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Donnerstag, 14 April 2016 23:21

Vorfreude ist eine der schönsten Freuden

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Mathew Brook, Laurence Cummings und Stefanie True musizieren bei Bremer in der Weinstube Mathew Brook, Laurence Cummings und Stefanie True musizieren bei Bremer in der Weinstube © Photo: Wortmann

Eine Sternstunde beim Händel-Talk

Sie ist wieder in der Stadt – die Händel-Familie. Ein Jahr (und länger) planen Tobias Wolff und sein Team die Händel-Festspiele. Je näher die nächsten Festspiele heranrücken, desto größer wird die Nervosität, die Arbeitsbelastung und auch die Vorfreude. Es sind immer Meilensteine vor den Festspielen: das Programm wird fertig und veröffentlich, der Vorverkauf beginnt – das große Kribbeln beginnt aber vor allem dann, wenn die Proben zur Opernproduktion anlaufen. Dann sind die Künstlerinnen und Künstler in der Stadt. Zudem werden die Planungen und Ideen nun sicht- und hörbar.

Das wurden sie auch beim zweiten Händel-Talk in der Oberen Karspüle in der Weinhandlung Bremer. Tobias Wolff hat den künstlerischen Leiter Laurence Cummings, die Regisseurin der Oper Sigrid T’Hooft, die Sopranistin Stefanie True und den Bass-Bariton Matthew Brook zum Gespräch gebeten. Alle anderen waren aber auch da. Direkt von der Probe kamen nach und nach die anderen Mitglieder des Produktionsteams und der Künstler.

Beinahe spannender als die Fülle von Informationen, die Wolff seinen Gästen entlockt hatte, war die Atmosphäre des Abends.  Bei diesem Familientreffen der ganz eigenen Art wurde sehr deutlich, was Laurence Cummings formuliert hat: „Die Zeit der Händel-Festspiele in Göttingen ist für mich die intensivste Zeit im ganzen Jahr.“ Der familiäre Umgang und Tonfall untereinander, mit der Musik, mit der Arbeit an der Oper und nicht zuletzt auch mit der Stadt Göttingen und dem Publikum am Abend – das alles lässt die Vorfreude auf die Festspiele wachsen.

Matthew Brook ist zum ersten Mal bei den Händel-Festspielen in Göttingen zu Gast. Er eröffnete den Abend mit einer Arie des Argenio aus der Oper Imeneo. Stimmgewaltig sowie mimik- und gestenreich begrüßte der sympathische Sänger das Publikum im ausverkauften Saal. Er gab damit gleich das Stichwort für die Gespräche mit der Regisseurin, die eine Spezialistin für historische Gestik ist. Immer wieder tauchte dieses Stichwort auf. Am Ende wünschte sich Tobias Wolff eine Geste für das Publikum, als Erinnerung an diesen denkwürdigen Abend. Den Gefallen wollte Sigrid T’Hooft ihm aber nicht tun. „Es gibt kein ABC der Gesten“, erläuterte sie. Das war nach den Erläuterungen eigentlich schon klar geworden, denn T’Hooft nähert sich dem Werk mit den Sängerinnen und Sängern vor allem über den Text. Und daraus ergeben sich die Bewegungen und Gesten. „Ziel ist es, dieselbe Sprache wie die Musik zu sprechen. Ich möchte, dass die Interpretation alle Zuschauer anrührt.“

Dass diese Interpretation der Oper „Imoneo“ etwas Besonderes ist, bestätigte Cummings. Er hatte vor gar nicht langer Zeit dieselbe Oper in London auf die Bühne gebracht. „Schon die Fassung der Oper ist eine andere“, verriet Cummings. Aus den diversen Fassungen, die Händel für diverse Anlässe arrangiert hat, wurde die nun produzierte gebildet. „Wenn eine Szene oder ein Text dramaturgisch unsinnig erschien, habe ich in anderen Fassungen nachgesehen und dann die beste Fassung ausgewählt,“ verriet Sigrid T’Hooft und bewies so ihre Flexibilität. „Wenn alle flexibel sind, dann atmet die Sache“, so die Regiesseurin. Außerdem erläuterte sie, warum diese Oper eigentlich eine „Operetta“ ist: sie ist viel kürzer als die anderen Händel-Opern, es gibt nur ein Bühnenbild, die ganze Handlung ist wesentlich fokussierter. Der Grund? „Das Londoner Publikum war nach den vielen italienischen Opern müde, lange italienische Opern zu hören. „Im Grunde passiert in dieser Oper nichts. Die Handlung ist bereits vorbei, bevor die Oper anfängt“.

Dafür waren die anwesenden Akteure aber ziemlich agil. Neben einer Arie „ihrer“ Clomiri mit Stefanie True und der bewegenden Geschichte der Auster (Col Porter) mit Mathew Brooks sangen die beiden (begleitet von Laurence Cummings am Klavier) das Duett von Ivor Novello „We’ll gather Lilacs“.

Solche Momente und solche Abende sind die Sternstunden der Festspiele. So haben es auch die Besucher in der Weinstube empfunden. Vorfreude ist tatsächlich eine der schönsten Freuden.

Bald geht es los: als „Vorspiel“ ist bereits am Sonntag, dem 17. April „The Eloquent Oboe“ mit Andreas Helm im Welfenschloss Hann.Münden zu hören. Und am Morgen dieses Sonntags ist der "Sing Along Gottesdienst" in der St. Paulus-Kirche. Am Vorabend der Festspieleröffnung findet „Händel im Pub“ statt (Beginn 21 Uhr im Irish Pub) und am 5. Mai werden die Festspiele festlich mit dem Oratorium „Susanna“ (Beginn um 19 Uhr in der Stadthalle) eröffnet.

Die Oper „Imeneo“ von Georg Friedrich Händel feiert am Freitag, den 6. Mai um 18 Uhr im Deutschen Theater ihre Premiere.

Das komplette Programm finden Sie unter www.haendel-festspiele.de  und natürlich auch hier online im Kulturbüro Göttingen.

Letzte Änderung am Freitag, 15 April 2016 06:45

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