Willkommen im Kulturbüro Göttingen

Lieber Gast,
herzlich willkommen auf den Seiten des Kulturbüro Göttingen. Sie finden hier ein großes Angebot an Terminen, Spielplänen, Tipps und Rezensionen.
Um dieses Angebot frei verfügbar anbieten zu können, sind wir auf Unterstützung angewiesen. Wir freuen uns, wenn Sie sich an der Finanzierung dieses Angebotes beteiligen würden. Lesen Sie mehr über die Möglichkeiten – von der Einmalzahlung bis zur Jahresmitgliedschaft.

Dienstag, 23 Januar 2018 14:12

Altes Rathaus

GSO-Serenade

Drei Streicher in perfektem Einklang

geschrieben von
Bartosz Zachłod, Igor Tulchynsky und Joanna Kielar-Zachłod im Alten Rathaus zu Göttingen Bartosz Zachłod, Igor Tulchynsky und Joanna Kielar-Zachłod im Alten Rathaus zu Göttingen © Photo: Schäfer

Rathausserenade mit Bartosz Zachłod, Joanna Kielar-Zachłod und Igor Tulchynsky

Nicht immer macht’s die Masse. Mit nur drei Streichern – einer Violine, einer Bratsche und einem Cello – lässt sich ein abwechslungsreicher, intensiver, bewegender Kammermusikabend gestalten, voll von musikalischem Reichtum, mit Emotionen, klaren Strukturen und dichter Atmosphäre. Dies war am Montag in der Rathausserenade des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) zu erleben. Den Anspruch, den das Motto des Abends „Drei Streicher im Einklang“ erhob, erfüllten die Musiker aufs Allerschönste: der Geiger Bartosz Zachłod (er gehört dem renommierten Apollon Musagète Quartett an), seine Ehefrau Joanna Kielar-Zachłod, Cellistin im GSO, und GSO-Bratscher Igor Tulchynsky.

Ihr Konzert eröffneten sie zu dritt mit Mozarts spätem Divertimento Es-Dur KV 563. Sie musizierten zauberhaft transparent und mit tiefer, gleichwohl stets klassisch gezügelter Empfindung, präsentierten geistreiche Dialoge und boten eine große Bandbreite des Ausdrucks von sanglich-edlem Ton, etwa im Adagio, bis hin zu fröhlich-tänzerischer Attitüde, wie sie beispielsweise in den Trios des zweiten Menuetts zu erleben war. Nirgends ließ in dem gut dreiviertelstündigen Werk die Spannung nach, ein purer Genuss vom Anfangs-Allegro bis zum finalen Rondo.

Die beiden weiteren Werke des Abends waren Duos. Bartosz Zachłod und Igor Tulchynsky präsentierten eine Rarität im Kammermusik-Repertoire, das 1818 entstandene Duo für Violine und Viola op. 13 von Louis Spohr. Das ist eine überraschend vollstimmige Musik, bei der die beiden Musiker sehr häufig Doppelgriffe zu spielen haben, um komplette Akkorde darzustellen, dabei fein austariert in der Gewichtung der Instrumente und mit einem frühromantisch gefühlvollen, immer edlen Gestus. Der virtuose Anspruch ist hoch – dass die Musik dennoch ganz selbstverständlich ihren Fluss bewahrte, zeigt die Könnerschaft der Interpreten. Warum sie im abschließenden Tempo di minuetto einzelne Passagen in unterschiedlichem Tempo spielten, wollte sich allerdings nicht ganz erschließen.

Zum Abschluss erklang das 1914 entstandene Duo für Violine und Violoncello op. 7 von Zoltán Kodály, ein wahres Kleinod der Literatur für diese Besetzung. Die Kombination von folkloristisch geprägten Themen mit einer ungemein raffinierten Klangfarben-Kunst, von rhapsodisch freiem Fantasieren und mitreißend zündenden Rhythmen ergibt geradezu ein Kaleidoskop von Klängen. Sie steigern sich bis hin zu einer Sattheit, die man angesichts der „sparsamen“ Besetzung kaum für möglich halten würde. Die Duopartner Bartosz Zachłod und Joanna Kielar-Zachłod waren perfekt aufeinander eingestimmt, sie musizierten wie aus einem Guss, temperamentvoll, virtuos, ausdrucksstark und spannungsreich.

Hervorzuheben ist, wie genau die Spieler ihre Spielweise an diesem Abend auf die stilistischen Unterschiede der Werke einstellten: Bei Mozart verwendeten sie das Vibrato sparsam, bei Spohr etwas häufiger, bei Kodály schließlich mit besonderer Intensität. Als das Publikum mit seinem begeisterten Beifall am Ende nachdrücklich eine Zugabe forderte, bekam es zum Dank das Thema (die „Aria“) aus Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen – nun stilgerecht ganz ohne Vibrato mit einer anrührenden Zartheit im Klang. Ein wunderbarer Abend.

Letzte Änderung am Montag, 12 Februar 2018 13:51

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.

Jetzt schon Tickets sichern

Kultursommer 2018

Kulturticket

Gandersheimer Domfestspiele

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok