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Freitag, 13 Oktober 2017 10:16

Sobald Marc-Uwe Kling vorliest, wird das Buch zum Erlebnis

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Marc-Uwe Kling greift in der Göttinger Stadthalle auch zur Gitarre Marc-Uwe Kling greift in der Göttinger Stadthalle auch zur Gitarre © Photo: Wortmann

Prolog zum 26. Göttinger Literaturherbst mit Marc-Uwe Kling in der restlos ausverkauften Stadthalle

„Ein Teil dieser Antwort würde die Bevölkerung verunsichern,“ so lautet die Antwort auf die Frage „Kommt das Känguru in dem Buch vor?“ auf der Internetseite von Marc-Uwe Kling.

Überhaupt nicht verunsichert war das Publikum in der restlos ausverkauften Göttinger Stadthalle zum Auftakt des Göttinger Literaturherbstes, als Kling „Pink“ zu Wort kommen ließ. „Pink“ ist ein QualityPad. Während sich in Qualityland eigentlich alles mit einem TouchKiss auf dem QualityPad regeln lässt, hat „Pink“ verdächtige Ähnlichkeit mit dem Känguru. Marc-Uwe Kling ließ „Pink“ auch gleich mit der wohlbekannten Stimme des kommunistischen Beuteltieres sprechen – der Saal tobte.

Der Erfolgsautor, der einmal als Poetryslammer begonnen hat, spielt mit den bekannten Versatzstücken aus der Känguru-Trilogie. Dass der Roman „QualityLand“ funktioniert, liegt sicher auch daran. Denn die eigentliche Handlung ist schnell erzählt: die Welt um den Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser funktioniert immer perfekter: die Maschinen werden immer menschlicher, die Menschen immer maschineller. Peter unterwandert das System subversiv, zum Beispiel indem er Maschinen rettet. So sammeln sich in seinem Keller defekte Maschinen, die er eigentlich hätte verschrotten sollen: Drohnen, die an Flugangst leiden, Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung oder die E-Poetin Kalliope 7.3 mit einer Schreibblockade. Und eben Pink.

Erzählt werden absurde Episoden aus einer Welt, die gar nicht so weit in der Zukunft liegen mag: Produkte, an die man nur denkt, werden durch Drohnen automatisch geliefert, selbstfahrende Autos plaudern mit den Fahrgästen, die Partnerwahl erfolgt selbstverständlich auch digital und automatisiert.
Eingeflochten sind an dem Leseabend und im Buch Werbeblöcke und Nachrichtenmeldungen. Diese Blöcke werden in der Stadthalle durch Djingels angekündigt – gespielt von Klings Bühnenpartner Boris – the Beast, der Ein-Mann-Show-Band. Für diese Einschübe während der Lesung wechselt Kling immer einmal das Buch – von der schwarzen Ausgabe in die weiße und umgekehrt. „Es gibt zwei Ausgaben vom Buch, die sich inhaltlich unterscheiden: Wenn Ihr zum Beispiel Katzenphotos liked, nehmt die helle Ausgabe“, beschreibt Kling die Unterschiede. In der schwarzen Ausgabe sind eher schwarzer Humor und pessimistische Bilder in diesen eingeschobenen Blöcken zu finden, die helle Ausgabe ist etwas optimistischer. Die Handlung des Romans ist aber dieselbe, und am Ende gibt es einen Link, um alle Unterschiede nachlesen zu können. Und natürlich gibt es noch mehr Personen und Handlungsstränge, als Kling an diesem Abend vorlesen kann. So zum Beispiel den Androiden „John of Us“, den sehr demokratischen, liberalen und aufgeschlossenen Präsidentschaftskandidaten.

Wie bei den Känguru-Chroniken gilt auch für „Qualityland“: das Buch ist gut, liest sich schnell, man ist amüsiert – auch wenn einem bisweilen das Lachen im Halse stecken bleibt. Sobald Marc-Uwe Kling vorliest, wird auch dieses Buch zum Erlebnis. Und dabei versteht es dieser selbsternannte Kleinkünstler, bei einer perfekt performten Bühnenshow stets authentisch zu bleiben. Dazu passt dann auch die Aktion, die Hälfte der Tournee-Einnahmen für Projekte zu spenden. „Wofür das Geld ausgegeben ist, dürft Ihr entscheiden. Schließlich war es bis vor kurzem noch Euer Geld!“ Entsprechend großes Gedränge gab es in der Pause an den Wahlurnen. Zur Auswahl standen unter anderem Projekte wie „Mein Grundeinkommen“, „Reporter ohne Grenzen“, „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus“, „Lobbycontrol“. Auch für solche Aktionen lieben die Fans Marc-Uwe Kling. Diese Fans sind für die Lesung in Göttingen zum Teil weit angereist. Und die Hardcore-Fans kamen auch gleich mit der passenden Schirmmütze in die Stadthalle.

Für den 26. Göttinger Literaturherbst war es eine Prolog-Veranstaltung – und die bestbesuchte Veranstaltung überhaupt in der Geschichte des Literaturherbstes. Nicht einmal Douglas Adams lockte 1994 derart viele Zuschauer an. So kann es gerne weitergehen, wenn von heute an bis zum 22. Oktober an zehn Tagen renommierte internationale und deutschsprachige Schriftstellerinnen und Schriftsteller in 70 Veranstaltungen die interessantesten Neuerscheinungen des Jahres vorstellen.

Letzte Änderung am Freitag, 13 Oktober 2017 10:20

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