Yoav Levanov mit dem Göttinger Symphonieorchester | Photos: Wortmann
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Göttinger Symphonieorchester

Ein jugendlicher Sturm – Rachmaninows 1. Klavierkonzert mit Yoav Levanon 

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Matinee in der Stadthalle mit der Gastdirigentin Katharina Müllner
von Jens Wortmann, erschienen am 07. April 2025

Ein Sonntagmorgen voller Klangfarben: Die Matinee des Göttinger Symphonieorchesters in der Stadthalle zeigte eindrucksvoll, wie musikalische Dramatik und poetische Tiefe schon am Vormittag ein ganzes Publikum in ihren Bann schlagen können. Im Mittelpunkt stand Sergei Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 1 in fis-Moll op. 1, interpretiert vom jungen israelischen Pianisten Yoav Levanon, begleitet vom Göttinger Symphonieorchester unter der souveränen Leitung von Katharina Müllner.

Rossini, Rachmaninow und der große Bogen

muellner gso650Eröffnet wurde das Konzert mit der spritzigen Ouvertüre zu Rossinis Oper »Semiramide« – ein brillanter Auftakt, bei dem Dirigentin Katharina Müllner das Orchester mit unaufgeregter, eleganter Leichtigkeit durch Rossinis feurige Koloraturen und dynamische Kontraste führte. Die Spielfreude des Orchesters war dabei ebenso spürbar wie Müllners Fähigkeit zur klaren Gestaltung. Besonders spielfreudig fiel Lena Beitelhoff mit ihrem Solo an der Piccoloflöte auf.

Doch dann kam der musikalische Höhepunkt des Vormittags: Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 1 – ein Werk, das oft im Schatten seiner späteren Konzerte steht, aber in dieser Aufführung ganz eigene Größe entfaltete.

Ein Feuer, das aus der Tiefe kommt

Yoav Levanon trat zurückhaltend, ja geradezu bescheiden auf, setzte sich vorsichtig an den Flügel – und spielte dann mit dem Temperament eines jungen Genies. Vom ersten Akkord an war klar: Hier sitzt kein bloßer Virtuose, sondern ein Erzähler. Die donnernden Oktavpassagen des ersten Satzes wechselten sich ab mit fein nuancierten Melodielinien, denen Levanon eine berührende Wärme verlieh. Besonders im Andante ließ er Rachmaninows melancholisches Singen förmlich schweben – mit glasklarem Anschlag und tiefer innerer Ruhe.

Im Finale wurde es dann orchestral: Müllner und das GSO spannten gemeinsam mit dem Solisten einen weiten dramatischen Bogen. Fein abgestimmte Einsätze, schlank geführte Streicher und pointierte Bläser sorgten dafür, dass Levanons Spiel nie überdeckt, sondern getragen wurde.

Nachklang mit Chopin und musikalischer Reise durch den Osten

Der langanhaltende Applaus mündete in eine Zugabe, die Levanon mit scheinbarer Leichtigkeit zelebrierte: die fulminante Etüde Nr. 12 aus Chopins Op. 25, ein Werk von technischer Brillanz und zugleich emotionaler Tiefe – eine letzte Visitenkarte seines Könnens.

Im zweiten Teil der Matinee entführte das Orchester sein Publikum dann auf eine musikalische Reise durch den Osten Europas: Mit Borodins atmosphärischer »Steppenskizze aus Mittelasien« ließ Müllner einen fast filmischen Klangteppich entstehen, voller Weite und feiner Farbigkeit. Den Abschluss bildete Antonín Dvořáks selten zu hörende, aber eindrucksvolle Konzertouvertüre »Mein Heim« – ein klangmächtiges Bekenntnis zur böhmischen Heimatmusik, voller folkloristischer Melodik und sinfonischer Energie.

Das Göttinger Symphonieorchester war bestens aufgelegt und überzeugte in allen Stimmgruppen. Hervorgehoben seien aber die Instrumentalsoli von Manfred Hadaschik (Klarinette) sowie Michael Hintze und Kathrin Dushmalé (Horn).

Ein rundes Konzerterlebnis

Diese Matinee war mehr als ein klassisches Sonntagskonzert. Sie war dramaturgisch klug gebaut, technisch hochkarätig gespielt und emotional überzeugend gestaltet. Yoav Levanon erwies sich als herausragender Botschafter Rachmaninows – sensibel, leidenschaftlich und stets in Dialog mit dem Orchester.

Und Katharina Müllner führte das Göttinger Symphonie Orchester mit Präzision, Musikalität und einem feinen Gespür für Farben und Übergänge durch ein Programm, das den Bogen von der italienischen Oper bis in die russische Steppe spannte. Ein starker Vormittag, der in Erinnerung bleibt.

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