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Freitag, 18 August 2017 13:27

Außergewöhnliche musikalische Klangwelten

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Yukyeong Ji im Göttinger Claviersalon Yukyeong Ji im Göttinger Claviersalon © Photo: Gooß

Die Südkoreanerin Yukyeong Ji war zu Gast im Clavier-Salon

Klaviermusik von absolutem Facettenreichtum und großem Format gab es am letzten Clavierabend im August im Claviersalon zu hören. Die internationale Preisträgerin Yukyeong Ji begeisterte ihr Publikum mit erlesenem Spiel und ebensolchem Programm.

Einen Einstieg ganz besonderer Art bot das Capriccio über die Abreise des sehr beliebten Bruders (BWV 992), ein mehrsätziges Werk in B-Dur aus den frühen Jahren des J.S. Bach, von dem die 29-jährige Südkoreanerin eine packende, spannende Interpretation lieferte. Von Beginn an hochkonzentriert, mit Leidenschaft und beseeltem Spiel, gelang es ihr, die Zuhörer aus dem Clavier-Salon hinaus an einen anderen Ort zu entführen: auf eine musikalische Bühne der Begebenheiten und Emotionen beim Abschied eines geliebten Menschen. Yukyeong Ji erzählte von diesem Szenario, indem sie den Charakter der sechs Sätze treffend zum Ausdruck brachte: den Versuch der Freunde, den Abreisenden aufzuhalten, das Ausmalen von Szenarien, die in der Fremde vorfallen könnten, die Akzeptanz und den Abschiedsschmerz, die Ankunft der Postkutsche und zuletzt eine Verarbeitung des Posthorn-Signals in der Abschieds-Fuge.

Auf diese trotz der teils heiteren Melodien schmerzliche Erfahrung des Abschiedes folgte mit Franz Liszts „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ nicht nur eine thematische Fortführung, sondern auch eine Hommage an J.S. Bach: für sein Präludium in f-Moll ließ sich Liszt vom Eingangschor der gleichnamigen Bach-Kantate inspirieren, die später auch als Crucifixus dessen berühmter h-Moll-Messe bekannt wurde. Mit Leichtigkeit und viel Gefühl gelang es der jungen Pianistin, die chromatische, tiefe Bassmelodie, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Stück zieht, mit der Vielzahl von Variationen in höheren Lagen zu kombinieren: ein außergewöhnlicher Facettenreichtum an Melodien und Klangfarben wurde den Zuhörern zuteil. Zarte und langsame Passagen der tiefen Trauer und Sehnsucht wurden von kraftvollen forte-Passagen abgelöst, die wie ein alles erbebender Donner aus Verzweiflung und Wut in diese Landschaft der Ruhe hereinbrachen.

Ein leidenschaftliches Feuer der Kraft und Rasanz entfachte die Südkoreanerin bei Liszts „Rhapsodie Espagnole“. Mit kraftvollem Spiel, atemberaubenden Läufen in allen Tonlagen und nahezu tanzenden Fingerbewegungen meisterte sie scheinbar mühelos die anspruchsvollen Rhythmen und fesselte Augen und Ohren. Das wiederkehrende Spiel mit Melodien in Höhen und Tiefen und die eindrucksvoll dargebotenen tänzerischen Elemente brachten den spanisch-folkloristischen Charakter des Werkes präzise zum Ausdruck.

Im zweiten Teil des Abends führte sie die Zuhörer in Klangwelten der französischeren Musik des 20. Jahrhunderts. Eingeläutet wurde er mit den besonderen Klängen des impressionistisch angehauchten Werkes Miroirs von Maurice Ravel, einem Zyklus aus fünf anspruchsvollen, virtuosen Klavierstücken. Nach dem sanften Charakter der Noctuelles (Nachtfalter) präsentierte die Künstlerin mit viel Gefühl die melancholischen Melodien der Oiseaux tristes (Traurige Vögel), den vollen, dichten Klang der Barke auf dem Ozean, wechselte anschließend gekonnt zwischen den hellen und düsteren Partien des Morgenliedes des Narren (Alborada del gracioso) und mündete in einer grandiosen Darbietung der Glockenklänge (La vallée des cloches) durch tiefe und laute Oktaven sowie hohe, leise, leichte Klänge.

Mit „Par lui tout a été fait“ aus Olivier Messiaens Zyklus „Vingt regards sur l’Enfant-Jésus“ versetzte die junge Künstlerin ihr Publikum abermals in Faszination. Fast in die Tasten schlagend und mit unerschöpflichem Elan erfüllte sie den Raum mit der Kraft und Gewaltigkeit, die Fundament des Stückes sind, und präsentierte das Gottesthema leidenschaftlich und voller Inbrunst. Diese Ode an Gott und die Schöpfung sorgte für einen außergewöhnlichen Abschluss und verlieh dem Abend eine ganz besondere Kraft.

Letzte Änderung am Freitag, 18 August 2017 13:32

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