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Dienstag, 12 Dezember 2017 07:57

Wunderbar berührende Hommage

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Sabine Wackernagel in der Alten Feuerwache mit „Goethes dicke Hälfte“ Sabine Wackernagel in der Alten Feuerwache mit „Goethes dicke Hälfte“ © Photo: Fibiger

Goethes dickere Hälfte - Sabine Wackernagel erzählt die Geschichte von Christiane Vulpius als leidenschaftlich berührendes Portrait

Es wurde viel gelästert und getratscht über diese Christiane Vulpius. Da hatte sich der hoch geschätzte und verehrte Johann Wolfgang von Goethe doch tatsächlich in eine Putzmacherin verliebt, die ihre Tage in einer Fabrik mit der Herstellung von Seidenblumen und Bouquets verbrachte. Weimars bessere Gesellschaft empörte sich ausgiebig über eine „toll gewordene Blutwurst“ an seiner Seite und spottete über das „runde Nichts“ und die „geistige Null“.

Den Schmähreden und Verletzungen trotzt Sabine Wackernagel in der Galerie Alte Feuerwache gleich zu Beginn ihrer Hommage an Goethes langejährige Lebensgefährtin. Da strahlt eine kämpferische Gestalt, die nun auf die gemeinsame Geschichte zurückblickt und ihre Liebe selbstbewusst und couragiert in Schutz nimmt. Sie könnte sich jetzt ausgiebig das Maul zerreißen, auch über die ach so zauberhafte Bettine von Arnim zerreißen, der Goethe nach ihrem verbalen Faux Pas Hausverbot erteilte oder über die gekränkte Frau von Stein, die sich hinter ihrer Eifersucht auf das Glück der kleinen Fabrikarbeiterin verschanzte.  Aber viel lieber erzählt sie von hunderten von Briefen, die sie an ihren liebsten, besten Schatz schrieb, auch wenn es mit ihrer Orthographie nicht zum Besten stand, und dass er sie als sein Erotikon und einen Hausschatz betrachtete. Zu Wort kommt dann auch die Frau, die dem Dichter des Faust den Haushalt organisierte und niemals eine Magd an Goethes Unterwäsche gelassen hätte. Sie bewirtete seine Gäste auch dann , wenn sie keinen Platz an der Tafelrunde einnehmen sollte, selbst wenn sie sich mit den Standesdünkeln und den Kränkungen nicht einfach so arrangieren mochte Dann spricht aus Sabine Wackernagel die Stimme einer verletzlichen und manchmal auch ängstlichen Christiane Vulpius, die sich  n Goethes dramatischen Heldinnen zu spiegeln glaubt. Wie Egmonts geliebtes Klärchen, das als verworfenes Geschöpf bejammert wird oder wie auch Fausts Gretchen, das nun schwanger und ohne Trauschein um sein Schicksal bangt. Doch bald hat die lebenspraktische Seite wieder Oberwasser, mit den Erzählungen einer Frau, die viele Jahre ihres Zusammenlebens mit Goethe alleine meisterste, die Erziehung des Sohnes, die Trauer über die vielen Fehlgeburten, den anhaltenden Spott über die Demoiselle, die sich nun alle Tage betrinke. Die lernte bald auch, ihre Einsamkeitsgefühle und ihre Vorwürfe in den Briefen an den fernen Geliebten zu unterdrücken. Der bekommt an diesem Abend zumindest  ein bisschen von den spöttischen Kommentaren seiner Zeitgenossen ab, die sich über biederen Geheimrat mokierten, der zum Pantoffelheld dieser Donna Vulpius geworden sei.

In die Erzählung der Schauspielerin fließen neben den Briefen auch die Tagebuchaufzeichnungen von Christiane Vulpius ein, die mit poetischen Momentaufnahmen verknüpft und mit Szenen aus Theaterstücken von Goethe, Schiller und ihren literarischen Zeitgenossen in Weimar. Goethes dicke Hälfte möchte eben auch über ihre Liebe schwärmen und die Momente von Glück genießen und immer wieder mutig und selbstbestimmt den Verhältnissen trotzen, die sie sehr wohl durchschaut, so wie ihren umschwärmten Gefährten, der sie nach 17 gemeinsamen Jahren endlich heiraten würde. Das „Blümlein im Schatten“ weiß natürlich, was sie an ihm hat und was nicht. Und so gönnt ihr Sabine Wackernagel auch ein Goethe-Zitat, das die Verhältnisse zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt mit einem leicht ironischen Augenzwinkern erdet. Goethes Wunsch nach einer Frau, die nicht alles zu genau nehme, doch aber ungleich am besten verstände, wie er sich selbst am besten befände.

Leidenschaftlich verteidigt diese Christiane Vulpius die Rolle der oft so nachsichtigen und verständnisvollen Gefährtin des Dichterfürsten und wehrt sich auch nicht gegen die traurigen Gedanken und Gefühle, für die ihr Schauspielerin mit Goethes Versen wieder poetisch zur Seite steht. „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide“, bekennt eine einsame Gestalt, die ihrer Liebe auch über ihren schmerzhaften Tod hinaus mutig und kämpferisch vertraut. Auch dafür hat ihr Sabine Wackernagel diese wunderbar berührende Hommage gewidmet.

Letzte Änderung am Dienstag, 12 Dezember 2017 08:01

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