In der Reihe Berufe am Deutschen Theater stellt Kulturbüro-Autor Lukas Prießnitz Uta Knust und Christian Kociumaka vor. Die beiden sind Inspizient:innen am Deutschen Theater Göttingen.
Der Gong ertönt und die Zuschauer:innen begeben sich voller Vorfreude in den Theatersaal und nehmen Platz. In wenigen Augenblicken beginnt die Vorstellung. Während im Saal Ruhe einkehrt, ist ihre Arbeit im vollen Gange: Inspizient:innen verbinden die verschiedenen Bereiche des Theaters und sorgen so für einen reibungslosen Ablauf. Haben sie einen guten Job gemacht, bemerken die Zuschauer:innen sie nicht. Sie müssen sowohl technisch begabt und organisiert sein, als auch kreativ. Unter anderem muss aber auch Einfühlsamkeit und Ruhe zu ihren Stärken gehören.
Viele Wege führen nach Delphi, so auch zum Beruf der Inspizientin. Knust ist vor zwei Jahren in den Beruf gewechselt und arbeitete zuvor in der Bühnentechnik des DTs. Kociumaka hingegen war zuerst Regieassistent und dann Disponent, jedoch zog es ihn im Anschluss wieder zurück auf die Bühne. „Theater findet auf der Bühne statt, nicht im Büro.“, betont Kociumaka.
Inspizient:innen sind wie Dramaturg:innen oder auch Schauspieler:innen einem bestimmten Stück zugeteilt. Die Arbeit von Knust und Kociumaka beginnt am Tag der Konzeptionsprobe. An jenem Tag bekommt das Theaterstück ein Gesicht, da nun die Konzeption des Stückes besprochen wird, aber auch Kostüme oder das vorgesehene Bühnenbild. Unter Konzeption des Stückes muss die Art und Weise, wie es umgesetzt werden soll, verstanden werden. Zudem lesen alle, die am Stück mitwirken, den Text und besprechen wichtige Momente. Knust und Kociumaka halten dabei, im sogenannten Textbuch, die Eckpunkte und Cues der Besprechung fest, wodurch dieses zu ihrem wichtigsten Arbeitsutensil wird. Gleichermaßen wichtig sind bis zur Premiere ein Bleistift und ein Radiergummi. Denn erst mit Beginn der Premiere sind die einzelnen Abläufe und Zeichen festgesetzt.
Bei einem neuen Stück wird zunächst die Beleuchtung eingestellt. „Dann sitzt man da mal zwei Tage unten im Zuschauerraum und dann wird das Licht gebastelt, das ist ein ziemlicher Aufwand“ beschreibt Kociumaka. Manche Stücke haben einen hohen Belichtungswechselanteil. Gerade in solchen Stücken zeigt sich besonders gut, dass Inspizent:innen einem künstlerischen Beruf nachgehen. Außerdem wird hier auch die Verflechtung mit den anderen technischen Bereichen des Theaters sichtbar. „Alles geht Hand in Hand!“, so Knust. Die Arbeit an der Beleuchtung gehört zwar zu ihren Aufgaben, jedoch delegieren sie die eigentliche Umsetzung und Ausführung an die Techniker:innen weiter.
Von Beginn der gesamten Arbeit an stellen Inspizient:inne für die anderen Mitarbeiter:innen eine Art Knotenpunkt dar. Wenn einer der Kostümbildner beispielsweise eine Frage hinsichtlich des besten Zeitpunktes für einen Kostümwechsel hat oder eine Bühnentechnikerin eine Frage zum Ablauf, fragen sie Knust oder Kociumaka um Rat und Hilfe. Mithilfe des Textbuches verfügen die beiden Inspizient:innen über alle Infos zum Stück und sind somit die Anlaufstelle Nr.1 bei Fragen oder Problemen. Über ihre Schaltzentrale können sie mit dem ganzen Haus in Verbindung treten und so auch kurzfristig Änderungen vornehmen oder Anfragen weiterleiten.
Nach abgeschlossener Probe und Beendigung aller Vorbereitungen wird es auch für die Inspizient:innen nochmal besonders spannend. Am Abend der Vorstellung müssen sie auf alles vorbereitet sein. Keine Vorstellung ist wie die Andere und alles ist live, merken beide an. Kurz bevor sich der Vorhang hebt und die Vorstellung ihren Lauf nimmt, kommen nochmal alle Aspekte des Inspizient:innen-Berufes zusammen. Aus den einzelnen Bereichen kommen die Mitarbeitenden mit Fragen zu ihnen, die Regie ändert noch Details. Eventuell nehmen sie auch selbst Anpassungen vor. Zudem muss zu diesem Zeitpunkt auch kommunikatives Fingerspitzengefühl gezeigt werden. Schauspieler:innen sollten eventuell nicht vor der Aufführung angesprochen werden, Techniker:innen möchten nicht nur herumkommandiert werden und auch der Regie dürfen keine kurzfristigen Änderungen abgeschlagen werden. Inspizient:innen sind der Ruhepol unter den Mitarbeiter:innen während einer Vorstellung. Des Weiteren liegt die Entscheidungshoheit bei ihnen. Wenn eine Schauspielerin oder die Technik ausfällt wird zwar in Absprache mit der Abendspielleitung oder der Regieassistenz eine Entscheidung evaluiert, allerdings müssen Inspizient:innen die Entscheidung treffen und verantworten. Obwohl diese Mischung aus Ruhe vermitteln und Entscheidungen treffen aufreibend und Kräftezehrend sein kann, finden Knust und Kociumaka ihren Beruf gut, da sie am ganzen Schaffungsprozess eines Stückes teilhaben können, schildert Knust begeistert.
In der Beschreibung der Stellenausschreibung von Uta Knust stand, dass Inspizient:innen die Schnittstelle von Kunst und Technik darstellen. Eine passende Beschreibung, wie beide schmunzelnd zustimmen.
Deswegen halten Inspizient:innen das Theater zusammen!