Nach dem Gespräch mit Flötistin Bettina Bormuth über ihren Werdegang, stellt Ihnen nun Kulturbüro-Autorin Christiane Goos den Oboisten und GSO-Musiker Matthias Weiss vor.
1963 in Sulzbach Rosenberg geboren, wuchs Matthias Weiss als jüngstes Kind gemeinsam mit drei Geschwistern auf. Durch den Beruf seines Vaters sei er schon früh in Berührung mit Musik gekommen: „Da mein Vater Kirchenmusiker war, gab es das Selbstverständnis, dass jedes Kind ein Instrument erlernte.“ Eine wichtige und prägende Rolle spielte für Matthias Weiss aber zunächst der Gesang, denn es sei viel gemeinsam im Familienchor gesungen worden, unter anderem die Johannes Passion von Heinrich Schütz. Im Alter von 10 Jahren habe er schließlich im Kirchenchor seines Vaters Die Schöpfung von Haydn gesunden. Außer Matthias Weiss wählte auch sein Bruder den Beruf des Musikers, er ist Cellist im Münchener Kammerorchester.
Was aber gab den Impuls, was war die treibende Kraft, Musiker zu werden?
Impulsgebend sei letztlich die Zeit im bayerischen Landesjugendorchester gewesen. „Das gemeinsame Musizieren hat schon in der ersten Zeit meinen Wunsch befördert, Musiker zu werden.“ Es war also nicht nur das Spielen des eigenen Instruments, das Matthias Weiss faszinierte und inspirierte, sondern insbesondere das gemeinsame Erleben und Empfinden von Musik im Orchester. „Eigentlich hätte ich gerne Saxophon gelernt, ich wurde aber „überzeugt“, Oboe zu lernen.“ Am Saxophon faszinierte ihn damals vor allem der Klang: „Mein Ersterlebnis war Take five vom Jazzpianisten und Komponisten Dave Brubeck, ein Album, das ich auch heute immer wieder höre.“
Nach dem Abitur leistete Matthias Weiss Zivildienst beim Windsbacher Knabenchor und begann anschließend sein Studium am Richard-Strauss-Konversatorium in München. Sein zweites Probespiel absolvierte er erfolgreich beim Göttinger Symphonie Orchester – seit 1993 ist er Mitglied und begeistert das Publikum mit seinen Klangkünsten auf der Oboe.
Was fasziniert Matthias Weiss am Klang der Oboe und an klassischer Musik?
Das Besondere sei ihr „suggestiver Klang“. Er selbst sei gerade dabei, eine Barockoboe zu erwerben, weil ihn die klanglichen Möglichkeiten reizen: „Die Barockoboe wird viel Zeit in Anspruch nehmen, bevor ich meine ´Künste` öffentlich präsentieren möchte.“ Langfristig plane er aber natürlich, das Publikum an der Vielfalt ihrer Klänge teilhaben zu lassen, gerade angesichts der Tatsache, dass Bach sein Lieblingskomponist sei.
„Die Faszination von klassischer Musik liegt für mich in ihrer Vielfalt und doch auch Einzigartigkeit“, beschreibt Matthias Weiss die Wirkung von klassischer Musik. Er sei ein großer Bewunderer von David Oistrach, dessen Einspielung von Beethovens Frühlingssonate ihn tief berühre. Seine Lieblingswerke seien die Sinfonien von Gustav Mahler und Johannes Brahms – „Bach und Mozart bleiben jedoch unerreicht“.
Matthias Weiss´ Leidenschaft gilt aber auch der Filmmusik. Zu seinen Lieblings-Filmkomponisten zählen Bernhard Hermann, mit seiner Filmmusik zu Psycho und Vertigo, und Ennio Morricone – „Seine Musik zu Es war einmal in Amerika finde ich unglaublich berührend.“
Wird in ihrer Familie gemeinsam Musik gemacht?
In seiner Familie ist Matthias Weiss der einzige, der ein Instrument spielt, seine Frau und seine beiden Söhne haben in dieser Hinsicht keine musikalischen Ambitionen. Leider kommt Mattias Weiss heute zeitlich bedingt nicht mehr dazu, in einem Chor mitzuwirken. Einen Ausgleich zum musikalischen Alltag findet Matthias Weiss vor allem beim Kochen.
Ich danke Matthias Weiss für das schöne Interview, freue mich auf das nächste Konzert – und bin gespannt auf die Klänge der Barockoboe!