GSO

Im letzten Konzert des Zyklus‘ „Kulturelle Begegnung“ entführte das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) das Publikum im nahezu ausverkauften Deutschen Theater nach Russland. Die Leitung hatte der amerikanische Dirigent Daniel Spaw übernommen. Als Solist wurde der Balalaika-Spieler Andrej Gorbatschow eingeladen. Die Balalaika ist in Russland überaus beliebt und wird dort auch als Konzertinstrument eingesetzt. Da dies bei uns eher selten der Fall ist, führte Gorbatschows Klavierbegleiter Lothar Freund in das Instrument ein.

Auf dem Programm des Konzertes standen Kompositionen überwiegend von russischen Komponisten: angefangen von der Ouvertüre zur Oper „Ein Leben für den Zaren“ von Michail Glinka über Kompositionen für die Balalaika von Alexander Schalow, Nikolai Budaschkin und Olga Ossipowa, bis hin zur der Komposition für Balalaika solo von Gorbatschow persönlich.

Zwischendurch erklangen Teile der Suite nach russischen Volksmelodien von Max Bruch, die Ouvertüre zu „Chowanschtschina“ von Modest Mussorgski und das Largo aus dem Konzert für Mandoline und Streichorchester von Antonio Vivaldi.

Für Dirigent Daniel Spaw war die Zusammenarbeit mit dem GSO eine Premiere – anschließend äußerte er sich begeistert über das Orchester: als „ein Juwel“ bezeichnete er das Ensemble. Und in der Tat waren die Musikerinnen und Musiker an diesem Sonntagnachmittag bestens aufgelegt. Das mag auch an dem Gast Andrej Gorbatschow mit seiner Balaleika gelegen haben: dessen Spiel riss einen förmlich aus den Sitzen. Sein Spiel als „virtuos“ zu beschreiben, ist fast eine Untertreibung. Mit unglaublicher Technik und Kunstfertigkeit entlockte Gorbatschow dem nur dreiseitigen Zupfinstrument die erstaunlichsten Klänge.

Ohne die Balalaika erklangen die Sätze aus der Suite von Max Bruch. Um die Volksmelodien vorzustellen, sang Daniel Spaw mit seinem warmen Bariton die ersten Töne eines Liedes vor – und sofort stimmten etliche Besucherinnen und Besucher mit ein. „Dieses Lied kennt in Russland jedes Kind“, hatte Spaw vorher angekündigt. Offenbar waren viele Personen anwesend, die in ihrer Kindheit eben dieses Lied kennengelernt hatten. Für das Wiedererkennen in der anschließenden Wiedergabe durch das Orchester war das auf jeden Fall sehr hilfreich. Max Bruch hatte zahlreiche solcher Lieder gesammelt und mit vielfältigen Klangfarben orchestriert. Spaw brachte diese Farben auf der Theaterbühne zum Klingen. Und damit erklangen auch die unterschiedlichen Stimmungen der Lieder – von melancholisch, traurig bis freudig und tanzend. Das GSO konnte hier seine Qualität beweisen. Genauso wie in der Mussorgsky-Ouvertüre, in der Spaw die Zuhörer ein Wechelbad der Emotionen durchleben ließ.

Bei Vivaldis Mandolinen-Konzert war deutlich mehr Zurückhaltung des Orchesters erforderlich: mit leichtem Pizzicato überließen die Musikerinnen und Musiker dem Solisten den akustischen Raum: zarte Klänge entlockte Gorbatschow seinem Instrument – die leider noch elektronisch verstärkt werden mussten.

Die Krönung seiner Kunst kam zum Ende des Konzertes: als letztes Stück stand die Rock-Kalinka für Balalaika und Orchester auf dem Programm. Zu Beginn noch eher traditionell und geradezu „brav“ wurden die Klänge später härter und rockiger. Gorbatschow entledigte sich auch umgehend seiner Abendgarderobe und spielte das Konzert in einem standesgemäßen Rocker-T-Shirt zu Ende.

Nicht nachlassende Ovationen ließen Gorbatschow noch eine Zugabe entlocken: geradezu halsbrecherisch erklang das berühmte Caprice no.24 von Niccolò Paganini auf der Balalaika.

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