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© Keanu Demuth
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Literaturherbst

Mit DOTA im DT

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Dota Kehr singt Mascha Kaléko
von Keanu Demuth, erschienen am 15. November 2023

Der 32. Göttinger Literaturherbst endete mit einem einzigartigen musikalischen Abschluss: Dota Kehr war am 05. November live mit ihrer Band im Deutschen Theater und spielte Songs aus ihrem neuen Album „In der fernsten der Fernen“.

Wie auch in ihrem vorherigen Album vertont Dota Gedichte der deutsch-jüdischen Literatin Mascha Kaléko. Dank ihrer unverwechselbaren Stimme und der beschaulichen Kulisse des Deutschen Theaters schuf die Sängerin einen unvergesslichen Musikabend. Auch ihre Band trug viel zu dieser besonderen Atmosphäre bei.

Das erstaunliche an Dota und ihrer gleichnamigen Band ist, dass ihre Vertonungen der Kaléko-Texte so klingen, als wären sie heute geschrieben. Sie vermischt Folk, Indie-Pop sowie Rock-Sounds und erweckt so Mascha Kalékos Gedichte zum Leben. Auch die Instrumentation in ihren Kaléko-Songs ist sehr vielseitig gestaltet. Dotas Akustikgitarre gepaart mit Synthesizer, E-Gitarre, Posaune und Klarinette in der Band sorgten für Abwechslung und frischen Wind auf der Bühne des Deutschen Theaters. Die Lieder fühlten sich kaum noch wie bloße Lyrik mit musikalischer Begleitung an, sondern wie vollwertige Popsongs mit Message.

Die Band DOTA hat es also geschafft, den Gedichten neue Farben zu verleihen. Sie haben Mascha Kalékos Lyrik in unsere Zeit gebracht und modernisiert. Die Dichterin der Neuen Sachlichkeit schrieb innige und oftmals auch ironische Großstadtlyrik in den 1920er und 30er Jahren in Berlin, bevor sie als deutsche Jüdin nach New York emigrieren musste. In ihren Gedichten werden Themen wie Ausgrenzung oder Verfolgung angesprochen. Somit trifft DOTA mit der Vertonung dieser Gedichte genau den Nerv ihrer Zeit. „Was ich besonders an Mascha Kaléko schätze, ist ihre Präzision. Ihre Genauigkeit. Und auch, wie knapp und verdichtet alles ist. Da ist kein Wort zu viel. In wenigen Zeilen bringt sie das Wesen von Ausgrenzung und die Gefahren, die darin liegen, auf den Punkt,“ erzählt Frontsängerin Dota Kehr.

Besonders in der Performance und Vertonung von „Der Fremde“ konnte Dota mit ihrer Band Kalékos Gefühle zum Thema Exklusion gut vermitteln. Die Posaune und Klarinette spielten langsame und laute Melodien und erzeugten damit eine düstere Stimmung. Dies erinnerte stark an Dark Jazz oder Jazz Noir. Mit ihrer angenehmen und leicht zerbrechlichen Stimme sang Dota schließlich die Verse „Sie sprechen von mir nur leise… Sie mischen mir Gift in die Speise... Ich bleibe der Fremde im Dorf.“ Obwohl Dota für Betroffenheit mit diesen Versen sorgte, konnte man als Zuschauer:in deutlich den Beat und Rhythmus des Songs wahrnehmen, sodass man unwillkürlich mitwippen musste. Dies ist wahrscheinlich die Magie von Dotas Vertonungen: Ernste Themen werden mit angenehmen, rhythmischen und kantablen Melodien verknüpft. Aus pädagogischer und musikalischer Sicht sind Dotas Songs somit sehr wertvoll. Auch die blaue, gespenstische Beleuchtung auf der Bühne verstärkte die bedrohliche Atmosphäre.

Zu düster wurde es bei Dotas Konzert aber keinesfalls: Bereits mit dem ersten energiegeladenen Song „Das Mögliche“ konnte sie dem Publikum so richtig einheizen. Ein perfekter Einstieg in das Konzert. Hier gab es poppige Gitarrenriffs und coole Synthesizer- Sounds, gepaart mit Dotas mal sanfter, mal kräftiger Gesangstimme. Pop-Rock at its best!

Richtig beschaulich wurde es schließlich bei der Gedichtvertonung von „Einem Kinde im Dunkeln.“ Dieses Gedicht von Mascha Kaléko ist ihrer jüngeren Schwester gewidmet. Daraus gestaltete die Band ein schönes Schlaflied. Dota brachte das Publikum schier zum Träumen mit ihrer besinnlichen Stimme. Entspannende Synthesizer-, Posaunen- und E-Gitarren-Sounds verstärkten dieses Gefühl. Besonders hervorzuheben ist hier außerdem die Technik, welche mit Hilfe von Lichteffekten und Discokugeln einen wunderschönen Sternenhimmel an die Decke des Theatersaals warf. Hier schuf das ganze Team einen unvergesslichen Liederabend fürs Publikum.

Besinnlich blieb es weiterhin, als Dota anfing, die Gedichtvertonung „Blatt im Wind“ zu singen. Bei „Blatt im Wind“ handelte es sich um ein Gitarrenduett zwischen Dota und Jan Rohrbach. Dotas bewegende Stimme, zusammen mit den kantablen und schönen Gitarrenmelodien, schufen eine bezaubernde und rührende Atmosphäre. 

Bei der poppigen Vertonung von „Chanson für Drehorgel“ sang Dota aus vollem Halse und schuf eine heitere, feierliche Stimmung. Das beachtliche Solo von Jan Rohrbach trug viel zu dieser Atmosphäre bei, da sich seine E-Gitarrenklänge an Hawaiianische Musik bzw. Beach Music orientierten. Diese Performance wurde vom Publikum frenetisch gefeiert. 

Abschließend spielte Dota mit ihrer Band selbstgeschriebene Songs, auch ein brandneuer, unveröffentlichter Song war mit von der Partie. Dota brachte das Publikum zum Mitsingen in der Performance des spacigen Songs „Wir rufen dich, Galaktika“, eine Reminiszenz an die von 1979 bis 2001 produzierte, beliebte Puppenspiel-Serie „Hallo Spencer“. Und bei dem poppigen Lied „Bademeister:in“ waren schließlich alle richtig aus dem Häuschen: In den Reihen wurde wild mitgetanzt, sogar Posaunistin Antonia Hausmann legte mit ihrer Kollegin eine passende Bademeisterin-Choreographie im sportlichen Outfit hin.

Dotas Auftritt im Deutschen Theater konnte sowohl aus literarischer als auch aus musikalischer Sicht auf ganzer Linie überzeugen. Mit ihren vielfältigen und abwechslungsreichen Vertonungen brachte sie dem Publikum Mascha Kaléko auf angemessen moderne Weise näher. Kein Song wirkte zu hip, und keine Performance wirkte zu altbacken. In besonderem und einzigartigem Stil übermittelte Dota die Gedankenwelt Mascha Kalékos und schuf dank der imposanten Bühnentechnik einen Musikabend im Deutschen Theater, den man so schnell nicht vergessen wird.

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