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Theatermagazin Szenenwechsel

Ein Erbe, das niemand loswird

Michael Letmathe über die Uraufführung von Lars Werners »Gewalt erben« am Deutschen Theater Göttingen

Michael Letmathe | © Photo: Fibiger

Neue Ausgabe des Theatermagazins Szenenwechsel: Tina Fibiger spricht mit DT-Chefdramaturg und Regisseur Michael Letmathe über die Uraufführung von »Gewalt erben«. Das neue Stück von Lars Werner erzählt von einer Familie, die sich wegen eines rätselhaften Erbes in einer abgelegenen Berghütte wiederbegegnet – und dabei mit den Schatten ihrer eigenen Geschichte konfrontiert wird.

Eine Familie trifft sich in einer abgelegenen Berghütte, um Abschied von der verstorbenen Großmutter zu nehmen. Doch der letzte Brief der Verstorbenen enthält mehr als nur Erinnerungen: Ein historischer Gegenstand – ein Degen mit dunkler Vergangenheit – soll vererbt werden. Allerdings nicht gemeinsam, sondern im Wettbewerb. Wer ihn erhält, soll begründen, warum gerade er oder sie dieses Erbe verdient. Aus dem Treffen wird ein psychologisches Kammerspiel, in dem alte Konflikte, verschwiegenes Wissen und lange weitergegebene Traumata aufbrechen.

In der neuen Szenenwechsel-Ausgabe spricht Tina Fibiger mit dem Regisseur der Uraufführung, Michael Letmathe, über dieses Szenario. Im Gespräch geht es um Familienstrukturen, die Last unausgesprochener Vergangenheit und um die Frage, wie Gewalt über Generationen hinweg weiterwirken kann. Das Stück verfolgt dabei bewusst keinen psychologischen Erklärungsansatz, sondern zeigt eine Familie, die mit Andeutungen, Rivalitäten und gegenseitigen Zuschreibungen ringt – während das Publikum als Beobachterin oder Beobachter in diese fragile Dynamik hineingezogen wird.

Michael Letmathe, Jahrgang 1984, arbeitet als Regisseur und Dramaturg an verschiedenen deutschsprachigen Bühnen und ist Chefdramaturg am Deutschen Theater Göttingen. Nach Studien der Germanistik, Romanistik und Geschichte begann er seine Theaterlaufbahn in Essen und arbeitete später unter anderem in Aalen, Nürnberg und Karlsruhe, bevor er eigene Regiearbeiten entwickelte. 

Autor Lars Werner gehört zu den markanten Stimmen der jüngeren deutschsprachigen Dramatik. Seine Stücke beschäftigen sich häufig mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen, politischer Radikalisierung und den langfristigen Folgen historischer Konflikte. 

»Gewalt erben« führt diese Themen in ein dichtes Familiendrama: Während die Figuren um ein vermeintlich wertvolles Erbe konkurrieren, geraten sie zugleich in einen Strudel aus Schuld, Schweigen und Rivalität. Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich dabei immer stärker – bis sich die Frage stellt, ob die Geschichte einer Familie überhaupt hinter sich gelassen werden kann.

Die Uraufführung von »Gewalt erben« findet am 14. März 2026 um 19:45 Uhr im Deutschen Theater Göttingen (dt.1) statt. Weitere Vorstellungen folgen unter anderem am 21., 27. und 31. März sowie am 15. und 29. April 2026. 

Im Anschluss an diesen Text finden Sie das vollständige Gespräch aus dem Podcast Szenenwechsel sowie eine kurze Kostprobe aus der Inszenierung.

Hören sie das Gespräch:

Hören Sie eine Kostprobe aus der Produktion:

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