Nach einer erneuten Variantenprüfung empfiehlt die Stadt Göttingen, das Deutsche Theater in drei Abschnitten zu sanieren. Das Konzept verzichtet auf einen externen Interimsbau, verspricht mehr Flexibilität im laufenden Betrieb – und wirft zugleich Fragen nach Zeit, Finanzierung und kulturpolitischer Verlässlichkeit auf.
Die Sanierung des Deutschen Theaters Göttingen bleibt eines der großen kulturpolitischen Themen der Stadt. Nach einer im Sommer 2025 angestoßenen Variantenprüfung liegt nun eine neue Empfehlung vor: Das Haus soll in drei Abschnitten saniert werden. Erarbeitet wurde das Konzept von der Wolff Gruppe in enger Abstimmung mit Theater und Stadtverwaltung. Die veranschlagten Gesamtkosten liegen bei rund 168 Millionen Euro.
Geprüft wurden drei unterschiedliche Szenarien. Während eine reine Bestandssanierung ohne Neubauten ebenso verworfen wurde wie eine Lösung mit zwei dauerhaft getrennten Spielstätten, empfiehlt die Stadt nun eine Variante, die eine zweite Spielstätte direkt am bisherigen Standort der Theaterwerkstätten vorsieht. Der entscheidende Unterschied zu früheren Planungen: Ein externer Interimsbau außerhalb des Areals wäre nicht mehr notwendig. Stattdessen soll ein Neubau entstehen, der sowohl als zusätzliche Bühne als auch während der Bauphasen als Ausweichspielstätte dient.
Das Konzept sieht eine abschnittsweise Umsetzung vor. Zunächst sollen technische Infrastruktur, Außenhülle, Bühnentechnik sowie Werkstätten teilweise ausgelagert und neu organisiert werden. In einem zweiten Schritt ist der Neubau einer Raumbühne anstelle des bisherigen Werkstattgebäudes vorgesehen, verbunden mit der Sanierung der Tiefgarage. Erst im dritten Abschnitt würde das historische Hauptgebäude umfassend saniert und umgebaut. Ziel ist es, Eingriffe in die denkmalgeschützte Substanz möglichst gering zu halten und den Spielbetrieb über weite Strecken aufrechtzuerhalten.
Die Wolff Gruppe, die in Göttingen auch für die Planung der laufenden Sanierung des Jungen Theaters verantwortlich ist, betont den Charakter des Konzepts als steuerbaren Rahmen. Die abschnittsweise Umsetzung ermögliche es, auf haushaltspolitische Entwicklungen zu reagieren und einzelne Bausteine unabhängig voneinander voranzubringen.
Kulturpolitisch markiert die neue Empfehlung einen erneuten Anlauf nach einem bewegten Jahr. Bereits 2024 waren umfassende Sanierungspläne öffentlich vorgestellt worden, wurden jedoch kurz darauf wieder relativiert, als sich die finanzielle Lage der Stadt weiter zuspitzte. An der grundsätzlichen Herausforderung hat sich seither wenig geändert: Göttingen kann ein Projekt dieser Größenordnung nicht allein finanzieren. Entsprechend wird die Einwerbung von Landes- und Bundesmitteln erneut als zentrale Voraussetzung benannt. Nach Informationen aus dem Umfeld der Planungen laufen hierzu Gespräche mit dem Land Niedersachsen.
Gleichzeitig wächst der Druck, handlungsfähig zu bleiben. Aus Sicherheits- und Betriebsgründen seien Aufschub und Stillstand keine Option, heißt es aus der Stadtverwaltung. Bereits im laufenden Jahr werden Sanierungsmaßnahmen umgesetzt, um den Betrieb zu sichern. Der nun empfohlene Masterplan soll darüber hinaus eine langfristige Perspektive eröffnen – auch für die Rolle des Theaters als prägender Ort in der Innenstadt.
Ob die neue Etappierung tatsächlich den Weg aus dem planerischen und finanziellen Stillstand weist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Zunächst beraten der Sanierungsbeirat des Deutschen Theaters sowie der städtische Bauausschuss über die Vorlage. Die Entscheidung ist damit noch nicht gefallen – wohl aber ein weiterer Schritt in einem Prozess, der das Theater und die Stadt seit Jahren begleitet.