Mit einem facettenreichen Herbstprogramm lädt das Literarische Zentrum Göttingen in der zweiten Jahreshälfte 2025 zu intensiven Begegnungen mit Literatur, Politik, Zeitgeist und Fantasie. Zwischen August und Dezember ist der Spielplan zum 25jährigen Jubiläum des Zentrums so vielfältig wie nie – mit literarischen Sternstunden unter freiem Himmel, tiefschürfenden Debatten, biografischen Erkundungen und klugem Jugendprogramm.
Den Auftakt macht Barbara Zeman am 27. August mit einer atmosphärischen Kopfhörerlesung auf dem Nikolaikirchhof. In Beteigeuze schickt sie ihre Protagonistin auf eine schwebende Reise zwischen Sehnsucht und Erinnerungslandschaften. Politisch eindringlich geht es am 2. September weiter: Abdalrahman Alqalaq liest aus Übergangsritus, einem poetischen Protokoll über Flucht und das Leben im Dazwischen.
Einer der Höhepunkte ist der Abend mit Édouard Louis (Der Absturz) am 21. September. In der Rathaushalle geht es um Familienkonflikte, Sucht und das Scheitern am eigenen Anspruch – moderiert von Laure Dréano-Mayer, mit DT-Schauspieler Daniel Mühe als Sprecher.
Am 2. Oktober analysiert Historiker Volker Weiß mit Das Deutsche Demokratische Reich die Narrative der Neuen Rechten. Und am 8. Oktober folgt der prominenteste Termin des Programms: Angela Merkel spricht in der Sheddachhalle über Freiheit, ihr Leben und politisches Vermächtnis – in Kooperation mit dem Literaturherbst.
Mit Am Meer der ukrainischen Autorin Lesja Ukrajinka rücken am 4. November feministische Stimmen in den Fokus. Zeitgleich bringt der Linde-Preis am 15. November europäische Verständigung auf die Bühne: Daniel Kehlmann und Jacek Dehnel werden gemeinsam geehrt.
Dass Literatur auch Klima retten will, zeigt der Abend Mit Pflanzen die Welt retten (17. November). Und Feridun Zaimoglu nimmt uns am 24. November mit auf einen autobiografischen Roadtrip in die Türkei (Sohn ohne Vater). Der Debütant:innenball am 27. November setzt auf junge Stimmen, während Leif Randt am 2. Dezember mit Let’s Talk About Feelings über Identität, Mode und Midlife spricht.
Julian Heißler analysiert am 8. Dezember in Amerikas Oligarchen den Einfluss der Superreichen auf die US-Demokratie. Den Ausklang macht am 17. Dezember Meike Rötzer mit einer furiosen 100-Minuten-Version von Jane Austens Stolz & Vorurteil – eine Hommage an die große Gesellschaftsanalytikerin.
Auch das Junge Programm bietet literarische Abenteuer: Mit Jim Salabim (10.8.) startet es zauberhaft. Es folgen ein Tauchgang mit dem kleinen Drachen Kokosnuss (13.9.), Gute-Nachrichten-Storytelling (13.10.), ein Illustrationsworkshop mit Sonja Stangl (14.10.) sowie eine kulinarische Lesung (Schmeckt!, 16.11.). Für Erwachsene bietet die Fortbildung Gedankenflieger (5.12.) Einblicke ins philosophierende Kinderdenken. Und zum Jahresabschluss wird’s weihnachtlich mit Grimm und Möhrchen (7.12.).
Das Literarische Zentrum Göttingen zeigt auch 2025, wie Literatur zum Resonanzraum für unsere Gegenwart wird – persönlich, politisch, poetisch. Ein Programm, das bewegt, nachhallt und begeistert – für Groß und Klein.