Mit stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus für die Sänger:innen, das FestspielOrchester und Dirigent George Petrou ging am vergangenen Sonntag die Festspieloper „Tamerlano“ über die Bühne – und mit ihr endeten die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2025. Es war ein Festival, das Maßstäbe setzte: Mit rund 15.000 Besucherinnen und Besuchern übertrafen die diesjährigen Festspiele sämtliche Erwartungen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von etwa 25 Prozent – ein deutliches Zeichen für die gestiegene Anziehungskraft des traditionsreichen Festivals.
Vielfalt trifft auf Qualität
An zehn intensiven Festspieltagen wurden 94 Veranstaltungen angeboten – von großer Oper über Konzerte bis zu edukativen und partizipativen Formaten. Das Programm stand unter dem Motto „Lorbeeren“ und widmete sich dem Spannungsfeld zwischen Ruhm, Ehre und den Schattenseiten von Macht. Die italienische Regisseurin Rosetta Cucchiinszenierte Händels Oper „Tamerlano“ als packendes Psychodrama, musikalisch eindrucksvoll umgesetzt vom FestspielOrchester Göttingen unter George Petrou. Besonders gefeiert wurde der spanische Tenor Juan Sancho, dessen Interpretation des Bajazet Kritiker zu Formulierungen wie „Tenorfeuer“ veranlasste.
Auch das Eröffnungsoratorium „Solomon“, das in diesem Jahr zusätzlich in der Hamburger Elbphilharmonie zu hören war, fand großen Anklang. In Göttingen wie in Hamburg wurden die Aufführungen frenetisch gefeiert. Die Aufführung mit Lena Sutor-Wernich in der Titelrolle erhielt Standing Ovations.
Einen weiteren Höhepunkt bildete das Galakonzert mit der schwedischen Mezzosopranistin Ann Hallenberg, das laut Göttinger Tageblatt für „berauschende musikalische Momente“ sorgte. Die gefeierte Sängerin veredelte ein Arienprogramm mit Werken von Händel und Vivaldi und brillierte in Ausdruck wie Virtuosität.
Musik für alle – auch jenseits der großen Bühnen
Deutlich gewachsen ist in diesem Jahr das Interesse an kostenfreien und niederschwelligen Formaten. So besuchten über 260 Personen mehr als im Vorjahr die beliebten Lunchkonzerte, während das musikalische Lastenradprojekt „Der Rollende Georg“ rund 1.500 Menschen in Göttingen und der Region erreichte – ein Anstieg um über 500. Auch der Kindertag in und um die St. Johannis-Kirche erfreute sich regen Zulaufs und konnte seine Besucherzahl im Vergleich zum Vorjahr verfünffachen. Die Familienfassung von „Tamerlano“ war restlos ausverkauft.
Insgesamt wurde in nahezu allen Veranstaltungsformaten ein Besucherplus verzeichnet: Die Konzerte in der Stadthalleund der Aula der Universität zogen jeweils etwa 200 Gäste mehr an, die Kammerkonzerte in Göttingen rund 100 zusätzliche Zuhörer:innen.
Glanzlichter und Rückblicke
Neben der großen Oper und bekannten Solist:innen waren es vor allem die intimeren Formate und das Zusammenspiel aus Tradition und Innovation, das das Profil der Händel-Festspiele Göttingen weiter schärfte. So wurde nicht nur George Petrou als künstlerischer Leiter gefeiert, sondern auch sein Vorgänger Nicholas McGegan mit einem eigenen Geburtstagskonzert gewürdigt. Petrou selbst zeigte sich in einem Lunchkonzert als Pianist und kam so dem Publikum besonders nah.
Ein breites digitales Angebot ergänzt das Live-Erlebnis: Mitschnitte ausgewählter Konzerte – darunter „Solomon“, das Preisträgerkonzert mit La Mandorle und das Konzert „Congrats, Nic McGegan!“ – werden im Juni auf NDR Kulturgesendet. Zudem bleibt der Händel-Channel unter www.haendel-channel.de eine zentrale Plattform für alle, die noch einmal eintauchen wollen.
Vom Kulturbüro wurden die Festspiele intensiv begleitet: 16 Konzertrezensionen von der Premiere bis zur Familienoper finden sich auf der Webseite hier auf der Kulturbüros Göttingen.
Blick in die Zukunft
Geschäftsführender Intendant Jochen Schäfsmeier zieht eine überaus positive Bilanz: „Die diesjährigen Festspiele waren noch mehr als in den vergangenen Jahren Festspiele für alle.“ Zugleich wünscht er sich für die kommenden Jahre, „dass es in Zukunft noch besser gelingt, Festspielstimmung in der gesamten Region zu erzeugen.“ Erste Ansätze sind da: Auch in Duderstadt, Einbeck, Hann. Münden, Herzberg, Friedland und Scheden fanden Konzerte statt.
Wer dieses Jahr nicht dabei war, kann sich schon jetzt auf 2026 freuen: Die nächsten Internationalen Händel-Festspiele Göttingen finden vom 14. bis 25. Mai 2026 statt. Der öffentliche Vorverkauf beginnt am 28. November 2025 für ausgewählte Veranstaltungen. Bis dahin bleibt die Erinnerung an ein Festival, das auf allen Ebenen überzeugt hat – musikalisch, inhaltlich und in der Breite seines Publikums.