Der Göttinger Musiker und Organisator Jürgen Könnecke feiert heute, am 4. Mai, seinen 90. Geburtstag. Im Göttinger Musikleben der vergangenen Jahrzehnte hat er mit seiner Begeisterung für die Musik, vor allem für die Alte Musik, immer wieder Dinge in Bewegung gebracht und damit andere Menschen angesteckt.
Geboren wurde er am 4. Mai 1931 in Görlitz. In der Nachkriegszeit machte er eine Ausbildung zum Grund- und Hauptschullehrer und unterrichtete anfangs an einer kleinen Dorfschule. Doch diese „Zwergschulen“ gingen bald schon in großen Schulzentren auf, die größere Regionen versorgten. Das war für Jürgen Könnecke Anlass, sich neu zu orientieren: Er wurde Sonderschullehrer und war überdies in der Lehrerausbildung aktiv. Dabei hat er übrigens auch den kürzlich verstorbenen Lehrer und Kabarettisten Glenn Walbaum pädagogisch betreut.
Die Musik war aber immer seine Leidenschaft. Als er pensioniert wurde, konnte er sich dieser Liebe gänzlich widmen – sowohl im eigenen Musizieren als Cellist als auch in der Beschäftigung mit der historischen Aufführungspraxis. Darin bildete er sich unter anderem in Kursen weiter, etwa bei den Internationalen Sommerkursen in der DDR im Kloster Michaelstein bei Blankenburg, die von Eitelfriedrich Thom geleitet wurden.
Natürlich hat Jürgen Könnecke sein Cello nicht nur im stillen Kämmerlein zu Hause gespielt. Er gehört zu den Gründern des Orchesters Göttinger Musikfreunde, das 1982, vor knapp 40 Jahren, von ihm zusammen mit Bettina Lange-Malecki, Werner Lamke und anderen ins Leben gerufen wurde. In diesem Orchester war er lange Jahre eine der treuesten Stützen der Cello-Gruppe. Der Göttinger Förderkreis Alte Musik e. V. wurde von Jürgen Könnecke zur Belebung der Alte-Musik-Szene ins Leben gerufen; inzwischen hat sich dieser Verein umorganisiert und heißt nun „Göttinger Konzertverein Alter Musik e. V.“. Die Kulturdatenbank vermeldet dazu schlicht: „Wir veranstalten Konzerte im Bereich der Alten Musik in Göttingen.“ Derzeit freilich liegen die Vereinsaktivitäten coronabedingt auf Eis – alle Konzertveranstalter warten sehnlichst darauf, dass Live-Veranstaltungen wieder möglich werden. In der Vergangenheit hat der Verein bereits etliche namhafte Künstlerinnen und Künstler nach Göttingen einladen können, etwa den britischen Geiger John Holloway, den Cellisten und Gambisten Siegfried Pank oder das englische Barock-Ensemble „The Red Priests“, benannt nach dem Spitznamen Antonio Vivaldis „Il Prete rosso“. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass Jürgen Könneckes Ehefrau Hanna Könnecke ihm bei all diesen Unternehmungen tatkräftig und initiativ zur Seite stand und steht.
Das gilt auch für die Organisation von Barockmusik-Kursen in Göttingen, zu denen abermals namhafte Musiker hierher verpflichtet werden konnten, darunter etliche aus der Weimarer Region. Auch jenseits der Arbeit mit dem Konzertverein hat Jürgen Könnecke viele, viele Kammermusik- und Orchesterkonzerte in Göttingen und in der Region veranstaltet. Und er organisiert bereits sein 1998 die Arbeit des Instrumentalensembles „Concertino Göttingen“, das in unterschiedlichen Besetzungen vom Barockorchester über Kammerorchester (mit modernem Instrumentarium) und – durch Holz- und Blechbläser erweitert – bis zum Sinfonieorchester musiziert. Dieses Orchester rekrutiert sich vorwiegend aus Musikpädagoginnen und -pädagogen, die in Südniedersachsen an Schulen und privat unterrichten.
Das alles klingt so, als sei Jürgen Könneckes Horizont auf den Musikerhimmel beschränkt. Doch das ist nicht der Fall. Des Cellisten Herz schlägt auch für den Naturschutz, etwa für die Bewahrung der Rotmilan-Population in der Region Göttingen, für die politische Bildung in der Grundschule, für Volkstanz – und für seine große Familie. Seinen 90. Geburtstag wird er mit seiner Frau im Kreise seiner drei Kinder und zahlreichen Enkelkinder feiern, von denen coronabedingt nicht alle persönlich dabei sein können. Aber die Glückwünsche der Familie und der Göttinger Musikerinnen und Musiker werden den Jubilar sicher auch irgendwie erreichen – ganz im Sinne von Martin Luther, der soeben am Sonntag Cantate von vielen Kirchenkanzeln zitiert wurde: „Die Musik ist die beste Gottesgabe. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger, vernünftiger macht.“