ClavierTage

Die ClavierTage 2019 waren ganz und gar Franz Schubert gewidmet. Am letzten Abend hatte Gerrit Zitterbart – Pianist, Organisator und Betreiber des Göttinger Clavier-Salons – den Tenor Simon Bode eingeladen, um mit ihm den Schubertschen Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ aufzuführen.

Simon Bode ist ein Ausnahmetalent: als Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover singt er Verdi, Mozart und Wagner. Als Oratoriensänger wird er zu Bach-Passionen eingeladen – und bei den Internationalen Händel-Festspielen gastierte der lyrische Tenor im Jahr 2017 in der Aufführung von Haydns „Orpheus und Euridice“. Häufig wird er aber auch als Lied-Sänger eingeladen, so wie jetzt in die Reformierte Kirche in Göttingen mit ihrer wunderbaren Akustik.
„Die schöne Müllerin“ – dieser Liederzyklus steckt voller Emotionen. Und die haben Bode und Zitterbart besonders betont: Bode setzte seine Mimik und Körpersprache ein, um die Dramatik der Liedtexte besonders deutlich zu machen. Zitterbart nutzte alle Möglichkeiten des historischen Instruments aus, um diese dramatischen Farben ebenso abzubilden.

Was dadurch entsteht, unterscheidet sich deutlich von den üblicherweise zu hörenden Interpretationen dieses Liederzyklus. Statt einer Interpretation überwiegend durch Dynamik, Tongestaltung und Tempo setzt Simon Bode auf ein ganzheitliches Konzerterlebnis. Dadurch geraten die Lieder bisweilen nahezu opernhaft. Das gilt vor allem in den dramatischen Momenten wie zum Beispiel in „Ungeduld“: hier war das gesamte Kraftpotential Bodes zu spüren. Etwas weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen.

In den lyrischen, eher sanften Passagen zeigte Bode, dass er auch dieses Handwerk sehr gut versteht: mit zartestem Schmelz und feinstem Pianissimo gestaltet Simon Bode zum Beispiel das „Wohin?“ oder „Trockne Blumen“.
Gerrit Zitterbart folgte an dem Historischen Flügel aus dem Jahr 1836 der dramatischen Interpretation Bodes – und machte das Instrument damit zu einem gleichgewichtigen Akteur des Abends.

So blieben am Ende gemischte Gefühle: eine starke Aufführung durch zwei starke Partner. Aber vielleicht ein wenig zu viel der Stärke. Letztlich ist dies Geschmackssache. Die große Leistung von Simon Bode und Gerrit Zitterbart bleibt beachtlich. Das fand auch das Publikum, das die beiden nur nach langem Applaus aus der Reformierten Kirche entließ.

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