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Sonntag, 06 August 2017 08:52

„In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers

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„In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers © Photo: Fibiger

Ein fotografischer Streifzug durch das 20. Jahrhundert

Zunächst verwirrt die Fülle der Aufnahmen. Aber das gehört dazu bei diesem „fotografischen Streifzug durch das 20. Jahrhundert“ in der Galerie Ahlers. Jedes der 71 Motive behauptet schließlich seine eigene Geschichte und seinen originären Blickwinkel auf ein Thema, einen Anlass oder eine Situation. Die Inszenierung einer Romy Schneider ebenso wie der Blick auf die Industriekulisse, den Massenaufmarsch in Havanna und die scheinbar menschenleere Landschaft mit dem explodierenden Wolkenpanorama. Der Streifzug, den der Untertitel für die Fotografien aus der Sammlung „artbeau4“ deutet eben auch auf die Möglichkeit, erst einmal durch die Galerieräume zu flanieren und zunächst vielleicht nur gelegentlich innezuhalten.

Ob und wann eine der Aufnahmen ihre Wirkung entfaltet, bleibt manchmal auch ein bisschen diesem schönen Zufall überlassen, der in der Distanz umso mehr überrascht. So wie bei Klaus Frahms Aufnahme „Kleine Fluchten – Spielende Kinder“ ,die 1983 in St. Pauli entstand. Bei den flüchtigen Silhouetten der Kinder, die auf ein Gebäude zuhalten, mag man optisch einfach weiterblättern, weil die benachbarte Fotografie von Karin Szekessy mit dem kunstvoll gespiegelten Portrait von Meret Oppenheim vielleicht ansprechender komponiert wirkt Hat man jedoch die gesamte Wand mit den Aufnahmen im Blick, entwickelt die Szene aus dem Hamburger Kiez ein faszinierendes Eigenleben. Es hat den Anschein, als ob der lichte Innenhof, auf den die Kinder zuhalten, meinen strahlend hellen Freiraum darstellt und der helle Ausriss der Fassade ein Segel bildet, der die Betonfläche zu einem bewegenden Territorium werden lässt.
Diese Wechselwirkung zwischen Nähe und Distanz stellt sich auch angesichts der wechselnden fotografischen Stil- und Formsprachen ein und wie sie das 20. Jahrhundert als Zeitalter der Fotografie prägten. Die älteste Aufnahme in dieser Sammlung stammt von dem Pariser Fotografen Eugène Atget, der mit seiner damals sehr gewichtigen Ausrüstung durch die Vorstädte flanierte und an scheinbar unscheinbaren Orten innehielt, die er in faszinierende Schauplätze verwandelte. So auch die Kulisse eines schlichten Torbogens mit dem benachbarten vergitterten Fenster, die zugleich alltäglich und besonders wirkt.
Gerade die frühen Aufnahmen bis in die 1920er und 30er Jahre korrespondieren immer wieder mit der Malerei und erinnern dann an Tuschezeichnungen und Skizzen, wie etwa Bill Brandts Komposition „Early Morning on the River“ oder auch André Kertész Aufnahme „Chez Mondrian“, wo die Stilelemente des Malers Piet Mondrian mit den Licht- und Schatteneffekten seines Interieurs verwebt werden. Da fasziniert die malerische Patina, mit der Edward Westons Frauenakt „Charis, Santa Monica“ seine verführerische Wirkung entfaltet.

Auch filmische Motive verbinden sich dem Streifzug durch die Fotografie des 20. Jahrhunderts. Mit den kunstvollen Inszenierungen von Hollywoodikonen und Popstars aber auch mit einer Reihe von atmosphärischen Studien. Als tragisches Schauspiel erzählt Nicolas Tikhomiroff in seinen Aufnahmen die Geschichte von Edit Piafs letztem Auftritt im Pariser Olympia, wenn er sie erschöpfend müden Alltag enthüllt und im Bühnenlicht wieder sanft verschleiert.

Prominente Zeitchronisten wie Andreas Feininger, Alfred Eisenstaedt, Henri Cartier-Bresson, Robert Lebeck und Sebastiao Salgado prägen diesen fotografischen Streifzug ebenfalls und das keineswegs nur als Bildreporter, die Ereignisse für die Nachrichtenwelt dokumentieren. In vielen Motiven erscheinen sie wie Alltagsflaneure, die im Alltäglichen den besonderen Moment entdecken Das mögen die Paare im Park sein und wie sie einander so sehr herbei gesehnt haben oder auch die Familie in einem Beduinendorf bei Aleppo, das in seiner Zeitwelt geborgen scheint. Viele Motive faszinieren in der Art und Weise, wie sie Menschen, Landschaften und Naturstimmungen berührbar werden lassen und trotzdem geschützt. Der voyeuristische oder gar zudringliche Blick prallt an den indischen Arbeitern an einer Tempelanlage genauso ab wie an ihren brasilianischen Kollegen, der sich an der Ausbeutung von Bodenschätzen endlos aussichtslos erschöpfen.

Auf klassische „Scoops“ muss der Ausstellungsbesucher dabei keineswegs verzichten. Weder auf einen entspannten Ernest Hemingway beim Stierkampf, noch auf einen skeptisch blickenden jungen Elvis Presley in seiner Garderobe oder auf das Sonnyboy Lächeln eines Robert Kennedy beim Bad in der Menge. Auch George Harrison, Miles Davies und Konrad Adenauer listet die fotografische Jahrhundertsammlung in dieser Prominentenliga auf. Je nach Neugier und Interesse ist dann ein weiterer Streifzug fällig, weil nun die weniger spektakulären Bildschauplätze ohne Nachrichtenwert ihre erzählerische Kraft entwickeln können. Die Szene mit der stillenden Mutter, die den Fotografen Horace Bristol an eine Romanfigur von John Steinbeck erinnerte, oder der New Yorker Straßenzug, der an ein pittoreskes Bühnenbild denken lässt. Auch hier lässt sich wie an vielen fotografischen Stationen des 20. Jahrhunderts gern länger verweilen.

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