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Stadthalle

Rasante Finger und pure Freude

Silvester- und Neujahrskonzert des Göttinger Symphonieorchesters mit dem Geiger Tassilo Probst

Das Göttinger Symphonieorchester in der Stadthalle | © Photo: Janine Müller

Im Silvester- und Neujahrskonzert »Funkenfeuer« sprühten wahrhaft die Funken in der ausverkauften Stadthalle. Auf der festlich geschmückten Bühne und mit bunten Kleidern beeindruckte das Göttinger Symphonieorchester ebenso mit Spielfreude wie der außergewöhnlich virtuose Sologeiger Tassilo Probst.

Der Konzertabend wurde mit der fröhlichen »Tritsch-Tratsch-Polka« von Johann Strauss (Sohn) eröffnet, die sogleich den Funken vom Orchester zum Publikum übersprühen ließ. Ebenso fröhlich und beschwingt begrüßte Chefdirigent Nicholas Milton das Publikum an diesem Abend, und besonders die anwesende Oberbürgermeisterin Petra Broistedt. Er nutzte die Gelegenheit und betonte, wie wichtig das Orchester für die Kultur der Stadt und deren Bewohner:innen ist. Und ein an diesem Abend stets begeistertes Publikum bestätigte dies.

Bei der folgenden Ouvertüre zu »Die Fledermaus« von Johann Strauss (Sohn) ging es mit fröhlich-leichter Musik weiter, bei der besonders die Solist:innen an Fagott, Horn, Klarinette und Oboe herausragten. Auch die gesanglichen Fähigkeiten der Orchestermusiker:innen waren gefragt in der »Ohne Sorgen«-Polka von Josef Strauss. Ein von Milton in der Moderation angekündigter »Engelsklang«, bestehend aus »ha, ha, ha«-Rufen, ließ bei so einigen Besucher:innen schließlich auch ein »ha, ha, ha« entweichen.

Zum »Introduction und Rondo capriccioso« von Camille Saint-Saëns betrat Tassilo Probst die Bühne. Vom ersten Ton an präsent ging er in der Musik auf. Innig und einfühlsam phrasierte er die Melodie und ließ sie auf der Geige singen. Das GSO begleitete ihn mit zarten Streicher- und Bläserklängen und ließ ihn stets solistisch in die Halle strahlen. Mit beeindruckender Fingerfertigkeit und Präzision gelangen Probst auch die schnellsten Läufe bis zu den allerhöchsten Tönen, die einem den Atem anhalten ließen.

Nach der vom GSO gespielten ungarischen Csárdás aus »Ritter Pásmán« von Johann Strauss (Sohn) präsentierte sich Probst mit einem herzzerreißenden Solo in der »Csárdás« von Vittorio Monti. Ein melodiöser Charakter im Solo mit Harfenbegleitung wechselte sich mit schnellem Tanz ab, der am Ende auch zum rhythmischen Klatschen des Publikums führte. Mit atemberaubend schnellen Fingern meisterte Probst auch dieses virtuose Werk scheinbar mühelos. Mit der schnellen Polka »Éljen a Magyar!« von Johann Strauss (Sohn) läutete das GSO die Pause ein.

Beschwingt ging es weiter mit dem »Frühlingsstimmen-Walzer« von Johann Strauss (Sohn) und »Im Krapfenwald’l«. Die von Kuckucksrufen durchzogene Polka sorgte für einige Lacher beim Publikum, bis schließlich ein einziges Vögelgezwitscher aus dem Orchester auch wirklich jeden erfreute.

Noch begeisternder war der nächste Auftritt von Tassilo Probst. In den »Zigeunerweisen« von Pablo de Sarasate war der Virtuosität keine Grenzen gesetzt. Erst zart melodiös, dann im schnellen Tanz rasten Probsts Finger über die Saiten, und der hüpfend schnelle Bogen war schon gar nicht mehr mit den Augen zu verfolgen. Tosender Beifall und Bravo-Rufe brachten die Halle zum Beben. Und das Gänseliesel höchstpersönlich überreichte Probst das verdiente Geschenk.

Doch so schnell ließ man ihn natürlich nicht gehen. Zur Zugabe von Probst verließ Milton sein Dirigentenpult. Probst leitete die Streicher zu einer Pizzicato-Begleitung an und setzte mit der neapolitanischen Weise »O mamma, mamma cara« ein, besser bekannt als »Mein Hut, der hat drei Ecken«. Mit den von Niccolò Paganini komponierten Variationen über diese Melodie verabschiedete sich Probst mit großer Spielfreude vom Publikum.

Die Streicher hatten sich eingezupft, sodass die folgende »Pizzicato-Polka« von Johann (Sohn) und Josef Strauss in beeindruckend präzisem Zusammenspiel erklang. In der anschließenden »Feuerfest!«-Polka von Johann Strauss hatte auch Milton sein lang ersehntes Solo: Er tauschte den Taktstock gegen zwei Hammer aus und spielte den Amboss. Scherzhaft wischte er sich vor jedem Einsatz den Schweiß von der Stirn und erfreute das Publikum mit dieser Choreografie.

Mit »An der schönen blauen Donau« von Johann Strauss (Sohn) war das offizielle Programmende erreicht, und das GSO wurde sogleich zu Zugaben geklatscht.

Beim »Narren-Galopp« von Josef Gung’l waren noch einmal die gesanglichen Fähigkeiten der Spieler:innen gefragt, die ihre Lacher (ha ha ha ha) einbringen mussten, und das teilweise auch solistisch. Als zweite Zugabe folgte »Tico Tico« von Zequinha de Abreu, ein brasilianischer Tanz im Samba-Rhythmus, bei dem Milton seine Hüften schwang. Nach begeistertem Applaus folgte schließlich der »Radetzky-Marsch« von Johann Strauss – ein Muss bei jedem Neujahrskonzert und der perfekte Abschluss für dieses so viel Freude bereitende Spiel des GSO.

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