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Freitag, 22 September 2017 09:46

Fahrradhelme gesucht

geschrieben von Deutsches Theater

Für die diesjährige Produktion zur Weihnachtszeit »Bei den wilden Kerlen« sucht das Deutsche Theater Göttingen gebrauchte Fahrradhelme

Das Deutsche Theater Göttingen sucht für das diesjährige Familienstück zur Weihnachtszeit »Bei den wilden Kerlen« gebrauchte Fahrradhelme für Erwachsene. Die Premiere wird bereits am 5. November sein. Die Maskenabteilung sucht für die Phantasieköpfe der wilden Kerle einen stabilen Unterbau, dafür werden die Helme benötigt.

Einzige Bedingung, die Helme sollten noch einen funktionstüchtigen Verschluss haben. Ansonsten müssen diese nicht mehr verkehrstauglich sein.

Wer einen Helm abgeben kann bzw. spenden möchte, melde sich unter Tel.: 0551.49 69-334 oder gibt diesen direkt am Theaterplatz 11, an der Pforte, Bühneneingang Wallseite ab.

 

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    „Singen!“ skandiert der Bühnenchor. Diese Tosca darf einfach nicht sterben. Singen soll sie auch unmittelbar nach der heimtückischen Ermordung ihres Geliebten. Jetzt endlich erheben die oft so teilnahmslos anmutenden Beobachter der Ereignisse ihre Stimme. Und das nicht etwa gegen eine gnadenlose Staatsmacht und ihre ebenso gnadenlosen Helfershelfer, sondern einzig für eine weitere Arie. Die Künstlerin gewährt ihnen noch eine tragische Melodie. Doch im Grunde gilt sie nur diesem einen letzten Ton, in dem ihr unendlicher Schmerz ungetröstet verhallt. So wie Giacomo Puccinis berühmte Oper hat auch das Schauspiel Tosca in der Inszenierung von Joachim Schloemer am Deutschen Theater dafür keine Worte mehr.

    In Victorien Sardous dramatischer Fassung einer Liebesgeschichte, die zum mörderischen Politdrama wird, ist die musikalische Tragödie weiterhin präsent. Schloemer hat seine Textfassung mit musikalischen Zitaten verwebt. In den Arrangements von Michael Frei (Gitarre) und seiner Band „Il Bacio di Tosca“ mit Hans Kaul (Keyboard, Ukulele) und Manfred von der Emde (Schlagzeug, Bass) bilden Puccinis Motive eine harmonisch und rhythmisch verfremdete Zeichensprache. Sie grundiert einzelne Szenen atmosphärisch und bestärkt sie so auch in ihrer Wirkung, wenn Gefühle malträtiert und in Zweifel gezogen werden und sich ein Herrschaftssystem von seiner bösartigen Seite zur Schau stellt.

    Diese Zurschaustellung einer Gesellschaft, in der jedem politischen Abweichler die Folter und der Galgen drohen, betont auch das Bühnenbild von Giulia Paolucci. Ein breites Gestell mit mehreren Etagen dominiert den Raum mit einer Tribüne im Hintergrund und einer Fläche dunkler Erde davor. Wo die Monarchie im Kampf gegen die Republikaner nur noch Dreck aufwirbelt und selbst die mutigsten Gemüter verschandelt, braucht es keine illustrativen Zeichen für Kirchenräume und Künstlerenklaven, den königlichen Palazzo und den Folterkeller auf der Engelsburg. Der Raum verweigert nicht nur jede Form der Privatheit, wenn Floria Tosca (Rebecca Klingenberg) mit dem Maler Mario Caravadossi (Volker Muthmann) wieder eines ihrer leidenschaftlichen Duelle ausfechten. Er macht auch die mörderisch intriganten Manöver des Polizeichefs Baron Sarpia (Gerd Zinck) und seines Schergen Spoletta (Florian Donath) zu einem öffentlichen Ereignis. Für alle Welt sichtbar pokert Chefinquisitor Caraffa (Gabriel von Berlepsch) um die kirchlichen Pfründe an der Seite von Königin Marie-Caroline (Dorothée Neff), die so gerne Köpfe rollen sieht und ihre Terrorkommandos zu genießen scheint. Und auch der flüchtige Republikaner Cesare Angelotti (Moritz Schulze) bekommt für sein Versteck keine Tarnung und beobachtet bereits die Verfolger, die seine Spur aufnehmen. Schloemers Inszenierung hebt so auch die Trennung zwischen Tätern, Opfern und Zuschauern auf. Es hat den Anschein, als ob jede der Bühnenfiguren diesem politischen Terrorsystem zuarbeitet, egal ob sie davon profitiert, die Verhältnisse ignoriert oder einfach den eigenen Status ungefährdet sieht. Dabei kommt nicht nur die Liebe vor den Fall, sondern auch jede Form von Vertrauen, selbst in den vertrauten Gefährten.

    Als gefeierte und hofierte Diva glaubt sich Rebekka Klingenbergs Floria Tosca unbezwingbar. Mit dem Portrait einer machtbewussten Frau, die sich zumindest politisch im sicheren Lager wähnt und emotional erst recht auf der Siegerseite, auch wenn sie eifersüchtig auftrumpft. Ungefährdet sieht sich auch Volker Muthmanns Mario Cavaradossi als erfolgreicher Maler, der seine Großzügigkeit genießt, wenn er der kirchlichen Obrigkeit ein Gemälde spendiert, mit seiner republikanischen Gesinnung kokettiert und dann auch mal Fluchthilfe leistet. Die politische Realität verkennen beide, die auf ihre Folterwerkzeuge vertraut und auf die Todesängste, die sie freisetzt, bis das Paar endgültig von seinem strahlenden Sockel stürzt und sich dabei endgültig verliert.

    Die Bildsprache ist ein ganz entscheidendes Element in dieser Inszenierung, die über die Worte hinaus in Gesten mitteilt, in der Sprache der Körper und der Gesichter dann Gedanken und Assoziationen bewegt. Wie hier eine korrupte Bande von Majestäten, Ordnungskräften, Glaubensverwaltern ihr intrigantes Stellungsspiel an ihren Schalthebeln der Macht betreiben, bis auch der letzte Rest von Vertrauen und Zuversicht getilgt ist. Und alle schauen einander dabei zu, Seite an Seite mit den Statisten, die hier den sprachlosen Volkschor bilden, wo ab und an auch mal jemand die Gewalt von ihrer schamlosesten Seite zu spüren bekommt und furchtsam erstarrt. So fällt auch Toscas Rache zweideutig aus und endet nicht mit der Ermordung Scarpias und dem vergeblichen Rettungsversuch des Geliebten.

    Sie ruht in diesem letzten Ton, mit dem sie dem System zumindest ihre Unsterblichkeit verweigert.

     

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