GSO

Es war ein angenehm kühler Ort, an den das Göttinger Symphonieorchester am Samstagabend zum Konzert mit dem Titel „Majestätisch“ unter der Leitung von Bernd Eberhardt und Mitwirkung des Chors der Stadtkantorei einlud. Im Laufe des Abends schnellten die Temperaturen aber dennoch in die Höhe, in diesem Fall jedoch wegen des imposanten, energiegeladenen und fulminant gespielten musikalischen Programms.

Zum Auftakt erfüllten die dynamisch einschlagenden Klänge von Ludwig van Beethovens (1770-1827) Ouvertüre zu „Coriolan“ op. 62 den Raum, denen sich kraftvoll-fließende wie auch dramatische Melodien anschlossen; die Flöten und Geigen schimmerten zart tänzelnd hindurch, ebenso die Celli mit ihren schönen Akzenten. Besonders harmonisch waren auch die äußerst gelungenen Horn-Passagen. Immer wieder erklang eine schöne, sich erhebende und schließlich entladende melodische Spannung. Ein schöner Wechsel von fast ruhender Zartheit und dramatischen Einbrüchen.

Nach diesem klangvollen Einstieg spielten sich die Musiker meisterhaft durch Anton Bruckners (1824-1896) Symphonie Nr. 1 c-Moll WAB 101 in der Linzer Fassung: Ein in sich so facettenreiches Werk mit den unterschiedlichsten Tempi. Es faszinierte durch die stete Umkehrung vom harmonischen Fluss zu dramatisch wirbelnden und tosenden Wogen, mit denen das Orchester seine volle Klangblüte entfaltete; dennoch war es durchsetzt mit zarten Momenten des Innehaltens. Im Allegro folgte zunächst ein schöner, kraftvoller Auftakt durch die Streicher, erneut in sehr gelungener Begleitung der Hörner. Die frischen Sequenzen der Flöten, Klarinetten und Oboen wurden von einem feinen, bebenden Klang der Pauken untermalt. Im Adagio wurde der dunklere Klang der Hörner und Kontrabässe von den Geigen leicht erhellt, gefolgt von einer berührenden Flöten- und Klarinettensequenz. Frisch und idyllisch spielten sie herrlich zueinander, bevor sich wieder kraftvollere Klangebenen auftaten. Es fanden ganz unterschiedliche Lautstärkeverläufe zueinander. Besonders faszinierend waren die stets in Bewegung bleibenden Geigen mit einer filigran gespielten und auflockernden Sequenz. Gegen Ende des Satzes erklangen imposante, sprühende Wogen, die in einem zauberhaften Ausklang verhallten. Das Scherzo war von der starken Dynamik der Pauken geprägt, mit einem Übergang zu den dahingleitenden Geigen und einem schönen, hervorragend gespielten Thema, das in der Akustik der Kirche ein intensives Gefühl von Weite erzeugte. Es wurde von turbulenten Klängen und dann wieder von der freudigen Leichtigkeit der Geigen, Hörner und Flöten umgeben. Mächtig zeigte sich auch der letzte Satz, der in einem euphorischen Finale endete.

Noch majestätischer und erhabener wurde es mit dem Höhepunkt des Abends, dem Psalm 114 op. 51 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), der stimmgewaltig und berührend vom Chor der Stadtkantorei gesungen wurde. Die stimmliche Intensität im Zusammenwirken mit Orchester und Dirigent war harmonisch, überwältigend und erfüllend, was keiner weiteren Worte bedarf.

Die Werke für diesen Abend waren brillant gewählt und erhielten in der so eindrucksvollen Akustik eine ganz besondere, ihnen gebührende Intensität und Klanggewalt mit einem weichen Nachhall, so dass der Abend gefühlt viel zu schnell vorbei war. Der Elan des Dirigenten Bernd Eberhardt, der Orchestermusiker und der Choristen war deutlich spürbar, was die Zuhörer mit langanhaltenden Ovationen würdigten.

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