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Kammermusikgesellschaft

Wilde Klänge wie ein Löwenbrüllen!

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Das Leonkoro Quartett war zu Gast im 4. Aulakonzert
von Keanu Demuth, erschienen am 26. Februar 2025

Die Aula am Wilhemsplatz war erneut Schauplatz eines formidablen Konzerts am 23. Februar. Das Leonkoro Quartett demonstrierte bei Stücken von Mozart, Paul Hindemith und Felix Mendelssohn Bartholdy, warum es zu einen der gefragtesten Ensembles seiner Generation gehört.

Bereits drei Jahre nach seiner Gründung 2019 in Berlin wurde das Leonkoro Quartett mit hochkarätigen Preisen ausgezeichnet. Darunter dem 1. Preis beim Concours International de Quatuor à Bordeaux. “Leonkoro” ist das Esperanto-Wort für “Löwenherz”, es bezieht sich auf das Kinderbuch von Astrid Lindgren. “Löwenherz”, ein passender Name, denn die vier Musiker:innen strotzten nur so vor Energie, Spielfreude und enormer Konzentration. Mit ihrem großen Klangvolumen hauten sie oftmals die Zuschauer:innen von ihren Sitzen, fast so wie ein wahrer Löwenschrei!

Das Quartett setzt sich zusammen aus den Brüdern Jonathan und Lukas Schwarz an erster Violine und Cello, während Amelie Wallner an der zweiten Violine und Mayu Konoe an der Bratsche die Mittelstimmen bilden.

leonkoro schaefer600Für einen ehrfurchtgebietenden Auftakt spielte das Leonkoro Quartett Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) Streichquartett in F-Dur, KV 590. Mit einem virtuosen Allegro moderato eröffnete das Ensemble das 4. Aulakonzert und sorgte damit für eine majestätische und festliche Stimmung im Saal. Auf das imponierende Allegro moderato folgte ein Andante. Langsam schritten die Streicher voran, bis Jonathan Schwarz an der ersten Geige temperamentvoll den Bogen über die Saiten führte und immer schneller wurde. Das anschließende Menuetto war gekennzeichnet von scharfen Dissonanzen, und es fühlte sich beinahe so an, als würde die vier Streicher um die Wette spielen. Die eine übertraf den anderen an Virtuosität und Wildheit. Besonders Mayu Konoe spielte hier besonders energetisch ihre Bratsche und machte damit viel Eindruck beim Publikum. Beim abschließenden Allegro wurde es folglich sehr dramatisch, während Lukas Schwarz auf beeindruckende Weise blitzschnell die Saiten seines Cellos strich. Schließlich spielte alle Musiker:innen abwechselnd dasselbe Motiv auf nervenaufreibende Weise, denn alle führten den Bogen ganz wild und beinahe schon aggressiv, ohne dabei ihre technische Finesse außer Acht zu lassen!

Auf die Erhabenheit von Mozart folgte Streichquartett Nr. 2 in f-Moll, op. 10 von Paul Hindemith, oder in Michael Schäfers Worten, “die auskomponierte Orientierungslosigkeit”. Der erste Satz beginnt mit einer Hetzjagd, denn Hindemith hat seine Kriegserfahrung in diesem Stück einfließen lassen. Die Stimmen irren chromatisch umher, so als wüssten sie nicht, wo das Stück hinführen soll. Also eine Orientierungslosigkeit. Das tiefe Cello und die hohen schrillen Violinen erzeugten hier eine pessimistische und bedrohliche Atmosphäre. Als alle Stimmen daraufhin sehr laut und schrill wurden und abfallende Themen spielten, hörte sich dies beinahe schon wie ein Klagen an. Damit wurde das Grauen des Ersten Weltkriegs musikalisch ausgedrückt.

Der 2. Satz wirkt anfangs etwas behaglicher, wird durch das tiefe Cello mit angsteinflößenden Tönen aber auch wieder unheilvoll. Viel Spannung wurde aufgebaut, indem Lukas Schwarz schnell die Cello-Saiten zupfte und die Geigen von Jonathan Schwarz und Amelie Wallner schrille Töne erzeugten. Und auch bei dem finalen 3. Satz spielten sich dramtische Szenen ab, zumindest durch das leidenschaftliche und ungehemmte  Spielen der vier Musiker:innen. Mit einem virtuosen, lauten und krachenden Finale entließ das Leonkoro Quartett das Publikum in die Pause und wurde dafür frenetisch gefeiert.

Das letzte Stück des Konzerts, Felix Mendelssohn Bartholdys (1809-1847) Streichquartett Nr. 4 in e-Moll, op. 44/2, war schließlich ein gelungener Kontrast zum Hindemith Quartett. Der angenehme und doch schnell voranschreitende erste Satz weckte Assoziationen an einen Balltanz. Beim Scherzo spielte das Ensemble das hüpfende E-Dur-Thema auf sehr elegante Art mit dem Forte-Beginn und dem Piano-Schluss. Der 3. Satz (Andante) regte aufgrund seines ruhigen Klangcharakters zum Entspannen und Sinnieren an. Aus diesem Traum weckte das Ensemble die Zuschauer:innen daraufhin: Explosionsartig, ungestüm und sehr agil starteten die Streicher in den letzten Satz. Anschließend spielten Wallner und Konoe eine wahrlich schwungvolle Melodie, denn die Musiker:innen selbst wippten mit der Melodie mit beim Spielen. Ein sehr frohlockender Anblick. Mit einem überaus dramatischen Ende beendeten die Vier den Abend wie ein Donnerschlag, denn die Bühne bebte regelrecht durch das aufregende Spielen der Instrumente und dem tosenden Applaus des Publikums.

Wilde Klänge wie ein Löwenbrüllen! Das Leonkoro Quartett zeigte am vergangenen Sonntag seine herausragenden Qualitäten. Ihre Darbietung zog das ganze Publikum in ihren Bann und präsentierte Streichquartett-Kunst auf höchstem Niveau.

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