Deutsches Theater

Zum Saisonfinale herrschte auch am Deutschen Theater Freibadstimmung. Und das nicht nur mit der Aussicht auf eine ganze Serie proben- und aufführungsfreier, sonniger Tage: Auch wurden die Theatermacher verabschiedet, die das Haus zum Spielzeitende verlassen. Nach der musikalisch dramatischen Poolparty mit David Bowies Musical „Lazarus“ steuerte das Ensemble mit dem soundstarken Support von „Minor Tom and the Young Dudes“ mit der DT-NachtBar einfach die nächste Poolparty an. Die war zur Abwechslung vom traditionellen BellevueTreffpunkt auf die DT-2-Bühne verlegt worden, mit mehr Platz für die vielen Partygäste und vor allem für eine wunderbar verspielte Freibadkulisse auf der Zuschauertribüne.

Schon der Fundus an Gummitieren mit schwimmerprobten Dinos, grinsenden Fischen und Krokodilen, einer Strandpalme, Luftballons und aufgeblasenem Ferienflieger toppt jedes Strandparty-Szenario und das Bühnenprogramm erst recht. Mit einem literarischen warm up an den Start gehen Christoph Türkay und Volker Muthmann. Sie haben jede Menge coole Sprüche zum Thema Freibad auf Lager, was sich eben Joachim Ringelnatz, Heinz Ehrhardt und Wilhelm Busch alles so zusammen gereimt haben. Sei es über Hummer, die bald ziemlich tot sind, wenn sie vor Wut kochen oder über den Hering, der zur nächtlichen Zeit dem Walfisch die letzte Neuigkeit erzählt. Klar, dass auch für Pinguine ein Ausflug ins Freibad spannender ist als ein weiterer Zoobesuch und dass vegetarische Krokodile irgendwann auch mal wieder Appetit auf Eisverkäufer entwickeln.

Während der tierische Freibadnonsens kursiert, spendiert Gaja Vogel weiterhin großzügig den Zuschauern Eis und verspricht einen krassen Abend, komplett improvisiert. Sie koordiniert als gestandene Eisverkäuferin mit Kühltasche und reichlich Manuskriptblättern das spätabendliche Freibadspektakel. Musikalisch heißt es jetzt erst mal „volle Kanne gute Laune“ und Samba-Groove für die vielen liebenswerten Abschiedsständchen und Überraschungen, in denen immer auch ein bisschen Abschiedsstimmung anklingt. Für die Reisenden werden Vogellieder gezwitschert und launige Raps über Kürbisse und Nashörner fabuliert. Regieassistentin Hannah Spielvogel widmet der DT-Jugendclub eine klassische Tragödie, während ihr Kollege Niels Sondermann im Laufe des Abends einen soliden Vorrat an vollen Bierflaschen spendiert bekommt, die seine Göttinger Theatergefährten in einer leeren Kiste stapeln.

Dass es dabei oft auch zu ganz berührenden Momenten kommt, ist der Plan. Wenn Daniel Mühe seine Schauspielkollegin Miriam Sommer mit „you’re so special“ nicht nur musikalisch umarmt und Dorothée Neff zum Abschied umschwärmt wird, dass sie mit Göttern und Geistern tanze. Für die Bühnengefährten steht natürlich fest, dass bei Benjamin Kempf jetzt die Zeit für größere Rollen gekommen ist und dass sie Christina Jung den Song „I’m looking for freedom“ widmen. „Ich warte auf Dich“ heißt es zum Abschied im Bademantel, mit Taucherbrille, Badelatschen, Basecap und Sonnenschutz, auch mit dem Versprechen, gleich noch ein Feuerwerk für die Reisenden zu zünden, bevor es rote Rosen regnet und goldfarbene Glitterstreifen.

Liebevolles Pathos flutet jetzt die Freibadkulisse, Weil Regieassistentin Leonie Rebentisch ein Ensemble zurücklässt, das ganz gewaltig um sie trauert, wird der Zuschauerraum vorübergehend zum Lichtermeer aus Kerzen. „Jetzt noch der Rausschmeißer“, verkündet Poolmanagerin Gaia Vogel und auch der versteht sich nicht nur musikalisch als liebevolle Umarmung für die gemeinsame Theaterzeit und den Abschied zum Saisonfinale: „Du und ich, das war einfach unschlagbar!“

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