Im Landkreis Göttingen wird wieder gerechnet – und die Kreismusikschule gerät ins Visier möglicher Sparmaßnahmen. Eine Online-Petition fordert ihren Erhalt. Doch hinter der Debatte steht mehr als die Frage nach einem Posten im Haushalt.
Musikschulen lassen sich schwer in Zahlen fassen. Sie produzieren keine Rendite, sondern Erfahrungen: Ausdauer, Konzentration, Selbstvertrauen. Wer ein Instrument lernt, erfährt Selbstwirksamkeit – Üben führt zu Fortschritt. Im Ensemble entsteht Verantwortung für das eigene Tun und für das Zusammenspiel. Man hört einander zu, reagiert, ordnet sich ein, ohne sich aufzugeben. Demokratische Prinzipien werden hier nicht diskutiert, sondern praktiziert.
Die Kreismusikschule Göttingen ist für viele Familien im Landkreis die einzige öffentlich zugängliche Möglichkeit qualifizierten Musikunterrichts. Sie kooperiert mit Kitas und Schulen, bietet Frühförderung, Instrumental- und Ensembleunterricht. Gerade im ländlichen Raum ist sie ein kultureller Anker. Private Alternativen sind rar oder teuer.
In der Petition wird unter anderem argumentiert, man brauche dieses Angebot als Alternative zur digitalen Dauerbeschäftigung von Kindern. Das greift zu kurz. Musikunterricht ist kein Gegenprogramm zum Smartphone, sondern ein eigenständiger Bildungsraum. Er fördert Persönlichkeit, Gemeinschaftssinn und kulturelle Teilhabe – unabhängig von tagespolitischen Debatten.
Natürlich kostet eine Musikschule Geld. Doch entscheidend ist die Gegenfrage: Was kostet es, wenn sie fehlt? Wenn Kooperationen enden, Ensembles zerfallen, niedrigschwellige Zugänge zur Kultur wegfallen? Öffentliche Musikschulen sind Teil kommunaler Bildungsinfrastruktur. Wer hier spart, spart an Teilhabe.
Die Petition „Rettet unsere Kreismusikschule!“ (https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-unsere-kreismusikschule) zeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger den Wert dieser Einrichtung erkennen. Es wäre klug, ihn auch politisch ernst zu nehmen.
Eine Kreismusikschule ist kein Luxus. Sie ist ein Versprechen, dass Bildung mehr bedeutet als messbare Leistung – und dass eine Region bereit ist, in ihre kulturelle Zukunft zu investieren.