgäste in der gut gefüllten Nikolaikirche überspringen.
In der Messe konnten die Gesangssolisten endlich ins Geschehen eingreifen. Dabei hatte die Sopranistin Patricia Grasse zahlreiche hohe Koloraturen zu meistern – was ihr spielend gelang. Daneben konnte die warme Altstimme von Marlene Gaßner, die schlanke Stimme von Georg Drake (Tenor) und der kräftige Bass von Mathias Tönges überzeugen.

Das Publikum war anschließend begeistert und spendete Chor, Orchester, Solisten und dem Dirigenten anhaltenden Applaus. So, als wollten sie auch sagen: weiter so Petrichor. Auf die nächsten 30 Jahre!

Montag, 13 Oktober 2014 15:32

Chapeau, Herr Adamske!

Händels Oratorium Solomon in Weende und Nikolausberg

Große Enge herrschte in der Klosterkirche in Nikolausberg – am Vorabend dürfte es in der St. Petrikirche in Weende ähnlich gewesen sein: das selten aufgeführte Oratorium Solomon von Georg Friedrich Händel stand auf dem Programm. Der Petrichor Weende sowie der verstärkte Petri-Kammerchor, das Göttinger Barockorchester sowie das Cembalo für Antonius Adamske mussten genauso ihren Platz finden wie das zahlreiche Publikum, das für nahezu ausverkaufte Kirchen sorgte. Aber jeder fand seinen Platz im dreistündigen Abend.

Der noch junge Dirigent und Chorleiter Antonius Adamske wünschte dem Publikum vor dem Konzert viel Vergnügen bei dieser viel zu sehr in Vergessenheit geratenen Musik. Immerhin ist diese von Georg Friedrich Händel, es handelt sich um eines seiner biblischen Oratorien, genau um Solomon. Händel komponierte das gewaltige, über dreistündige Werk in wenigen Wochen. Adamske hat es für die Göttinger Aufführungen um eine halbe Stunde gekürzt.

Worum geht es in dem Oratorium? Natürlich um König Salomo, der es durch sein „salomonisches Urteil“ in die Alltagssprache der heutigen Zeit gebracht hat. Entsprechend geht es auch bei Händel um den weisen, gottesfürchtigen, treuen, gerechten und friedliebenden Herrscher. Und so ist auch der Text – eine einzige Lobhudelei ohne jede Spannung oder Dramatik. Der Textdichter des Oratoriums ist unbekannt. Die Musik von Händel ist aber nicht nur ein einheitlicher Lobgesang, sondern überaus lebendig und vielseitig: da sind zahlreiche Chorstücke, zum Teil doppelchörig, Arien und Rezitative – alles zusammen kann das einen kurzweiligen Abend ergeben.

Dass dieser auch tatsächlich kurzweilig wurde, lag an und in den Händen von Antonius Adamske. Er hatte seine beiden Chöre gut vorbereitet, lediglich am Ende des zweiten Konzertes lies die Konzentration ein klein wenig nach. Die Stimmen waren gut gemischt, schon beim Eingangschor glänzten insbesondere die Bässe aus dem Chor, während die zahlenmäßig deutlich unterlegenen Tenöre bisweilen etwas Intonationsschwierigkeiten hatten. Insgesamt hatte der Chor aber eine beachtliche Qualität.
Adamske dirigierte Chor und Orchester vom Cembalo aus, saß also mitten im Geschehen. Die direkte Nähe auch zu den Instrumentalisten bewirkte, dass seine Freude an der Musik sich unmittelbar auf das Orchester übertrug: das Göttinger Barockorchester mit Henning Vater am Pult des Konzertmeisters war prächtig aufgelegt und zeigten sich in bester Spiellaune. Hervorzuheben sind insbesondere die Oboen und die Blechbläser. Alle Musikerinnen und Musiker folgten dem Dirigat und der Interpretation Adamskes akkurat und zuverlässig.

Bei den Solisten konnten vor allem die Göttingerin Johanna Neß (Sopran) und der hannoversche Tenor Georg Drake glänzen. Neß‘ Stimme ist mit ihrem hohen Sopran und ihrer Leichtigkeit im Ausdruck perfekt für die Alte Musik geeignet. Georg Drake hatte bereits mehrfach mit Adamske konzertiert, aber die Rolle des Zadoks ist sicher die bisher anspruchsvollste. Wie Drake in der Arie „Sacred raptures“ die atemberaubenden Koloraturen bewältigte, war einfach sensationell. Man hätte glauben können, der junge Student habe in diesem Bereich schon lange Erfahrung. Er ist jedoch erst 23 Jahre alt. Nach dieser Arie juckte es einigen Zuhören in den Händen, um Szenenapplaus zu spenden. Ergänzt wurde das Solistenensemble mit Johanna Krödel (Mezzosopran), die die Rolle des Salomon verkörpern durfte. Händel hat ihren Part tatsächlich für eine Frau komponiert und nicht für einen Countertenor. Vielleicht hatte er aber einen solchen Sänger im Hinterkopf, denn die Partie ist sängerisch undankbar. Zahlreiche sehr tiefe Passagen forderten Krödels ganzes Können. Der kräftige Bass von Mathias Tönges erfüllte die Kirche spielend, bisweilen hätte man sich ein wenig mehr Differenziertheit gewünscht.

Im Ganzen war es ein rund herum gelungenes Konzert, das zu Recht stehende Ovationen vom Publikum erhielt. Das größte Lob gehört jedoch dem jungen Dirigenten: es gehört schon großer Mut dazu, ein solches Werk in Weende und in Nikolausberg zu präsentieren. Die Anforderungen an die Choristen sind hoch, die Kirchen sind relativ klein und liegen nicht im Zentrum der Stadt. Und auch die finanziellen Belastungen sind bei solch großen Projekten groß und ein Wagnis. Der gute Zuspruch des Publikums war deshalb zum Gelingen auch sehr wichtig. Für diesen Mut – und für das Gelingen: Chapeau, Herr Adamske! Der Mut wurde belohnt, machen Sie weiter so!

Montag, 21 Juli 2014 07:59

Französische Musik am neuen Cembalo

Eigentlich sollte das neue Cembalo eingeweiht werden – ein „historisch informierter“ Nachbau eines italienischen Barockcembalos. Der Kirchenmusiker von St. Nikolaus, Antonius Adamske, hatte zum Konzert eingeladen. Im Mittelpunkt stand (natürlich) das Cembalo. Und die Theorbe von Andreas Düker. Und die Gambe von Laura Frey. Drei gleichwertige Instrumente bzw. deren Musiker gestalteten ein abwechslungsreiches Programm mit einem französischen Programm in der gut gefüllten Klosterkirche Nikolausberg.

Gleich zu Beginn konnten sich die drei beweisen: im „Concerts royaux“ von Francois Coperin waren Cembalo, Theorbe und Viola da Gamba in den einzelnen Tänzen virtuos zu hören. Anschließend hatte Andreas Düker das Feld für sich: die „Les Sylvains de Mr Couperin“ des französischen Hof-Gitarristen Robert de Visée waren „sein“ Solostück.

Nun endlich stand das Cembalo im Mittelpunkt. Adamske wählte die Französische Suite Nr. 1 in d-Moll aus, um die Möglichkeiten und den Klang des neuen Instrumentes zu demonstrieren. Eine gute Wahl, sieht doch der französische Stil in der Barockmusik zahlreiche Verzierungen und Triller vor.

Auch Laura Frey durfte sich solistisch präsentieren. Sie wählte für das Publikum „Tombeau pour Mr. De Lully“ von Marin Marais aus – eine Widmung des Gambisten Marais an seinen Förderer Jean-Baptiste Lully am Hofe Ludwig XIV. Wie bereits zu Beginn des Konzertes wußte Frey mit dem schönen, warmen Klang ihres Instrumentes sowie mit ihrer Virtuosität zu begeistern.

Das setzte sich auch im Schlussstück fort: die Gambensonate Nr. 3 von Bach. Adamske ließ hier Andreas Düker die Bassstimme des Cembalos mitspielen – eine schöne Idee, die auch den Bogen des Abends schloss: denn Couperin hatte in seinen „Concerts“ keinerlei Vorschriften zur Besetzung gemacht. Und so legte Adamske auch Johann Sebastian Bach großzügig aus – und rückte mit dieser Entscheidung das Cembalo wieder ein wenig aus dem Mittelpunkt. Das Instrument erfüllt damit eine eher dienende Funktion. Das nächste Mal tut es dies am 12. Oktober zur Aufführung des Oratoriums „Solomon“ von Georg Friedrich Händel.

Die Nikolausberger wissen das vielfältige musikalische Angebot in ihrer Kirche offenbar zu schätzen, die Kirche war an diesem warmen Sommerabend gut besucht. Das Publikum entließ die Musiker erst nach einer Zugabe aus der „Französischen Suite“.

Werke von Singelée, Debussy und Franck in der Klosterkirche Nikolausberg

Bei diesem Klosterkirchen-Konzert in Nikolausberg stand mit dem Saxophon ein Instrument im Vordergrund des Abends, welches selten im Mittelpunkt eines klassischen Konzertes steht. Dieser Abend war hingegen ganz dem noch relativ jungen Instrument gewidmet und mit Jean Baptiste Singelée zum Einstieg wurde ein Komponist ausgewählt, der als Freund Adolphe Sax' dessen Erfindung in vielen seiner Werke solistisch hervorhob. Denn obwohl das Saxophon bereits in den 1840er erfunden und von Adolphe Sax patentiert wurde, konnte es sich im 19. Jahrhundert kaum als Orchesterinstrument im damaligen Musikbetrieb durchsetzen. Erst durch den Gebrauch in Militärkapellen konnte es sich in den USA und später auch vermehrt in Europa als solistisches sowie als Orchesterinstrument (Big Band) durchsetzen.

An diesem Abend standen sechs kürzere Kompositionen Jean Baptist Singelées auf der Agenda, die von Deike Böning (Alt- und Spransaxophon) und Antonius Adamske (Klavier) vorgetragen  wurden. Singelée reizt in diesen Kompositionen sehr prägnant die klanglichen und dynamischen Möglichkeiten des damals neu entwickelten Instrumentes aus, die vor allem in den solistischen Passagen kraftvoll von Deike Böning präsentiert wurden, während Antonius Adamske mit seiner Klavierbegleitung oft souverän im Hintergrund blieb.

Einen thematisch vielleicht nicht ganz passenden Einschub im Programm stellten zwei Orgelwerke von César Franck dar, die Antonius Adamske gekonnt und mit passender Registrierung vortrug. Besonders das zweite Werk, Francks Prelude "Fugue and Variations", op. 18 (sic!) dürfte einen hohen Wiedererkennungswert im Publikum gehabt haben.

Zuletzt spielten Deike Böning und Antonius Adamske ein Medley, in dem Stücke wie "Rhapsody in Blue", "Summertime" und "I've got Rhythm" von George Gershwin in arrangierter Form vereint wurden. Damit wurde ein Schluss gewählt, der nicht nur das Konzert gut abgerundet hat, sondern auch für die Geschichte des Saxophons steht: An die weitgehend unbekannten Kompositionen für Saxophon von Singelée schließt sich die populäre Musik Gershwins an, in der das Saxophon bereits fester Bestandteil des Orchesters war.

Auch wenn die aneinandergereihten Arrangements des Medleys die Werke Gershwins teilweise nur rudimentär andeuten konnten, war dies ein beschwingender Abschluss für ein sonntägliches Konzert in Nikolausberg.

Dienstag, 29 April 2014 17:01

Claire de lune

Charlotte Diekmann, Eva Lauber-Strohmann und Antonius Adamske in Nikolausberg

Claire de lune (Mondschein) steht nicht nur inhaltlich für das Programm des Konzertes „Gabriel Fauré und der französische Impressionismus“ am 27.04.2014 in der Klosterkirche Nikolausberg. Das Gedicht Clair de lune von Paul Verlaine inspirierte neben Fauré auch Debussy zum dritten Satz seiner Suite bergamasque; mit dem Unterschied, dass Debussy und dessen Œuvre in den Konzertsälen wesentlich bekannter sind, während Werke Faurés oft im Schatten der französischen Impressionisten zu stehen scheinen.

Antonius Adamske, der an diesem Abend die Sopranistin Charlotte Diekmann und Eva Lauber-Strohmann am Cello begleitete, wies zu Beginn des Konzertes auf den Begriff Impressionismus hin: Dieser meine mehr als bloß die Epoche, Stilrichtung oder den Begriff der Kunstgeschichte, vielmehr stehe er auch für eine Geisteshaltung und Anschauungsweise, die Welt wahrzunehmen.  Fauré kann zwar musikalisch nur bedingt als Impressionist bezeichnet werden, jedoch befindet er sich mit seinem Werk musikgeschichtlich in zwei verschiedenen Welten. 1845 geboren, wächst er in der  Zeit der sogenannten Romantik auf und erlebt die Wagner-Euphorie in Frankreich, während in seinem Todesjahr Schönberg bereits das tonale System revolutionierte hatte. Dieses Leben offenbart sich auch musikalisch in den Kompositionen Faurés.

Die beiden Lieder Opus 1, mit denen das Konzert begann, sind zwar eine sehr kontrastreiche Gegenüberstellung zweier musikalischer Miniaturen, lassen jedoch kaum den kompositorischen Stil des späteren Fauré erkennen. Gleichwohl schienen sie programmatisch für den Verlauf des weiteren Abends zu stehen.

So begannen Antonius Adamske am Flügel und die Sopranistin Charlotte Diekmann mit dem kurzen und schnell voranschreitendem Lied Le papillon et la fleur, worauf die Romanze Mai folgte, welche sehr getragen und die langen Töne auskostend vorgetragen wurde. Damit gelang ein sehr bewegter Beginn des Konzertes, der das Thema des Abends sowie die akustischen Möglichkeiten im Raum der Klosterkirche in Nikolausberg vorgestellt hat.

Dass diese nicht nur von Vorteil waren, sondern auch Schwierigkeiten bargen, wurde beim nächsten Stück, der Sicilienne Op. 78 für Cello und Klavier deutlich. Bei diesem eher bekannteren Werk Faurés nimmt das Cello die Rolle des Soloinstrumentes ein, während der Klavier-Part mit langen, ausgedehnten Läufen und prägnanter Rhythmik die Rolle des Begleitinstrumentes inne hat. Jedoch konnte sich  die Cellistin Eva Lauber-Strohmann vor allem im letzten Teil des Stückes nicht so deutlich der Klavierbegleitung gegenüber durchsetzen, sodass einige Passagen dieser Solo-Stimme des italienischen Tanzes im hinteren Bereich des Kirchraumes untergingen. Die stark rhythmische Untermalung des Klaviers wurde hingegen sehr treffend von Antonius Adamske herausgearbeitet und sobald das Cello schwungvoller zu hören war, konnte sich der anmutige Klang eines schon wesentlich älteren und tonal weiterentwickelten Faurés entfalten.

Im weiteren Verlauf des Konzertes waren noch mehrere Lieder aus der frühen und mittleren Schaffensphase Faurés zu hören, wobei Charlotte Diekmann besonders mit den tiefen Registern ihres Soprans den Raum der Klosterkirche mit einem schönen wie auch kräftigen Klang erfüllte, der mit der Klavierbegleitung wunderbar verschmolz und dessen Verstummen oft in das von draußen hereindringende Gezwitscher der Vögel überging. Einer der Höhepunkte des Abends war das schon erwähnte Lied Clair de lune, mit einem Text von Paul Verlaine. Die Klavierbegleitung beginnt mit einem tänzerisch gespielten Menuett, worauf die im krassen Gegensatz dazu stehende Gesangsstimme einsetzt. Beide scheinen in einem doppeldeutigen Gegensatz: Auf der einen Seite das tänzerisch-melancholische Spiel des Klaviers, darüber die außerordentlich schwelgersiche Melodie der Gesangsstimme, die überhaupt erst von dem bewegten Tanz des Klaviers geweckt worden zu sein scheint. Beide Parts wurden von Charlotte Diekmann und Antonius Adamske sehr sphärisch, den Gesamtklang und die Weite des Kirchenschiffs vor Augen, interpretiert, sodass es ein großer Genuss war, zuzuhören und der Text Verlaines noch größere Wirkmacht entfalten konnte: „Deine Seele ist eine auserwählte Landschaft, bezaubernd von Maskentänzern und Maskentänzen – Laute spielend und tanzend und fast traurig zwischen ihren fantastischen Verkleidungen.“

Damit endete ein andächtiges Konzert an einem grauen Sonntag, welches genau diese Gefühle als Impressionen widerspiegelte.

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