„Die Artenvielfalt war im Pliozän deutlich höher als heutzutage,“ so der Kustos des Geowissenschaftlichen Museums, Dr. Alexander Gehler. „Wir befinden uns zeitlich vor Einsetzen der sich abwechselnden Kalt- und Warmzeiten des Pleistozäns. Deshalb finden wir wärmebedürftigere Arten, die später durch die verschiedenen Kaltzeiten aus unseren Breiten verschwanden,“ erklärt Gehler. Es lebten zu dieser Zeit zum Beispiel noch Termiten auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsen, die das Totholz am Boden verwerteten. Im Ufergestrüpp hofften Fangschrecken auf reiche Beute und urtümlich anmutende Riesensalamander bewegten sich gemächlich durch das Dickicht der Wasserpflanzen.
Seit mehr als hundert Jahren untersuchen Forschende der Universität Göttingen, teilweise in nationalen und internationalen Kooperationen, die Fossillagerstelle in Willershausen – nur 30 Kilometer von Göttingen entfernt. „Die Fundstelle ermöglicht einzigartige Einblicke in die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt in Niedersachsen vor rund drei Millionen Jahren,“ so der Kustos und Paläontologe. Deshalb widmet das Museum ihr auch eine Sonderausstellung. Eine große Zahl an gezeigten Funden ist hier erstmalig öffentlich zu sehen, üblicherweise werden die außergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien im Magazin aufbewahrt. Besucherinnen und Besucher können die Ausstellung montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr besichtigen. Der Eintritt ist frei.