Zur Adventszeit entführt das Deutsche Theater zu einem wilden Roadtrip im Bistro-Keller. In ihrem Buch »Iowa« schildert Stefanie Sargnagel eine reale Amerikareise mit der Musikerin Christiane Rösinger als komische, turbulente Erzählung über Nähe, Selbstzweifel und den absurden Alltag unterwegs. Regisseurin Sarah Maroulis bringt diesen schrägen und zugleich berührenden Roadtrip nun auf die dt.x-Bühne. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die USA-Reise selbst, sondern die generationsübergreifende Freundschaft der beiden Frauen, dargestellt von Tara Helena Weiß und Gaby Dey. »Iowa« feierte Premiere am 30. November auf der dt.x-Bühne im Bistro-Keller.

Ein ulkiges Pärchen
Stefanie Sargnagel (Tara Helena Weiß) und Musikerin Christiane Rösinger (Gaby Dey). Zwei Frauen, die aufgrund ihres Altersunterschieds auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassen. Ihr gemeinsamer USA-Trip schweißt die beiden aber zusammen. Regisseurin Sarah Maroulis hat das ulkige Pärchen perfekt besetzt. Auf der einen Seite Tara Helena Weiß, die als völlig abgedrehte und verrückte Autorin ihre Midlife-Crisis durchlebt und einen gewöhnungsbedürftigen Creative-Writing-Kurs unterrichtet. Und auf der anderen Seite Gaby Dey als sarkastische Christiane Rösinger, die mit ihrer kräftigen Singstimme wie geschaffen ist für diese Rolle.
Zwischen Zoff und Speed-Dating
Beide zanken sich bei scharfen Wortgefechten und gehen schonungslos miteinander um – ein wahres Fest für die Lachmuskeln. Ihre kleinen Kabbeleien sind einfach herrlich anzusehen, ohne jemals überspitzt zu wirken. Dabei scheuen sie auch nicht davor zurück, das Publikum einzubeziehen. Als Christiane von Stefanies »Klugscheißereien« genug hat, fordert sie kurzerhand einen Zuschauer auf, ihr kleines Kissen auf Stefanies Gesicht zu werfen – und dieser ließ sich nicht zweimal bitten.
Besonders amüsant wird es anschließend, als Christiane und Stefanie zum »Pina Colada Song« auf charmant-chaotische Beutejagd gehen. Im schummrigen Rotlicht verwandelt sich der dt.x-Keller plötzlich in eine improvisierte Speed-Dating-Halle – und Christiane fischt mit unerschütterlicher Nonchalance Männer aus dem Publikum heraus, die als potenzielle Kandidaten für Stefanies Liebesleben herhalten sollen.
Nahbare Frauenfiguren
Trotz all des Gezankes bleibt spürbar, wie sehr die beiden inzwischen zusammengewachsen sind – und Tara Helena Weiß und Gaby Dey lassen diese Zuneigung in vielen feinen, liebevollen Gesten aufscheinen. Zugleich sprechen ihre Darstellungen, allen voran die von Stefanie, vielen Zuschauer:innen aus der Seele. Immer wieder geht es um Sehnsüchte, die besonders Frauen im mittleren Alter umtreiben – etwa den Wunsch nach Mutterschaft. So erschaffen Weiß und Dey zwei warmherzige, nahbare Frauenfiguren, in denen man sich mühelos wiederfinden kann.
Klischees mit Augenzwinkern
Regisseurin Sarah Maroulis greift außerdem genüsslich in die Schatzkiste US-amerikanischer Klischees. Immer wieder setzen sich Weiß und Dey Cowboyhüte auf, wirbeln im Square-Dance zu Miley Cyrus’ »Party in the U.S.A.« über die Bühne oder zaubern plötzlich ein Obama-Porträt oder ein altes Mad-Magazine aus dem Koffer. Mit solchen augenzwinkernden Details holt Maroulis ein kleines Stück Amerika direkt in den dt.x-Keller.
Eine Freundschaft, die Altersgrenzen mühelos überwindet
»Iowa« ist eine warmherzige, witzige und pointiert gespielte Reise durch Freundschaft, Lebenskrisen und amerikanische Absurditäten. Ein Abend, der gleichermaßen berührt, zum Lachen bringt und zeigt, dass wahre Freundschaft Altersgrenzen mühelos überwindet.