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Freitag, 10 November 2017 23:09

Wir haben ja noch nie über Zahlen gesprochen

geschrieben von
Erich Sidler präsentiert die Zuschauerzahlen des Deutschen Theaters Erich Sidler präsentiert die Zuschauerzahlen des Deutschen Theaters © Bild: Wortmann

Das Deutsche Theater und sein Aufsichtsrat präsentiert aktuelle Zahlen – und eine Verlängerung des Vertrags mit dem Intendanten

„Sehr geehrter Herr Aufsichtsratsvorsitzender“ – Wenn ein Intendant den Oberbürgermeister derart begrüßt, muss es wohl um eine ernste Angelegenheit gehen. Und wenn es um Zahlen geht, dann tut es das natürlich auch.

„Wir haben ja noch nie über Zahlen gesprochen“, leitete DT-Intendant Erich Sidler die Präsentation der Zahlen seiner Ägide ein. Seit der Spielzeit 2014/15 leitet er die künstlerischen Geschicke des Deutschen Theaters Göttingen. Und erstmals gab es eine Übersicht über die Entwicklung der Zuschauerzahlen.

Die Zahlen sind beeindruckend: denn in nahezu allen Belangen konnte Sidler eine Steigerung nachweisen, sogar die Abonnementszahlen sind gestiegen. Lediglich bei der Nutzung des studentischen Kulturtickets gab es Einbußen. Steigerungen gab es in der Auslastung der Spielstätten und auch in der absoluten Zuschauerzahl – und die sind nicht alle auf die gestiegene Zahl an Vorstellungen zurückzuführen.

Diese gestiegene Zahl an Vorstellungen und auch an Produktionen war allerdings geplant und bewusst. Galt es doch, möglichst schnell nach Amtsantritt eine große Vielfalt an Produktionen zu erreichen. „Dabei haben wir ein wenig auf Verschleiß gearbeitet“, räumt Sidler ein. „Darauf haben wir jetzt aber reagiert“ – sprich: die Anzahl der Produktionen wird etwas heruntergefahren, um die Mitglieder des Ensembles nicht unter dauerhaften Stress zu setzen. „Obwohl ja Theater ständig eine Überforderung ist“, wie Sidler zwischendurch anmerkte.

Keinen Stress machen ihm offenbar auch die wirtschaftlichen Zahlen. Denn diese werden nur am Rande erwähnt. „Wir haben eine gute schwarze Null,“ sagt Sidler und lobt im gleichen Atemzug die Verwaltungsdirektorin Sandra Hinz.

Der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler nahm diesen Faden locker auf und betonte die Zufriedenheit des Aufsichtsrates, aber auch der politischen Gremien im Rat- und Kreishaus. Aus der erfolgreichen Arbeit leitete Köhler die Forderung ab, dass das Land Niedersachsen die kommunalen Theater und Orchester endlich besser fördern müsse. Bislang gibt es eine deutliche Bevorzugung der Staatstheater.

Und weil die Stadt Göttingen so zufrieden mit der Arbeit von Erich Sidler ist, habe er bereits im Sommer dem Aufsichtsrat empfohlen, den Vertrag mit dem Intendanten vorzeitig zu verlängern (das Kulturbüro berichtete am 8. August). Der Aufsichtsrat ist dieser Empfehlung einstimmig gefolgt, so dass der aktuell im Jahr 2019 auslaufende Vertrag bereits jetzt um weitere 5 Jahre verlängert wird.

Letzte Änderung am Freitag, 10 November 2017 23:13

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