Am 27. April öffnete das Archäologische Institut seine Pforten, nicht nur um seine pompösen Gipsabgüsse antiker Skulpturen zu präsentieren, sondern um erneut zur Bühne eines besonderen Konzertes zu werden. Mit ihrer Reihe »SAITENWECHSEL. Musik im Parthenonsaal« präsentieren der Klarinettist Anton Säckl und der Lautenist Andreas Düker barocke, klassische und romantische Stücke auf historischen Instrumenten – und geben den Werken eine neue Klangfarbe. In ihrer neusten Veranstaltung »SERENATA - Musik für historische Klarinetten« spielten sie Werke von Mozart, Händel und Telemann auf historischer C-Klarinette & Bassetthorn und Barock-Theorbe & romantischer Gitarre.
Dazu brachte der kulturelle Musikwissenschaftler Ryoto Akiyama weitere historische Instrumente aus der Göttinger Musikinstrumentensammlung mit, wie eine Barockgitarre des Händel-Forschers Friedrich Chrysander. Zusammen mit der Kunstgeschichtsstudentin Nicole Kautzmann erläuterte er diese Artefakte der Musikgeschichte. Somit wurde dem Publikum eine interessante Kombination aus Konzert und Instrumentenkunde geboten.
Los ging es mit “Pièces pour la Muzette” des französischen Barockmusikers und Instrumentenbauers Jean Hotteterre (1677-1720). Hier überzeugte besonders Anton Säckl mit seinem schwungvollen und märchenhaften Spiel auf der C-Klarinette. Begleitet wurde er dabei von Andreas Düker auf der Barock-Theorbe. Hier lösten die beiden Musiker echtes Kopfkino aus. Man fühlte sich wie auf einem wahren Barockball und das Ambiente tat sein Übriges. Die Akustik im Parthenon-Saal ist nämlich sehr außergewöhnlich und bringt die speziellen Klangeigenschaften der historischen Instrumente richtig hervor! Vor allem die besonderen barocken Verzierungen auf Säckls C-Klarinette überzeugten das Publikum. Säckls historische C-Klarinette erklingt heller, ist aus Buchsbaum angefertigt und besitzt weniger Klappen.
Etwas mysteriöser wurde es anschließend bei Georg Friedrich Händels (1685-1759) “Chamber Airs” durch das langsamere Tempo. Die Atmosphäre änderte sich aber allmähliche durch die mäßigen und anmutigen Klänge der Theorbe. Und bei dem Lauten-Solo-Stück “Rinaldo: Lascia ch'io pianga”, ebenfalls von Händel, wurde Düker zum waschechten Barden. Mit viel Leidenschaft und Hingabe zupfte er die Saiten seiner Theorbe und überzeugte mit einigen virtuosen Passagen, ohne dabei den angenehmen Klangcharakter zu verlieren. “Rinaldo: Lascia ch'io pianga” wurde von Düker selbst zum Laute-Solo-Stück bearbeitet.
Mozart (1756-1791) hat zwar kein Stück für die Gitarre geschrieben, war aber ein Fan der Klarinette. Für seine “Wiener Sonatine Nr. 1” kam Anton Säckls Bassetthorn (Bassettklarinette) endlich zum Einsatz, bei welcher das Mundstück und Oberstück durch eine gewinkelte Birne verbunden ist. Und durch Andreas Dükers Einsatz der romantischen Gitarre namens “Rüdiger” von 1824, bekam Mozarts Stück eine neue Klangfarbe. Zusammen kreierten die beiden eine sehr idyllische Atmosphäre im Parthenon-Saal, die durch ein schneller werdendes Tempo auch zum Tanzen einlud.
Mit “Das kleine Vergissmeinnicht” präsentierte das Duo zudem das Werk eines Göttinger Komponisten und Instrumentenbauers: Johann Heinrich Gottlieb Streitwolf, der unter anderem auch für Gitarre komponiert hat. Auch hier strich Düker die Saiten sehr sinnlich, während Säckl sehr gefühlvoll und leidenschaftlich mit der Zunge schnalzte, überblies oder pustete und eine sehr kantable Melodie vorspielte.
Zum krönenden Abschluss gab es das dramatischste Stück des SAITENWECHSELs: Georg Philipp Telemanns (1681-1767) “Sonate für Bassetthorn & Basso Continuo TWV 41:f1”. Hier vermittelten die beiden ein größeres Spektrum an Gefühlen.: Die langsame melancholische “Triste” Atmosphäre schlug um in ein feuriges Allegro und ein äußerst lebhaftes Vivace, bei welcher Düker seine Theorbe beinahe schon wie ein Banjo spielte.
Mit »SERENATA - Musik für historische Klarinetten« sorgten die “Herren der historischen Instrumente” für viel Freude im Parthenonsaal. Andreas Düker tobte seine Fingerfertigkeit auf der Theorbe richtig aus, während Anton Säckl das Publikum verzauberte mit seinen anmutigen Klängen auf der C-Klarinette und dem Bassetthorn.