Zwei talentierte Akrobaten erleiden Schiffbruch und stranden im WERKRAUM Göttingen! Luise Rist inszeniert ein komödiantisches Theaterstück mit Tanz und Musik, das in Kooperation zwischen dem boat people project und dem Theater 'Djarama' aus dem Senegal entstand. »Gentu Ndawu Africa: Der afrikanische Traum« feierte am 26. September Deutschlandpremiere im WERKRAUM.
Hibou (Kécouta Camara) und Arthur (Jean Louis Manga), zwei senegalesische Reisende, machen sich auf dem Weg nach Europa, geraten jedoch in einen Sturm. Sie stranden unerwartet an einem vertrauten Ort – der Küste ihres eigenen Dorfes, jedoch auf der Seite, auf der die “weißen” Toubabs leben. Ihre Reise wird zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Während Hibou und Arthur die Strapazen der Migration durchleben, beginnen sie, über die Unterschiede zwischen Afrika und Europa nachzudenken, und über das Minderwertigkeitsgefühl, das viele junge Menschen in Westafrika nach der Kolonialzeit prägt. Im Verlauf ihres Abenteuers entwickeln sie ihre ganz eigene Vision von einem neuen afrikanischen Selbstbewusstsein.
Selbstfindungsreise als akrobatische Komödie
Ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Identität verpacken die zwei Darsteller in einem sehr heiteren und komödiantischen Gewand. Dank ihrer akrobatischen Fähigkeiten und ihrem Slapstick Humor wissen Kécouta Camara und Jean Louis Manga von der ersten Minute an zu überzeugen. Ihre beeindruckenden Breakdance-Tanz- und Hebefiguren integrieren sie passend in die Handlung und paaren sie mit lustigen Slapstick-Einlagen. Mal schaukeln und tanzen sie während des Schiffbruchs wie Hip-Hop-Dancer, mal jonglieren sie wild mit ihren letzten Ressourcen, und plötzlich starten sie mit Trommeln einen selbstbewussten Senegalesen-Rap! Dies sind nur einige kleine Beispiele, denn das Stück brilliert mit vielen weiteren Tanzfiguren und Momenten, welche man unbedingt selbst anschauen muss! Ihr pantomimisches Spiel erinnert dazu an zeitlose Charlie Chaplin-Sketche und sorgt dafür, dass das Publikum stets bei Laune gehalten wird. Die Handlung somit von diesen Akrobatik- und Komikeinlagen vorangetrieben, was sehr erfrischend wirkt!
Gelungene multilinguale Bühnenausstattung
Die dunkle Bühne mit blauen Neonlichtern fängt sehr gut die Atmosphäre eines Schiffbruchs ein. Wir sehen Treibgut, ein Fischernetz und einen mystischen Baum, der später noch eine hitzige Diskussion über Spiritualität in Afrika und Europa auslöst. Auch die Sound- und Musikuntermalung mit Seemannsgarn löst eine Art Kopfkino beim Publikum aus. Die Dialoge von Kécouta Camara und Jean Louis Manga wechseln zwischen Wolof und Französich, und werden gleichzeitig auf einer Leinwand ins Deutsche übertitelt. Damit bleibt das Stück sehr authentisch und ist dennoch für ein breites Publikum zugänglich. Trotzdem sprechen die Tänze und Comedysketches oftmals schon für sich, sodass man auch ohne Untertitel der Handlung folgen kann.
Akrobatik und Komik mit Botschaft
Gentu Ndawu Africa ist ein ebenso humorvolles wie tiefgründiges Stück, das mit tänzerischer Leichtigkeit große Fragen nach Herkunft, Identität und Selbstwert verhandelt. Dank der beeindruckenden Akrobatik, des multikulturellen Settings und der klugen Komik gelingt eine eindrucksvolle Verbindung von Unterhaltung und kulturellem Anspruch. Ein Theaterabend, der lange nachhallt – nicht nur in den Lachmuskeln.