Im Rahmen der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2025 präsentierte sich 20. Mai das junge Ensemble Régence sonore in der Reformierten Kirche Göttingen mit einem Programm, das in seiner klugen Dramaturgie und sensiblen Interpretation Maßstäbe setzte. Unter dem Titel „Viennese Metamorphosis“ (Wiener Wandlungen) führte das Trio das Publikum auf eine stilistische Reise vom Hochbarock zur Frühklassik – mit Werken von Händel, Stanley, Janitsch, Telemann und Haydn.
Das Ensemble – bestehend aus Weronika Zimnoch (Barockvioline), Krystyna Wiśniewska (Barockcello) und Weronika Paine (Cembalo) – war Preisträger der Händel-Competition 2024 und überzeugte auch in diesem Konzert mit stilistischer Differenzierung, klanglicher Feinarbeit und einer beeindruckend reifen Ensemblekultur.
Subtile Kraft und elegante Rhetorik
Den Auftakt bildete Händels Sonate Nr. 5 g-Moll (HWV 400) – ein Werk voll kantabler Linien und barocker Ernsthaftigkeit. »Régence sonore« eröffnete mit klanglicher Ruhe und feinem Gespür für die Affektstruktur. Anschließend brachte John Stanleys Solo op. 1 Nr. 6 D-Dur eine helle, englisch geprägte Klangfarbe ins Spiel, mit tänzerischer Leichtigkeit und pointierter Artikulation.
Ein seltener Höhepunkt war die Triosonate g-Moll von Johann Gottlieb Janitsch, die mit ihrem empfindsamen Tonfall exemplarisch für die Berliner Schule steht. Das Ensemble musizierte sie mit kultivierter Innerlichkeit – ein ideales Terrain für ihre klare Klangsprache und strukturierende Phrasierungskunst.
Mit Telemanns Concerto a-Moll (TWV 42:a2) gewann das Programm konzertante Energie. Die drei Musikerinnen formten ein fein austariertes Wechselspiel zwischen motorischem Schwung und barocker Ornamentik – virtuos, ohne jemals plakativ zu wirken.
Haydn als Zielpunkt einer musikalischen Metamorphose
Der Übergang in die Klassik gelang »Régence sonore« eindrucksvoll mit zwei Klaviertrios von Joseph Haydn: Zunächst das Adagio aus dem G-Dur-Trio (Hob. XV:41) – schlicht und berührend – dann das ausdrucksstarke f-Moll-Trio (Hob. XV:f1), ein Werk von düsterer Tiefe und formaler Meisterschaft. Besonders hier zeigte sich das Ensemble als fein aufeinander eingespieltes Klanggewebe, das Haydns dramatische Kontraste mit kluger Zurückhaltung ausleuchtete.
Als Zugabe erklang das Finale aus Haydns Klaviertrio F-Dur – beschwingt, klar artikuliert und ein heiterer Abschluss eines konzertanten Nachmittags voller Überraschungen.
Fazit
Mit klarer Klangvorstellung, historischer Stilsicherheit und spürbarer Musizierfreude begeisterte Régence sonore in Göttingen Publikum wie Fachwelt. Das Trio hat sich seinen Platz unter den herausragenden jungen Ensembles der Alte-Musik-Szene erspielt – und seine Auszeichnung beim Händel-Wettbewerb 2024 eindrucksvoll bestätigt.
Das Konzert war ein gelungenes Beispiel dafür, wie lebendig und spannend historische Programme klingen können, wenn sie mit Wissen, Leidenschaft und künstlerischer Neugier auf die Bühne gebracht werden. Der Applaus in der bis auf den letzten Platz besetzten Reformierten Kirche ließ keinen Zweifel: Dieses Ensemble will man wieder hören.