Kai Yoda | © Manga von Keanu Demuth
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Kunstverein Göttingen

Multimediales Terrain des Phantastischen

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AKTIVES TERRAIN N°3: Mélodie Mousset und Itah Yoda “Flanieren im Symbiozän”
von Keanu Demuth, erschienen am 29. Juli 2025

Im Künstlerhaus Göttingen prallen Welten aufeinander! Vom 27. Juli bis zum 7. September verwandeln die Künstlerin Mélodie Mousset und das Kunstduo Ittah Yoda die erste Etage des Künstlerhauses in ein multimediales Terrain, das mehrere Welten vereint und unterschiedliche Sinneseindrücke anspricht. Tast- und Geruchssinn inklusive. Bei der Ausstellung “Flanieren im Symbiozän”, organisiert vom Kunstverein Göttingen, können die Besucher:innen mit virtuellen Landschaften mittels VR-Brille interagieren, Skulpturen hybrider Lebensformen und moderne Höhlenmalereien bestaunen und ertasten, sowie speziell für die Ausstellung entwickeltes Parfüm auftragen!

Die Ausstellung folgt der Idee des Symbiozäns – eines Zeitalters, das von wechselseitiger Verbundenheit, Kooperation und der Auflösung starrer Trennungen zwischen Natur, Technologie und Mensch geprägt ist. In den ineinander übergehenden Installationen entfalten sich künstlerische Welten, die sich von den Anfängen der Höhlenmalerei bis hin zu digital erzeugten Landschaften spannen. Somit kommen die Kulturtechniken unterschiedlicher Epochen zusammen und gehen eine Symbiose ein: VR-Technik, Digital Sculpting, Wachsfigurenbau und Malerei.

Interaktive Welt von Mélodie Mousset

Wer noch nie zuvor VR ausprobiert hat, bekommt nun die Gelegenheit. In der Installation “HanaHana” der Schweizer Französin Mélodie Mousset können sich die Besucher in einer virtuellen Oase fortbewegen und mittels VR-Brille vollkommen in die Immersion eintauchen. Allerdings ist die interaktive Welt noch etwas karg, man sieht zunächst nur eine Wüste mit einem kleinen Bach und einer betretbaren Höhle. Denn hier kommen die Gäste ins Spiel: Mit Hilfe von Controllern können die Nutzer:innen Samen versprühen, aus den urplötzlich Arme mit gespreizten Händen wachsen. Die Arme sollen fantasievolle Baumstämme und Äste darstellen, von Mousset auch HanaHana genannt. Viele Gäste bei der Vernissage am 26. Juli waren sehr kreativ und experimentierfreudig und pflanzten viele fantastische “Hand”-Bäume an, sodass später schon ein kleiner Wald entstand. Mélodie Mousset hat das Spiel, die Welt und die Arme selbst entworfen und entwickelt. Ihr einfacher, aber doch spaßmachender Simulator lädt richtig zum Mitspielen ein, sodass man sich schnell in ihrer Welt verlieren kann. Wirklich Kunst zum Selbst-Mitgestalten, egal ob man mit VR vertraut ist oder nicht! Die Bildaufnahme eines zuvor erstellten Waldes aus Händen ist zudem als riesige Leinwand am Eingang zu sehen!

Höhlenmalereien und Wachsstatuen

In ihren Arbeiten setzen das Kunstduo Virginie Ittah und Kai Yoda ihre Faszination für die Höhlenmalereien von Lascoux und Chauvet um als ein symbiotisches Gesamtwerk aus verschiedenen Kulturtechniken. Eine Symbiose aus Bildhauerei, Malerei Duftherstellung sowie Virtual Reality bzw. Augmented Reality. Neben Höhlenmalereien legen Ittah Yoda zudem großen Fokus auf Plankton, denn Plankton sei schließlich für die Bildung von 70 Prozent des Sauerstoffs in der Welt verantwortlich, so Künstler Kai Yoda. Wer nach dem VR von Mélodie Mousset etwas Greifbares und Fassbares braucht, wird somit wärmstens bedient. Wir sehen zum Beispiel die beeindruckende Wachsfigur “Ava”, eine leichte Anspielung auf Eva. Ava ist eine Chimäre aus einem menschlichen Kopf und einem planktonischen Körper. Es schauen muskelartige, schaurige und dennoch anmutige Formen hervor. 

“Wir haben die Formen von pflanzlichem und tierischem Plankton am Mikroskop als Vorbild genommen und diese als Bausteine für unsere Skulptur genutzt,” erklärt Kai Yoda. Somit erinnert die Wachsfigur an eine vergessene, verlorene Urzeit. Daneben sind an vielen Wänden Ittah Yodas Gemälde angebracht, die deutlich von Höhlenmalereien inspiriert sind und mit den Skulpturen eine Symbiose eingehen. Besonders die schädelähnliche Skulptur “Allan” erinnert stark an prähistorische Wesen aus der Vergangenheit oder aus einer anderen Dimension. Der aus Eiche und Planktonformen-bestehende Schädel ist am Hinterkopf verlängert und könnte glatt von einem Alien stammen. Oder von einer unbekannten Lebensform, welche damals die Erde bevölkerte! Genauso erinnern die Wachsfiguren “Jonquille” an Mammuts oder Dinosaurier mit ihren langgezogenen Gliedmaßnahmen. Als Kopf ist eine Schale mit Parfüm angebracht, das das Duo mit einem Parfümeur hergestellt haben. “Mit dem Parfüm wollen wir verschiedene Sinneseindrücke ansprechen. Man soll den Gedanken bekommen, so hat es damals in den Höhlen, in der Urzeit gerochen,” ergänzt Yoda. Auch der Boden wird zum alten Terrain: Es gibt kleine Wasserbehälter mit Seeumrissen, an denen sich die Urzeitmenschen orientieren konnten. Und beim VR von Ittah Yoda kann man verschiedene Planktonarten fusionieren, damit Symbiosen entstehen.

Fazit: Phantastisches entdecken!

Die neue Ausstellung des Kunstvereins will diesmal nicht auf ökologische Veränderungen aufmerksam machen, sondern eher die Augen für das phantastische und surreale Terrain öffnen! Somit ist “Flanieren im Symbiozän” besonders für die Besucher:innen etwas, die sich auf eine Immersion aus verschiedenen Kulturtechniken einlassen wollen!

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