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Zwischen Glitzer und Grauen
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- »Cabaret« als grell-berührendes Zeitstück voller aktueller Warnsignale
- erschienen am 25. Juli 2025
So eine charmante Begrüßung mit einem strahlenden Lächeln und einem Hauch von Glamour hat verführerische Wirkung. „Willkommen, Bienvenue, Welcome“. Von Moderator Hagen-Goar Bornmann und dem Titelsong aus dem Musical »Cabaret« lässt sich das Publikum in der Inszenierung von Achim Lenz gern umschwärmen. Auch von der Aussicht auf einen beschwingenden Abend im Kit Kat Club: „Hier bei uns ist das Leben wunderschön“. Noch leuchtet der Schriftzug „Cabaret am Portal der Stiftskirche in leuchtendem Rot, als ob sich der politische Alltag wegblenden ließe, der schon bald die Bühnenatmosphäre durchdringt.
Die goldenen 20er Jahre liegen in den letzten Zügen und werden in dieser Silvesternacht noch einmal leidenschaftlich belebt und gefeiert, bevor sich die Kit-Kat-Girls zum Nazi-Ballett aufrüsten und die Musik verstummt. In den letzten Zügen liegt auch der Berliner Club, wo die Girls ihre Gäste in mädchenhaftem Rüschenoutfit oder im markantem Lederdress auf eine verführerische Nacht einstimmen und auf die Show von Sally Bowles (Marlene Jubelius), die Konventionen und lustfeindlichen Biedersinn mit all den sexuellen Zwängen und Verbindlichkeiten so gerne aufmischen möchte. Sie plädiert für ein freizügigen Leben und auch in ihren heimlichen Karriereträumen fasziniert sie den bislang erfolglosen Schriftsteller Cliff Bradshaw (Johannes Krimmel), der in Berlin endlich auf die entscheidende Inspiration für seinen Roman treffen will.
In der Musicalfassung des Bühnenstückes »Ich bin eine Kamera« nach Motiven einer Erzählung von Christopher Isherwood steht die Geschichte des Liebespaares im Zentrum der Handlung. Dass ihr Zusammenleben wenig Glamour zu bieten hat und statt großer Gefühle vor allem Geldnöte und alltägliche Überlebenskämpfe. Doch es gibt auch eine Liebesgeschichte, die unberührt von Slogan „Life is a Cabaret“ von einer schüchternen Form der Zuneigung und Wertschätzung erzählt, die von den politischen Verhältnissen drangsaliert und zerstört wird. Die Zimmerwirtin Fräulein Schneider (Tabea Scholz) und der jüdische Obsthändler Herr Schulz (Kevin Dickmann) sind den Drohungen des NS-Wortführers Ernst Ludwig (Tim Müller) nicht gewachsen, auch nicht dem antisemitischen Mob und seinen Brutalitäten. Die Verlobung wird zum letzten gemeinsamen Abend, in der jeder noch einen versöhnlichen Platz bekommt, um mit einem Tanz das Leben zu feiern; Cliff und Sally, die zwischen Partynächten und gelegentlichen Schmuggeljobs mit den Zukunftsaussichten auf Erfolg und Karriere hadern und auch die Wohnungsnachbarin Fräulein Kost (Nadine Kühn) mit ihrem Aufgebot an Freiern.
Gerade noch schwärmte die lebenserprobte Wirtin ganz beseelt von der Ananas, die ihr der liebenswerte Nachbar mit einer scheuen Geste widmete. Wenig später wird sie mit einem „Wir müssen vernünftig sein“ nicht nur ein weiteres Obstgeschenk ablehnen, sondern auch die beschwichtigenden Worte, „Regierungen kommen, Regierrungen gehen“, während die Judensternträger zusammengeschlagen werden. Sally wird sich nicht nur von ihrem kostbaren Pelzmantel trennen, um eine Abtreibung zu bezahlen, sondern wieder auf Clubbesitzer Max (Frank Bahrenberg) setzen und ihrem Cliff die gepackten Koffer für seine Flucht überlassen, um sich den Zeichen der Zeit endgültig zu verweigern.
Diese Zeichen der Zeit hatte Hagen-Goar Bornmann zwischen den liebevollen und den konfliktbeladenen Begegnungen immer wieder anklingen lassen. Als Conférencier in feister Lederhosenmontur auf der Portalbühne, als Elendsgestalt, die beim Publikum um ein Almosen bettelt und auch als Nazimarionette, wie sie sich in Ernst Ludwig spiegelt. Die Cabaret-Bühne verdüstert er unheilvoll und zum Fürchten mit dem Song „Der morgige Tag ist mein“ und den schaurigen Vaterlandsbeschwörungen, die von Ferdinand von Seebach und seiner Band mit dumpfen Trommeltakt- und Aufmarschassoziationen kommentiert werden.
Das Kit-Kat-Team mit Theresa Löhle, Vera Lorenz, Lisa Radl, Felicia Aimée und Julio Yanes, das in den Choreografien von Dominik Müller auch mit artistischem Vergnügen unterhaltsam bezauberte, demonstriert den Aufmarsch von Stiefelknechten mit Hakenkreuzbinden, während ein riesiges Hakenkreuz den Blick auf die Musiker vorübergehend versperrt. Sie werden Marlene Jubelius und ihre Sally Bowles auch wieder musikalisch bestärken, bis der Song „Cabaret“ leidenschaftlich unbezwingbar strahlt, der sich den Realitäten verweigert. Denen widmet sich Achim Lenz mit seinem Team an diesem Abend leidenschaftlich couragiert und engagiert; mit all den akut aktuellen politischen Zeitzeichen, die das Musical »Cabaret« so unmissverständlich demonstriert.
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»Walk the Line« bis tief in die schmerzhaften Abgründe
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- Die große Johnny Cash-Show wird stürmisch gefeiert.
- erschienen am 24. Juli 2025
Der Mann in Schwarz begrüßt sein Publikum im edlen Outfit und weißem Rüschenhemd. Auch die Gitarre in glänzendem Schwarz lässt keine Gebrauchspuren oder Kratzer ahnen. Es ist schließlich Showtime, auch wenn Roman Roth seinen Johnny Cash mit dem Song „Ain’t no grave“ von seinem fast endgültigen schmerzhaften Absturz erzählen lässt, von seiner Glaubenskrise und dem Licht am Ende des Tunnels. Weiter zurück führt der Abstecher des GI Johnny Cash nach Landsberg, bis die Aufnahme eines Farmhauses am Kirchportal abgerollt wird. Jetzt ist wirklich Showtime angesagt in Jakob Arnolds musikalischer Inszenierung »Walk the Line«, die vom Publikum stürmisch gefeiert wird.
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- Altes Rathaus
Rambo Zambo im Alten Rathaus
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- Jess Jochimsen »Meine Gedanken möchte ich manchmal nicht haben«
- erschienen am 21. Juli 2025
Was haben Orgien mit der Coronakrise zu tun? Mit solchen tiefgründigen Fragen beschäftigte sich der Freiburger Kabarettist und Autor Jess Jochimsen im alten Rathaus. Sein kabarettistischer Gedankenaustausch »Meine Gedanken möchte ich manchmal nicht haben« fand im Rahmen des Göttinger Kultursommers am 19. Juli statt.
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- St. Jacobi
Zwischen Lehrer und Schüler – der Landesjugendchor begeistert mit Bach-Programm
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- Konzert unter der Leitung von Jörg Straube
- erschienen am 19. Juli 2025
Freitag, der 18. Juli: Es ist mitten in den Sommerferien und noch dazu der erste sonnige Abend seit Tagen – und doch ist die St. Jacobi Kirche bis in die letzten Reihen gefüllt. Der Anlass: ein Konzert des Landesjugendchors Niedersachsen (LJC), der unter der künstlerischen Leitung von Jörg Straube drei Werke präsentiert. Dazwischen: zwei Orgelstücke, gespielt von Matthias Schulze. „Bach und seine Schüler” ist der Titel des Programms, das so viele Besucher bei traumhaftem Wetter in die Kirche locken konnte – hat sich das gelohnt?
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- Universitätsmusik
Ein Fest für die Ohren
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- Unimusik Göttingen triumphiert mit monumentalen Klängen und lockt viele Konzertbesucher:innen im Konzert »Das Lied von der Glocke« von Max Bruch
- erschienen am 15. Juli 2025
„Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango,“ zu Deutsch: „Ich rufe die Lebenden, beklage die Toten, breche die Blitze.“ Mit diesen eindringlichen Worten und seinem gewaltigen Klang beschwor der Universitätschor den Geist Friedrich Schillers in der St. Johanniskirche.




