Cordula Stratmann und Michel Abdollahi | © Manga und Photo: Keanu Demuth
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Göttinger Literaturherbst

C wie Cordula! A wie Applaus!

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Cordula Stratmann, Michel Abdollahi »Wo war ich stehen geblieben?«
von Keanu Demuth, erschienen am 23. Oktober 2024

„Na, Sie sind mir vielleicht ein Zorro!“ Der Literaturherbst ging am 20. Oktober in die nächste Runde. Denn die Komikerin und Bestseller-Autorin Cordula Stratmann stellte in der Sheddachhalle ihr neues Buch vor, »Wo war ich stehen geblieben?« (dtv 2024). Ein selbst gestricktes A-Z zum Schmunzeln und Nachdenken. Zu diesem Anlass hat auch Fernsehmoderator und TV-Käpt‘n Michel Abdollahi ausnahmsweise die Kommandozentrale der U-434 verlassen. Und was hat das nun alles mit Zorro zu tun?

Cordula Stratmann ist nicht nur vielfach-ausgezeichnete Komikerin, sondern auch Familientherapeutin. Deshalb setzt sie sich in ihrem neuen Buch besonders mit der Kindererziehung und dem zwischenmenschlichen Miteinander auseinander. Darum gab es an diesem Abend viele interessante Diskussionen und Debatten zwischen Stratmann und dem deutsch-iranischen Moderator Michel Abdollahi, die zum Nachdenken anregten. Warum hat sie nun das Buch geschrieben, fragt sie Abdollahi. „Als prominenter Mensch soll man oft Stellung nehmen zu politischen und sozialen Themen,“ erzählt Stratmann. „Ich bin selbst nicht auf Social Media, also kann ich da keinen Bezug nehmen. Aber schon als Kind habe ich meine Gedanken aufgeschrieben. So entstand dann das Buch. Denn manche Themen machen mir echt sorgen. Ich habe besonders Angst, dass Menschen ihre Verbindung verlieren.“ Außerdem solle man nicht aufhören, sich selbst kritisch zu hinterfragen, besonders bei Werturteilen. „Ich hinterfrage mich oft selbst, ‚sind die denn wirklich so doff‘. Das trainiere ich bei mir!“

Um nochmal auf Zorro zurückzukommen: Im Fitnessstudio habe ein Mann Abdollahis Handtuch vom Sportgerät geworfen. „Der kann doch nicht einfach mein Handtuch runterwerfen!“ Der Störenfried habe dann das Handtuch aufgehoben und es sich an den Nacken gesteckt, also wie Zorro mit Cape. Anstatt mit Schimpfwörtern um sich zu werfen, riet Stratmann dann drollig zu sagen: „Na, Sie sind mir vielleicht ein Zorro!“ Dafür gabs Sonderapplaus, denn die beiden sorgten für echt lustige Momente.

Wie bei diesem Zorro solle man vor allem bei Jugendlichen der Generation Z nicht einfach so urteilen. Denn schließlich sind wir als Eltern und Vorbilder mitverantwortlich dafür, wie diese Generation heranwächst.

So Manches fängt ja schon mit der Namensfindung des Kindes an. Deshalb las sie zunächst sehr amüsant das Kapitel „C wie Cordula“ vor. Cordula, was für ein blöder Name, sagt sie und daran habe sich auch nichts geändert. „Beim Taufbecken dachte ich, ich hör wohl nicht richtig!“ Genauso wolle man wohl lieber auch kein „Horst“ oder „Vollhorst“ sein. Bei manchen Familien sei einfach der Wurm drin.

Auf C folgt bekanntlich E mit „E wie Elternliebe“. Sie kommt zu dem Schluss, dass Eltern einsehen müssten, dass Liebe absichtslos und keine Handelsbeziehung ist. Viele Eltern hätten heutzutage kaum noch Beziehung zu den jungen Menschen, verdeutlich die Familientherapeutin. Da erwidert Moderator Michel Abdollahi, ein jugendlicher Mitarbeiter habe sich kürzlich bei ihm entschuldigt, dass er zu spät gekommen sei, weil er „gesoffen“ habe. Da stellt sich natürlich die Frage, ist der Generation Z noch zu helfen? Zum Glück hat Abdollahi eine Lösung: Für tagsüber steht jetzt Bier in seinem Studio. Der kriegte sich so mancher Zuschauer kaum noch vor Lachen ein!

Für den Abschluss ging es zurück zum Anfang des Alphabets mit „A wie Applaus“! Cordula Stratmann hinterfragt ihre Bühnenauftritte und die Reaktionen des Publikums. Als Comedian macht man sich ja schließlich lustig über so manche Personengruppe. Und dabei sei die häufige Reaktion lautes Gelächter mit der Einstellung „Alle sind Idioten bis auf hier im Saal“. Da fragt sich Stratmann, „sind das nicht eure Kinder, über die ihr so lacht, die Gen Z?!“ Damit regte sie wohl so manche Person in der Sheddachhalle zum Nachdenken an.

Eine äußerst gelungene Mischung aus ernsten Themen und bissigen Witzen. Cordula Stratmanns Gedankengänge regen wirklich zum Grübeln an und zeigen uns, dass wir so manches Werturteil wirklich überdenken sollten.

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