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Samstag, 09 September 2017 19:15

„Wieviel Geist braucht der Mensch?“

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Der kleine Projektchor unter der Leitung von Antonius Adamske beim Eröffnungskonzert der Nikolausberger Musiktage 2017 Der kleine Projektchor unter der Leitung von Antonius Adamske beim Eröffnungskonzert der Nikolausberger Musiktage 2017 © Photo: Wortmann

Eröffnungskonzert der dritten Nikolausberger Musiktage

„Wir haben uns ein Jahr vorbereitet auf diese dritten Nikolausberger Musiktage“, sagte Pastor Gerd Liebenehm zum Eröffnungskonzert. „Und dennoch passierten unerwartete Pannen, auf die wir geistesgegenwärtig reagiert haben“, fuhr er fort. (Gemeint waren zum Beispiel technische Schwierigkeiten beim Druck des Programmheftes.) Mit dieser Bemerkung nahm Liebenehm, Pastor und Mitglied im Vorbereitungsteam, das Motto der diesjährigen Festtage auf: „Inspiration – wie viel Geist braucht der Mensch?“

Antonius Adamske hatte bei der Programmzusammenstellung auf jeden Fall eine Inspiration. Er präsentierte in der ersten Programmhälfte Orgelwerke, in denen die einzelnen Register unterschiedlich gestimmt waren: Musik von Johann Jacob Froberger in mitteltöniger Stimmung und Musik von Johann Sebastian Bach in temperierter Stimmung. Gerade die Musik des frühbarocken Komponisten Froberger entfaltete Spannung pur: die Stimmung mit ihren reinen Terzen sorgt einerseits für einen besonderen, charakteristischen Glanz. Die von Froberger eingesetzen chromatischen Tonfolgen setzten diese Wirkung anderseits wieder außer Kraft, ja bewirkten nahezu das Gegenteil: die entstehenden Unreinheiten sorgten für einen eher expressiven Klang. Adamske kostete diese Wirkung wunderbar aus.

Bachs Choralbearbeitung „Komm Gott, Schöpfer, Heiliger Geist“ nahm das Motto der Musiktage gleich zur Begrüßung auf. Dazu erklangen von der Orgelempore zwei Chorstücke von Pierluigi Palestrina. Der Chor war von der Besetzung auf ein Minimum reduziert: ein Doppelquartett ließ die Sängerinnen und Sänger nahezu solistisch singen. Hier kommt es bei der Wiedergabe nicht nur auf die absolut sichere Beherrschung des Notentextes an, sondern auch auf einen sehr ausgefeilten Zusammenklang. Denn die Chormusik soll ja als Ensemble wirken und keine solistischen Einzelstimmen hervortreten lassen.

Bei Palestrinas Musik kommt noch die reine Stimmung dazu, in der die Choristen gesungen haben. Das war eine sehr empfindliche Gemengelage, wie schon bei den ersten Tönen zu hören war.

Das galt noch viel mehr für die Motetten von Johann Sebastian Bach, die im zweiten Teil des Konzertes aus dem Altarraum gesungen wurden. „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ und „Singet dem Herrn ein neues Lied“ sind zwei doppelchörige Motetten, alle Stimmen waren also nur einfach besetzt. An der Truhenorgel wurde der Chor von Christof Pannes unterstützt.

Antonius Adamske setzte in seinem Dirigat auf eine lebendige und differenzierte Interpretation. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, mit welch geringen, aber dafür sehr exakten Anweisungen ein Dirigent ein Musikstück „steuern“ kann.

Das zeigte sich auch am Ende bei Pendereckis „Veni creator Spiritus“. Hier kommen natürlich noch hohe Anforderungen an die Sängerinnen und Sänger dazu, die von Penderecki verwendeten Klänge und Harmonien sind hoch komplex und erschließen sich nicht von selbst.

Die acht Sängerinnen und Sänger kamen überwiegend aus dem Norddeutschen Figuralchor. Leider merkte man nicht immer, dass es sich um ein „eingespieltes Team“ handelt. Aber in dieser kleinen Besetzung kommt es eben noch viel mehr auf jede einzelne Stimme an. Intonationstrübungen, eine nicht passende Klangfarbe oder auch einfach kleinere Unsicherheiten treten erbarmungslos offen zu Tage. Davon war auch dieser Projektchor nicht verschont, der vielleicht einfach nur mehr Probenzeit benötigt hätte, um aus den Einzelstimmen einen homogenen Klangkörper zu formen.

Den Besuchern im gut gefüllten Mittelschiff der Klosterkirche in Nikolausberg hat dieses Eröffnungskonzert gut gefallen, der anhaltende Beifall unterstrichen dies. So gab es als Zugabe noch einmal den Schlusschoral aus der Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“. Eine gute Überleitung und Einstimmung auf die weiteren Konzerte der Nikolausberger Musiktage. Alle Termine dazu finden Sie hier online im Kulturbüro Göttingen.

Letzte Änderung am Samstag, 09 September 2017 19:19

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