Was tun, wenn eine Jury etwas Richtiges entschieden hat und ein Minister es wieder umdreht? Man liest. Im Buchladen Rote Straße am Nikolaikirchhof beginnt eine Reihe von Solidaritätslesungen – mit vier Autor:innen, die eine klare Haltung haben und sie in Göttingen vorlesen.
Rückenwind aus der Literaturwelt
Der Buchladen Rote Straße war von der Jury des Deutschen Buchhandlungspreises 2026 zur Auszeichnung empfohlen worden – doch der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien schloss die Göttinger Buchhandlung zusammen mit zwei weiteren aus dem Verfahren aus. Die betroffenen Buchhandlungen haben angekündigt, rechtlich vorzugehen.
Die Antwort der Literaturwelt kam prompt. Unter dem Motto „In Solidarität mit dem Buchladen Rote Straße" kommen mehrere Autor:innen nach Göttingen, um zu lesen. Der Eintritt ist bei allen Veranstaltungen frei; Spenden für die Prozesskosten werden erbeten.
Den Anfang macht Sibel Schick
Am Mittwoch, 13. Mai, 19:00 Uhr, liest Sibel Schick aus ihrem neuen Buch »Mein Körper – wessen Entscheidung? Warum wir reproduktive Gerechtigkeit brauchen« (S. Fischer, Februar 2026). Die in Antalya geborene Autorin und feministische Journalistin – bekannt durch ihre Texte für die taz und den Newsletter Saure Zeiten – verbindet darin eine lebensbedrohliche persönliche Erfahrung mit politischer Analyse: Wer darf über Körper entscheiden, und wer nicht?
Ein Doppelabend am 15. Mai
Zwei Tage später, am Freitag, 15. Mai, 19:30 Uhr, lesen Esther Dischereit und Hengameh Yaghoobifarah gemeinsam. Dischereit, Lyrikerin und Erzählerin der zweiten Shoa-Generation, stand mit ihrem Roman »Ein Haufen Dollarscheine« (2025) auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse; 2009 erhielt sie den Erich-Fried-Preis. Yaghoobifarah, Redakteurin beim Missy Magazine und Autorin des SPIEGEL-Bestsellers »Ministerium der Träume« (2021), hat zuletzt mit »Schwindel« (2024) eine pointierte Erkundung queerer Liebes- und Beziehungskonstellationen vorgelegt.
Jina Khayyer zum Abschluss
Den Abschluss der Reihe bildet am Mittwoch, 10. Juni, 19:30 Uhr, ein Abend mit Jina Khayyer. Die Schriftstellerin, Malerin und Journalistin iranischer Herkunft lebt in Paris und der Provence und schreibt unter anderem für das ZEITmagazin und die französische Tageszeitung Libération. Mit »Im Herzen der Katze« (Suhrkamp, 2025) legt sie ein eindringliches Romandebüt vor: eine autofiktionale Reise durch den Iran, die persönliche Erinnerungen mit dem Tod von Jina Mahsa Amini 2022 und der Grünen Bewegung 2009 verwebt. Das Buch wurde mit dem Preis des Hamburger Literaturhauses ausgezeichnet.
Alle drei Lesungen finden im Buchladen Rote Straße, Nikolaikirchhof 7, statt. Eintritt frei; Spenden für die Prozesskosten der betroffenen Buchhandlungen sind willkommen.
Was ist der Deutsche Buchhandlungspreis – und was bedeutet es für eine unabhängige Buchhandlung, ihn zu erhalten oder ausgeschlossen zu werden? Und welche Rolle spielen politisch engagierte Autor:innen wie Schick, Dischereit und Yaghoobifarah in einer Debatte, die weit über Göttingen hinausgeht?
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