Eine neue Ausgabe des Theatermagazins »Szenenwechsel«: Im Jungen Theater kehrt Björn Diemel zurück – diesmal zwischen Entführung, Ernährungswahn und Bio-Marihuana unter dem Tigergehege. Intendant Nico Dietrich spricht über Tempo, Theaterlust und den Abschluss einer erfolgreichen Reihe.
Die Geschäfte laufen gut für Björn Diemel – vielleicht zu gut. Denn als Mafiaboss hat er sich bequem eingerichtet, wird träge und gerät ausgerechnet dann ins Hintertreffen, als seine Tochter entführt wird. In »Achtsam morden durch bewusste Ernährung«, der Bühnenfassung von Bernd Schmidt nach dem Roman von Karsten Dusse, zwingt ihn sein Coach erneut zur Selbstoptimierung – diesmal über Ernährung, Achtsamkeit und einen radikal veränderten Lebensstil. Doch zwischen Mafia-Alltag, Familienleben und Coaching geraten die Dinge schnell außer Kontrolle.
Intendant Nico Dietrich, der die Inszenierung am Jungen Theater verantwortet, setzt zum Abschluss der Diemel-Reihe auf Tempo, Spielfreude und ein bewusst überdrehtes Szenario. Im Gespräch mit Tina Fibiger beschreibt er eine Produktion, in der ein Ensemble mit schnellen Rollenwechseln eine ganze Zoowelt entstehen lässt – inklusive Kängurus, Elefanten und Tigern. Das Geschehen entfaltet sich als turbulentes Geflecht aus Entführung, kriminellen Geschäften und ökologischen Scheinwelten: Unter einem Tigergehege wächst eine Bio-Marihuana-Plantage, während vermeintliche Aktivisten ihre eigenen Interessen verfolgen.
Dabei bewegt sich die Inszenierung bewusst im Spannungsfeld zwischen Komödie und Überzeichnung. Dietrich versteht das Stück als Teil einer Reihe, die am Jungen Theater bereits ein großes Publikum erreicht hat. Zugleich nutzt die Produktion die letzten Ressourcen seiner Intendanz, um das Repertoire für die kommende Spielzeit zu stärken. Im Mittelpunkt steht eine Figur, die aktuelle Trends – von Selbstoptimierung bis Wellness – für ihre eigenen Zwecke instrumentalisiert und dabei immer wieder an den eigenen Widersprüchen scheitert.
»Achtsam morden durch bewusste Ernährung« feiert am 27. März 2026 Premiere im Jungen Theater Göttingen. Weitere Vorstellungen sind im April und Mai geplant.
Hören Sie das Gespräch:
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