Händel-Festspiele

Die Töne funkeln wie kleine Kristalle, jeder für sich. Schon mit der Arie aus Händels Oratorium „Susanna“ entfaltet sich ein berührendes musikalisches Schauspiel, wenn Ruby Hughes die Verse zum Klingen bringt.

Wie in luftigen Pastellfarben gemalt beschwingt dieses Bild ländlicher Idylle über dem murmelnden Gleiten klarer Wellen „Crystal streams in murmurs flowing“. Auch das Naturpanorama in Händels Oratorium “The Choice of Hercules“ mit all den Versprechungen von Liebe und weltlichen Genüssen, die der mythologische Held der Antike erfährt, hat diese bezaubernde Wirkung, die Laurence Cummings am Cembalo so wunderbar feinsinnig coloriert. Ebenso lässt sich das Publikum zum Auftaktkonzert der Internationalen Händelfestspiele Göttingen im Muthaus auf Burg Hardeg nun von den dramatischen Arien verzaubern, die Händel seiner letzten Primadonna Giulia Farsi in den Oratorien „Theodora“, Salomon und „Jephtha“ gewidmet hatte.

Das Recital ist eine der schönsten Formen des musikalischen Zwiegesprächs, auch mit dem tiefen Verständnis für die Motive zwischen den Zeilen und all den Gefühlen, die mit Worten so schwer fassbar sind. Wenn die britische Sopranistin sich der grenzenlosen Verzweiflung Theodoras annimmt und ihrer Bitte um göttlicher Erlösung, dann wie in einem dieser Lieder ohne Worte, aus denen die Musik in ihrer ganzen emotionalen Kraft spricht. Leidenschaftlich temperamentvoll beschwört die Stimme die Seelenqualen der verratenen Geliebten in Vincenzo Ciampis Oratorium “Il trionfo die Camilla“. Auch Thomas Arnes Arie aus dem Maskenspiel „Alfred“ entfacht ein aufrührendes emotionales Feuerwerk, bestärkt von Laurence Cummings am Cembalo.

Die musikalische Widmung für Händels letzte Primadonna verwebten die beiden Musiker mit den Arien aus dem Repertoire von Giula Frasi. Die italienische Sopranistin, die 1748 nach ihrem Händel Debüt in einer Wideraufnahme des Oratoriums „Judas Maccabeus“ den Komponisten ebenso begeisterte wie die Londoner Musikwelt, war über lange Jahre eine gefragte Opernsolistin. Und mit den schönsten Arien verbinden sich an diesem Abend auch die schönsten Entdeckungen, wie zum Beispiel die Arie “Why is death for ever late“ aus der Oper Artaxerxes von Thomas Arne mit ihrem tragisch melancholischen Schimmer. Unmittelbar verzaubern Ruby Hughes und Laurence Cummings auch mit einem Schlaflied von John Christopher Smith „O balmy sleep“. Dabei verschmelzen Stimme und Cembalo zu einem gemeinsamen Atem und lassen das Festivalmotto „Magische Saiten“ mit den Versen von Rainer Maria Rilke aufleuchten: „Doch alles, was uns anrührt, dich und mich, nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich, der aus zwei Saiten eine Stimme zieht“.

Auch das Cembalo singt an diesem Abend für Händels letzte Primadonna und das nicht nur in der F-Dur Suite des Komponisten und in Thomas Arnes sonnig anmutender e-moll Sonate. Die Arie „Lascia chio pianga“ wird zu einem magischen Moment für Saitenstimmen und die feierliche Ankunft der Königin von Saba aus dem Oratorium „Salomon“ zu einem musikalischen Fest, das von den Zuhörenden begeistert gefeiert wird. Als Zugabe beschenken Ruby Hughes und Laurence Cummings ihr Publikum mit der himmlisch schönen Arie „Angels ever bright and fair“ aus dem Oratorium „Theodora“, auf dass die Festspiele ebenso bezaubern wie dieses zauberhafte Auftaktkonzert.

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