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Kurator Stephan Klee, auf dem Photo Kuratorin Almut Hüfler | © Manga und Photo von Keanu Demuth
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Altes Rathaus

Visuelle und poetische Reise durch den Klimawandel

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Kunstverein Göttingen: TERRA DIASPORA – Aktives Terrain N°2
von Keanu Demuth, erschienen am 18. Juni 2025

Der Klimakollaps ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein langwieriger Prozess über einen langen Zeitraum. Allerdings sind diese Prozesse für uns oftmals selten sichtbar, denn meist nehmen wir Gefahren nur wahr, welche sich unmittelbar vor unseren Augen abspielen. Um solche schwer greifbaren Entwicklungen sichtbar zu machen, entwickelten Dr. Almut Hüfler und Stephan Klee die Gruppenausstellung “Collapse is not a Destination”, die 2024 im Berliner Zentrum für Kunst und Ökologie, HAUNT, präsentiert wurde. Für die Galerie im Alten Rathaus in Göttingen wurde das Ausstellungskonzept nun grundlegend erweitert.

Vom 14. Juni bis 21. September vereint die Ausstellung TERRA DIASPORA – Aktives Terrain N°2 – “Collapse is not a Destination, it is a process” Werke von 13 Künstlerinnen und Künstlern, die sich in den Medien Skulptur, Fotografie und Installation mit den Gefahren des Klimawandels auseinandersetzen. Die Vernissage fand am 13. Juni statt.

Die Ausstellung ist in einzelne Themenräume untergliedert, die auf abwechslungsreiche und sehr anschauliche Weise das Wahrnehmungsproblem des Klimawandels näherbringt.

aktives terrain Almut Huefler650Der Bereich von Künstlerin Marjolijn Dijkman ist der Elektrizität gewidmet. Er zeigt, welche Auswirkungen die vom Menschen genutzte Elektrizität auf die Erde hat. Dijkmans Skulptur “Cloud to Ground” sieht dabei besonders faszinierend aus. Hier sehen wir einen “versteinerten Blitz”, einen Fulgurit, welcher sich in einer durchsichtigen Pyramide befindet. Diese Fulgurite entstehen, wenn sich Elektrizität im Boden entlädt. Sie bestehen aus Massen verglaster organischer Ablagerungen.

Mit der Abivalenz von Schönheit und Melancholie beschäftigt sich Almut Linde in der nächsten Installation. Linde präsentiert Fotografien von “modernen Höhlenmalereien” aus dem Bergwerk Gorleben. Gorleben wurde einst als mögliches Endlager für Atommüll in Deutschland diskutiert. Als Betrachter bestaunt man zunächst die Eingravierungen im Gestein. Schnell wird einem aber bewusst, dass diese Gravierungen durch den Eingriff des Menschen mit Maschinen und Bohrern entstanden sind. Daneben sehen wir noch funkelnde Salzkristalle auf dem Boden, bei denen man trotz des schönen Anblicks ein mulmiges Gefühl bekommt. Sind diese Steine aus Gorleben radioaktiv? Natürlich nicht, aber diese Reaktion will Linde beim Betrachter bewusst auslösen.

Wie rücksichtslos der Mensch mit der Erde umgeht, zeigt auch Künstler Spiros Hadjidjanos. Er hat das Satellitenbild einer Kupfermine in Utah als ein abstraktes Sandsteinmodell nachbauen lassen, und das mithilfe eines 3D Druckers.

Auch die Kunstwerke von Robert Gschwantner machen auf Umweltverschmutzung aufmerksam, und das auf fantastische und anmutige Weise. Somit wird erneut der Kontrast zwischen Schönheit und Zerstörung behandelt. Hier sieht man ein schlangenartiges Objekt, das einem Fabelwesen ähnelt. In Wahrheit besteht die Skulptur aus Infusionschläuchen, welche mit Sand und Erdöl eines Strandes in Griechenland befüllt ist. Diese Skulptur ist somit sehr poetisch: Einerseits retten die PVC-Schläuche Leben in der Medizin, andererseits zerstört das Öl die Strände unserer Erde.

Besonders das “Concerto for extinct birds” von Raphaël Fischer-Dieskau rührt die Zuhörer:innen zu Tränen. Denn hier ertönt aus einem Kranz an der Decke das Singen eines Vogels, der nach einer Partnerin ruft. Leider vergebens, denn er ist der letzte seiner Art.

Das kolumbianische Künstlerpaar Mazenett Quiroga zeigt daneben die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes mithilfe einer dramatischen Bildabfolge. Deshalb sind die Bewohner des Amazonas in das Alten Rathaus geflüchtet! Große Schlangen hängen an der Wand! - Allerdings bestehen diese aus Fahrradschläuchen, sehen dennoch verdammt echt aus!

Zum Abschluss der Ausstellung sehen wir den renommierten Künstler Julius von Bismarck in dem Video “Baumanalyse”. In diesem Video vertritt von Bismarck eine radikale Position: “Wenn ich Holz benutzen möchte, dann muss ich auch in der Lage sein, den Baum zu fällen.” Hier sehen wir Julius von Bismarck wir er acht Stunden(!) im Kreis einen Eichenbaum mit einem Messer fällen will. Er testet die Grenzen seines Körpers aus und tötet das Eichen-Wappen seiner Familie. Ziemlich ironisch, oder?

TERRA DIASPORA – Aktives Terrain N°2 ist eine visuelle Reise durch den Klimawandel, der uns auf anschauliche und poetische Weise nochmals die Augen öffnet.

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