Verspielt, naturverbunden, erotisch, und besonders fantasievoll. Dies sind nur einige Adjektive, um die Kunstwerke des freischaffenden Grafikers Udo Timmermann zu beschreiben. Vom 16. August bis 14. September präsentiert die Torhaus-Galerie in einer umfassenden Werkschau die Arbeiten von Timmermann unter dem passenden Titel »Grafik(er)leben«.
Udo Timmermann wurde 1956 als Sohn einer Zeichenlehrerin und eines Buchdruckers geboren. Seine künstlerische Ader lag ihm somit schon immer Blut. Neben seinem freischaffenden “Grafikerleben” war Timmermann von 1982 bis 2017 als Mediaberater beim Göttinger Tageblatt tätig.

Breites Spektrum an künstlerischen Ausdrucksformen
Die Ausstellung umfasst ein breites Spektrum seiner künstlerischen Ausdrucksformen - von Aquarellen, Radierungen und Federzeichnungen bis hin zu dreidimensionalen Assemblagen, Mischtechniken und Collagen. “Jedes Mal entdeckt man etwas neues,” erklärt Peter Peters vom Göttinger Verschönerungsverein e.V. Und so ist es auch, denn Udo Timmermann verbindet seine Federzeichnungen mit Zeitungsausschnitten, Vogelfedern, Baumrinde, Kugelhülsen und vielen anderen Objekte und macht daraus einzigartige und vielfältige Collagen. Das Gesamtbild bildet sich oftmals erst nach dem dritten oder vierten Betrachten und macht die Ausstellung somit besonders spannend!
Erotische Pin-ups
Nackte Körper und detaillierte Darstellungen von Bauwerken oder Bäumen. Diese Elemente finden sich in allen Zeichnungen von Timmermann Werken wieder. Die eleganten Posen und Darstellungen der nackten Frauenfiguren wecken Assoziationen zu Pin-up-Motiven der 1940er-Jahre - leicht provokant, doch durchgehend visuell reizvoll. In vielen Motiven finden sich diese ästhetisch-anmutigen Zeichnungen von nackten Frauen und Männern.
Hang zum Surrealismus
In vielen seiner Bilder wird auch Timmermanns Hang zum Surrealen deutlich wie in seiner Schwarz-Weiß-Zeichnung »Baby«. Hier sehen wir im Hintergrund groß den Kopf eines Babys, der umgeben ist von einem Gewehr, einem abgestorbenen Baum und Atommüll. Dies wird alles in einer sehr surrealistischen und leicht apokalyptischen Aufmachung präsentiert und versetzt den Betrachter ins Staunen und erschreckt ihn gleichzeitig. Somit könnte man interpretieren, dass die nächste Generation in einer Welt aufwachsen muss, die geprägt ist von Kriegen, Umweltverschmutzung und Zerstörung.
Selbstironie und Huldigung Göttingens
Aber zu nihilistisch wird Timmermanns Ausstellung keineswegs. Bei der Assemblage »Augen zu und durch und die Zähne zusammenbeißen« beweist der Grafiker viel Humor. Timmermann hatte nämlich große Zahnprobleme und hat dies selbstironisch in seinem Werk thematisiert. In diese Collage integrierte Timmermann seine gezogenen Zähne und einen Gipsabdruck seines Gebisses.
Und mit »Göttinger Zettel I-III« huldigt er nochmal unsere Stadt in extravaganten Federzeichnungen: Wie in einem alten Geschichts- oder Sagenbuch berichtet er über viele berühmte Persönlichkeiten aus Göttingen wie Werner Heisenberg, und führt uns zu verschiedenen bekannten Orte wie dem Alten Rathaus, der Gänseliesel oder dem Bismarckturm.
Feingliedrige Zeichnungen, durchzogen von surrealen Elementen und subtiler Erotik. Kunstliebhaber und alle, die handgemachte grafische Techniken bestaunen möchten, sollten sich die Ausstellung »Grafik(er)leben« somit keinesfalls entgehen lassen! Die Ausstellung ist jeweils samstags und sonntags von 15.00 bis 17.00 Uhr offen.