Kultur im Klinikum

Musik und Hören sind untrennbar miteinander verbunden. Da man nicht trennen soll, was zusammen gehört, fanden sich Musiker und Hörforscher zu einem anregenden Austausch im Rahmen des Händel Talks zusammen. Das Tobias Duett, bestehend aus Prof. Dr. Tobias Moser, dem Leiter des Instituts für auditorische Neurowissenschaften, und Tobias Wolff, dem geschäftsführenden Intendant der Händel Festspiele, führte durch einen hörenswerten Abend.

Die musikalische Seite wurde von den zwei charismatischen Sängern Erica Eloff (Sopran) und Jorge Navarro Colorado (Tenor) beleuchtet, der Aspekt der Forschung von Prof. Dr. Tobias Moser, Dr. Tina Pangršič-Vilfan und PD Dr. Nicola Strenzke. Die Wissenschaftler erklärten wie das Ohr Schall in elektrische Signale umwandelt, die im Gehirn verarbeitet werden. Eine kurze Reise durch die Geschichte der Hörforschung führte vom alten Griechenland bis zum Zeitalter der molekularen Forschung, in dem man die Rolle von einzelnen Molekülen entlang der auditorischen Axe zu verstehen beginnt. Musiker sind die Superhelden des Hörens, sind sie doch darauf trainiert, Töne mit einer viel größeren Genauigkeit zu hören als der Otto-Normal Hörer. Erica Eloff gewährte spannende Einblicke in diese Superkraft, aber auch in ihre Schattenseite, wenn man zum Beispiel überall von Hintergrundmusik beschallt wird. Natürlich wurde auch gewitzelt, wer unter den Musikern das beste und das schlechteste Gehör hat.

Jeder Gespächsblock wurde von einer musikalischen Darbietung eingerahmt. Diese Intervalle bewahrten davor, die Diskussionen zu langatmig und ausschweifend werden zu lassen. Erica Eloff und Jorge Navarro Colorado boten abwechselnd eine Arie aus der Händel Oper Rodrigo dar, begleitet am Klavier vom künstlerischen Leiter der Händel Festspiele Laurence Cummings. Die packende und gefühlvolle Darbietung war nicht nur Genuss, sondern auch Motivation die Themen des Hörens ernst zu nehmen. Was würde einem entgehen, wenn man durch Hörverlust der Freude an der Musik beraubt würde? In diesem Sinne, wurde auch diesem Thema große Wichtigkeit eingeräumt.

Nicola Strenzke erklärte die Mechanismen des Hörverlusts. Jorge Navarro Colorado erzählte von der Schwierigkeit sein Gehör in diesem Beruf zu schützen. Der Lärmpegel in Proben kann die kritische Schwelle schnell überschreiten. Das Tragen von Gehörschutz verändert die Wahrnehmung der eigenen Stimme fundamental und bedarf viel mehr Feedback von Seiten des Dirigenten, ob man sich nach wie vor adequat in das Klangbild einfügt.

Zum Abschluss sangen Sopranistin und Tenor ein ergreifendes Duett. Jorge Navarro Colorado sag mit Gehörschutz, der angesichts der weichen Intonation von Erica Eloff vielmehr symbolisch zu verstehen war. Dieses berührende Duett betonte noch einmal die immanente Wichtigkeit der Bewahrung dieses ausgefeilten Sinnes, der uns die Welt der Musik, der Sprache und der zwischenmenschlichen Beziehungen eröffnet.

Es war eine sehr gelunge Annäherung zwischen Musikern und Wissenschaftlern, von der jeder im Publikum Wohlgefallen und Wissen mitnehmen konnte. 

Kommentare powered by CComment

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Lieber Gast,
vielen Dank für Ihr Interesse an den Seiten des Kulturbüro Göttingen. Die Erstellung von Terminen und Texten kostet Geld - denn es sind Menschen, die diese Termine erfassen oder die Texte schreiben. Deshalb bitten wir Sie, entweder ein Abonnement abzuschließen oder für diesen einzelnen Beitrag einen Betrag zu bezahlen.
Vielen Dank!

OpenAir-Kino am Brauweg

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.
Ok