Am 9. März versammeln sich unter den hohen Decken der Jacobi Kirche die Jacobikantorei, ein Solistenquartett und das Göttinger Symphonieorchester: gespielt und gesungen werden Beethoven und Bruckner. Zu Recht endet der Abend mit Standing Ovations.
Während hinter den Buntglasfenstern der Jacobi Kirche der späte Nachmittag zum frühen Abend wird, erfüllen mächtige Klänge das Kirchenschiff: Unter Leitung des Kantors Stefan Kordes wird hier zunächst die Egmont-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven gespielt, darauf folgt Anton Bruckners f-Moll-Messe. Die Plätze sind so gut wie alle besetzt, noch an der Abendkasse herrscht Andrang. Andächtig lauscht das Publikum der Musik, die sie für rund anderthalb Stunden in ihren Bann zieht. Am Ende gibt es rauschendem Applaus und Standing Ovations.
Diversität und Debüts
Besonders ist die Diversität im Publikum und den Musizierenden. Alle Altersgruppen sind vertreten: die rund 120 Mitglieder große Jacobikantorei kann auch Studierende in ihren Reihen zählen, die sich auch auf den Bänken des Kirchenschiffes wiederfinden. Das Interesse an klassischer Musik verbindet die Generationen, von jungen Menschen bis älteren Herrschaften ist alles dabei. Ebenso gibt es eine Verbindung zwischen Bruckner und Beethoven: laut dem Dirigenten Herbert Blomstedt sei Bruckner der größte Sinfoniker seit Beethoven.
Die Zusammenarbeit zwischen der Kantorei und dem GSO - welches aus etwa 60 Musikern besteht - ist beeindruckend. Nicht nur aufgrund der großen Anzahl von Sängern und Instrumentenspielern, die perfekt koordiniert arbeiten, sondern vor allem durch die Klänge, mit denen sie gemeinsam die Kirche füllen. Dafür ist diese zweifellos der richtige Ort, mit ätherisch lassen sich die Harmonien treffend beschreiben. Das Solistenquartett mit Agnieszka Tomaszewska, Nicole Pieper, Sung min Song und Stephan Klamm brilliert ebenfalls. Für Tomaszewska und Klamm ist es ein mehr als gelungenes Debüt in St. Jacobi.
Politische Dimension
Beethovens Egmont-Overtüre, 1810 komponiert, ist Teil der Bühnenmusik zu Goethes Trauerspiel „Egmont” und gehört zu den bekanntesten Ouvertüren des Komponisten. Dem wird das GSO mehr als gerecht: Das Stück wirkt in seiner ganzen Dramatik, kraftvoll und mit einem triumphierenden Ende; schließlich behandelt Goethes Trauerspiel Freiheit in großem Stile. Eskapistisch ist der Abend keinesfalls: aktuelle politische Geschehe werden nicht vor dem Kirchenportal ausgesperrt. Bruckners f-Moll-Messe ist wohl eine der schönsten romantischen Messen überhaupt, sie endet passend mit „Dona nobis pacem” - der Bitte nach Frieden, die ihre Aktualität wohl nie verliert und auch in ihrer Notwendigkeit nichts eingebüßt hat.
Zentrum der Messe ist die Beschreibung der Menschwerdung, „Et incarnatus est”, die eine übernatürliche Stimmung und innere Ruhe ausstrahlt. Die „Gloria”- und „Credo”-Rufe wiederum haben einen positiven Effekt, der Wechsel zwischen den verschiedenen Tonhöhen und Stimmungslagen gelingt den Musizierenden nahtlos.
Rauschender Applaus
An das rauschende Konzert schließt sich rauschender Applaus an: Fast das ganze Publikum steht, wer nicht, der stampft lautstark mit den Füßen. Sichtlich gerührt freuen sich Orchester, Kantorei und Quartett sowie Dirigent über die Begeisterung der Zuhörer. Als diese in den frühen Sonntagabend strömen, hört man noch aus vielen Ecken Bewunderung.