Wie andere Kultureinrichtungen auch, befindet sich das Junge Theater Göttingen in den Theaterferien. Bevor die Spielzeit 2024/25 am 17. August mit der Wiederaufnahme von dem Familienstück »Das Neinhorn« von Marc-Uwe Kling beginnt, gab Intendant Nico Dietrich einen Rückblick über die vergangene Spielzeit.
Dieser beginnt mit zunächst erfreulichen Zahlen: das Junte Theater erreichte in der Spielzeit 2023/24 zirka 40.000 Zuschauer:innen. Diese Zahlen müssen aber genauer betrachtet werden, denn nur die Hälfte dieser Menschen waren Gäste am Standort Bügerstraße 15. Im Ottfried-Müller-Haus am Wochenmarktplatz waren es noch doppelt so viele. Die andere Hälfte der Gäste wurden durch neue Strategien erreicht.
„Dabei galt es, Lösungen zu finden, um die wirtschaftlich notwendigen Gästezahlen zu erreichen und zugleich nicht an kultureller Bedeutung für die Menschen der Region Südniedersachsen zu verlieren,“ so Dietrich.
Drei Lösungsstrategien wurden entwickelt und umgesetzt: Da ist zuerst der Ausbau des Kinder- und Jugendbereichs zu nennen. Neben den Aufführungen in der Bürgerstraße gibt es auch zahlreiche mobile Angebote, die in den Bildungseinrichtungen vor Ort umgesetzt werden können.
Ein weiterer Punkt ist das regelmäßige Familienangebot: mindestens 25 Familienvorstellungen werden pro Jahr ganzjährig angeboten.
Der dritte Schwerpunkt ist eine ausgeprägte Gastspieltätigkeit in der Region.
Alle drei Maßnahmen führen allerdings zu einer deutlichen Belastung der Teams hinter und auf der Bühne. Aber nur dadurch konnten die notwendigen Zahlen erreicht werden . „Das wurde vom Team hart erarbeitet“, ergänzt der Intendant.
Die Interimsspielstätte erfordert neben der eingeschränkten Zuschauerkapazität noch weitere Kompromisse. So gibt es weniger Zeitslots für andere Kultureinrichtungen, die die Bühne des Jungen Theaters nutzen möchten. Aber auch ästhetisch sind die Möglichkeiten im Theatersaal ohne Seiten- und Hinterbühne eingeschränkt.
Die Erkenntnis aus diesen Einschränkungen fasst Nico Dietrich zusammen: „Wir wären dann so weit!“ Denn: das Junge Theater kann mehr. Sehnlichst erwartet das JT-Team die Sanierungsarbeiten im Ottfried-Müller-Haus, damit der Umzug in das Stammhaus wie geplant im Jahr 2026 erfolgen kann.
Mit Beendigung der Spielzeit 2023/24 gilt es auch, von zwei Ensemblemitgliedern Abschied zu nehmen: Michael Johannes Mayer scheidet aus dem Festengagement aus, wird aber einige Vorstellungen in der kommenden Spielzeit spielen und auch wieder einen eigenen Liederabend konzipieren, inszenieren und spielen.
Dorothea Röger wechselt an ein größeres Haus nach Altenburg/Gera. Seit der Spielzeit 2021/22 war sie unter anderem in Corpus Delicti, Woyzeck und diversen Musikshows zu sehen.
Neu im Team werden im August Fynn Knorr und Malin Kraft begrüßt.
Auch in der Presseabteilung gibt es einen Wechsel: Nils Schmidt wird das Haus verlassen, neu im Team ist Ann-Kristin Schmechel, die künftig die Pressearbeit des Hauses betreut.
Die erste Premiere in der neuen Spielzeit ist für den 31. August geplant: »Ihr wisst nicht, was Krieg ist« lautet der Titel der Uraufführung nach dem beeindruckenden und aufwühlenden Kriegstagebuch der 12-jährigen ukrainischen Yeva Skalietska. Für die Inszenierung und Ausstattung wurde Krzysztof Minkowski verpflichtet, es spielen Fynn Knorr, Malin Kraft, Jens Tramsen, Thyra Uhde. Der Vorverkauf für diese Produktion hat bereits begonnen.