Justus Friedrich Eichhorn (15) aus Weimar zählt zu den herausragendsten Musiktalenten seiner Generation. Seit seinem zehnten Lebensjahr fasziniert er international mit seiner ausdrucksstarken Musikalität und brillanten Technik das Publikum.
Am 16. November 2025 spielt Justus Friedrich Eichhorn bei der Sonntagsmatinee in der Stadthalle Göttingen. Aus diesem Anlass gibt Ihnen Anjuschka Zahn die Gelegenheit den jungen Pianisten vorab näher kennenzulernen.
Hallo Justus. Seit deinem zehnten Lebensjahr begeisterst du bereits die Menschen mit deiner Musik. Wann hast du deine Leidenschaft für das Klavier entdeckt?
Ich wurde in eine Musikerfamilie geboren, und ein Klavier stand von Anfang an in unserem Wohnzimmer. Bereits im ganz jungen Alter war ich fasziniert vom Klang, aber auch von der Mechanik dieses Instruments, sodass ich von klein auf viel improvisiert habe.
Was fasziniert dich am Klavierspielen am meisten?
Mich begeistert der Klang und das Repertoire des Klaviers. Es gibt so viele fantastische Werke für Klavier solo oder im Zusammenspiel mit anderen – Klavierkonzerte und Kammermusik. Als Harmonieinstrument bietet das Klavier die Möglichkeit, ein ganzes Orchester und viele Stimmen hörbar zu machen. Das haben zum Beispiel Liszt und Bach in vielen ihrer Klavierwerke realisiert.
Welche Bedeutung hat die Musik für dich persönlich?
Über die Musik kann man Geschichten erzählen und Emotionen teilen, für die man keine Worte braucht – oder für die es zum Teil gar keine Worte gibt. Musik kann Menschen besondere Erlebnisse bescheren.
Was ist für dich am wichtigsten: die Technik oder das musikalische Gefühl?
Man braucht die Technik, um das musikalische Gefühl richtig ausdrücken zu können. Insofern gehören Technik und Ausdruck untrennbar zusammen. Durch die Technik gelingt es, das, was ich innerlich höre, auf dem Instrument klanglich abzubilden.
In deinem Leben hast du schon viele Klavierkonzerte gespielt. Hast du ein Lieblingsstück?
Eigentlich ist es immer das Stück, das ich gerade spiele, aber ich liebe insbesondere das zweite Klavierkonzert von Rachmaninow und freue mich darauf, es bald zu spielen.
Was ist das schwierigste Stück, das du bisher gespielt hast?
Rein technisch gesehen sind zahlreiche Werke von Liszt – wie die zweite Ballade, der Mephisto-Walzer und die Etüden – sehr anspruchsvoll. Vor allem auch, auf den zweiten Blick, viele Etüden von Czerny, an denen man zahlreiche Bewegungsabläufe perfektionieren kann.
Gibt es einen Komponisten, dem du dich besonders verbunden fühlst – und weshalb?
Besonders mag ich Beethoven und Liszt. Beethoven erschafft aus ganz simplen musikalischen Motiven große Klangwelten. Beethoven und Liszt sind beide große Erfinder, die das Klavierspiel und die Musik wesentlich weiterentwickelt haben. Der Ausdruck dieser beiden Komponisten spricht mich besonders an.
Komponierst du auch eigene Musik?
Ich improvisiere viel, und ab und an führt das zu einem eigenen Stück. Häufig spiele ich als Zugabe mein Stück Skyscrapers in New York, das stilistisch in Richtung Popmusik geht.
Wie fühlt es sich für dich an in jungen Jahren schon so berühmt zu sein?
Es freut mich, wenn ich meine Musik mit vielen Menschen teilen kann. Dazu tragen auch die sozialen Netzwerke bei: Unter „justus.pianist" veröffentliche ich regelmäßig Videos auf Instagram, Facebook und YouTube. Es ist erstaunlich, wie viele junge Menschen man so mit klassischer Musik erreichen kann.
Du hast bereits mit renommierten Orchestern wie den Moskauer Solisten, dem Korean Chamber Orchestra und der Camerata Prag gespielt. Gibt es ein Konzert, das für dich am bedeutendsten war?
Viele Konzerte sind mir in besonderer Erinnerung, zum Beispiel meine ersten Auftritte in Korea und China. Dort ist der Enthusiasmus für klassische Musik außergewöhnlich. Besonders bedeutend war jedoch mein erster Auftritt mit Orchester: Mit zehn Jahren durfte ich das Klavierkonzert in D-Dur von Haydn spielen. Dieses Konzert hat mir so viel Freude bereitet.
Ein Konzerttag ist bestimmt sehr aufregend. Hast du ein bestimmtes Ritual vor einem Aufrtritt?
Am Konzerttag versuche ich, so lange wie möglich auszuschlafen. Nach einem guten Frühstück folgt eine intensive Übe-Session. Nachmittags mache ich noch einmal einen Mittagsschlaf, bevor ich mich vor dem Konzert richtig „heiß" spiele. Und dann esse ich stets eine Banane vor dem Auftritt.
Unter den vielen internationalen Auszeichnungen, die du erhalten hast – welche sticht für dich besonders hervor und warum?
Ich habe es als große Auszeichnung empfunden, dass ich von so großartigen Musikern wie Sir András Schiff, Christoph Eschenbach, Alfred Brendel und Daniel Barenboim zu Unterrichtsstunden eingeladen wurde. Das hat mich noch mehr gefreut als Wettbewerbspreise.
Seit 2019 studierst du bei Prof. Grigory Gruzman am Musikgymnasium Schloss Belvedere Weimar. Dort lernst du auch dirigieren - wie gefällt es dir?
Das Dirigieren fasziniert mich sehr – erstens wegen der fantastischen Orchesterwerke (gerade haben wir im Unterricht die erste Sinfonie von Beethoven durchgenommen), und zweitens, weil man dabei so viel über Musik im Allgemeinen lernt. Darüber hinaus ist das gemeinsame Musizieren mit anderen Menschen ein besonderes Vergnügen – deshalb liebe ich auch Kammermusik.
Du bist als gefragter Pianist viel auf Reisen. Wie kann ich mir einen normalen Tag von dir vorstellen?
Ein normaler Tag ist ein Schultag. Ich fahre früh mit dem Fahrrad zum Musikgymnasium in Weimar. Nach der Schule komme ich nach Hause und verbringe den Großteil des Tages mit Üben oder Vorspielen. Ich trainiere dabei auch die Konzertsituation, indem ich mein Programm vollständig durchspiele. Am frühen Abend gehe ich zwei- bis dreimal wöchentlich zum Sport. Und natürlich gibt es einiges für die Schule vorzubereiten. Zum Glück habe ich von der Schule einen Sonderstundenplan bekommen, der mir viel Übezeit ermöglicht.
Wie viel Zeit widmest du täglich dem Üben?
Der Großteil des Tages dreht sich – neben der Schule – um die Musik. Einerseits übe ich am Instrument, andererseits höre ich viel Musik oder mache Solfège (Gehörbildung).
Neben der Musik – welches Fach interessiert dich in der Schule am meisten?
Sport auf jeden Fall – darüber hinaus interessiere ich mich für Geschichte und Politik.
Hast du noch eine weitere Leidenschaft bzw. ein Hobby?
Ja, ich spiele Fußball im Verein und bin begeisterter Skifahrer.
Hast du eine Idee, welchen Beruf du ausüben würdest, wenn Musik keine Rolle spielen würde?
Vergangenes Jahr hatte ich ein Konzert beim deutschen Botschafter in Seoul. Da habe ich mir gedacht: Botschafter ist ein toller Beruf! Viele Länder und Kulturen kennenlernen – alle paar Jahre ein ganz neues Umfeld!
Ein anderer Beruf, der mich faszinieren könnte, wäre Restauranttester, denn ich begeistere mich sehr für gutes Essen.
Welche Ziele oder Wünsche hast du für die Zukunft?
Ich wünsche mir, Musik in schönen Sälen mit wunderbaren Künstlern zu machen und dem Publikum dabei ein besonderes Erlebnis zu bereiten.
Welche Worte würdest du jungen Pianisten mitgeben, die noch am Anfang stehen?
Das Wichtigste ist die Liebe zur Musik – und ein sinnvolles Üben.
Herzlichen Dank für den persönlichen Einblick in dein Leben!
Wenn Sie Justus Friedrich Eichhorn am 16.11.2025 in der Stadthalle Göttingen live spielen hören wollen, gelangen Sie hier zu den Tickets. Ansonsten können mehrere Konzerte auch auf seinen Social-Media-Kanälen (justus.pianist) angesehen werden.